Kammermusik Basel | Basle Chamber Music Society

Kammermusik Basel | Basle Chamber Music Society

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Concert details

950

26.11.2019, 19.30 Uhr ( 94. Saison Abo 7 )
Oekolampad Basel

Jerusalem Quartet (Jerusalem)

Pavlovsky, Alexander, Violine 1
Bresler, Sergei, Violine 2
Kam, Ori, Viola
Zlotnikov, Kyril, Violoncello

Such was the New York Times’ impression of the Jerusalem Quartet. Since the ensemble’s founding in 1993 and subsequent 1996 debut, the four Israeli musicians have embarked on a journey of growth and maturation. This journey has resulted in a wide repertoire and stunning depth of expression, which carries on the string quartet tradition in a unique manner. The ensemble has found its core in a warm, full, human sound and an egalitarian balance between high and low voices. This approach allows the quartet to maintain a healthy relationship between individual expression and a transparent and respectful presentation of the composer’s work. It is also the drive and motivation for the continuing refinement of its interpretations of the classical repertoire as well as exploration of new epochs.

The Jerusalem Quartet is a regular and beloved guest on the world’s great concert stages. With regular bi-annual visits to North America, the quartet has performed in cities such as New York, Chicago, Los Angeles, Philadelphia, Washington, and Cleveland as well as in the Ravinia Festival. In Europe, the quartet enjoys an enthusiastic reception with regular appearances in London’s Wigmore hall, Tonhalle Zürich, Munich Herkulessaal, Theatre des Champs-Elysées, as well as special guest performances at the Auditorium du Louvre Paris, the Elbphilharmonie Hamburg and festivals such as Salzburg, Verbier, Schleswig-Holstein, Schubertiade Schwarzenberg, Rheingau, Saint Petersburg white Nights and many others.

The Jerusalem Quartet records exclusively for Harmonia Mundi. The quartet’s recordings, particularly the albums featuring Haydn’s string quartets and Schubert’s "Death and the Maiden", have been honored with numerous awards such as the Diapason d’Or and the BBC Music Magazine Award for chamber music. In 2018, the quartet released two albums, an album of Dvorak’s String Quintet Op.97 and Sextet Op.48, and a much-awaited recording of the celebrated quartets by Ravel and Debussy. In the spring of 2019, the quartet will release a unique album exploring Jewish music in Central Europe between the wars and its far-reaching influence. Israeli Soprano Hila Baggio will join the quartet to perform a collection of Yiddish Cabaret songs from Warsaw in the 1920s. The quartet has commissioned composer Leonid Desyatnikov to arrange these songs, which will be sung in Yiddish. Schulhoff’s Five Pieces (1924), a collection of short and light cabaret-like pieces, and Korngold’s Quartet No.2 (1937) will complete the program.

Alongside its regular programs, the 2018/19 season will open with a premiere of its new Yiddish program. In October the quartet will be joined by Pinchas Zukerman and Amanda Forsyth for a US tour featuring string sextets by Strauss, Schoenberg and Tchaikovsky. March will include a return of the Brahms project featuring quartets, sonatas and quintets together with clarinetist Sharon Kam and pianist Matan Porat. After a second US tour in April, Bartok’s 6 string quartets will be presented at London’s Wigmore hall in May and then combined with Beethoven and performed in various venues in Bavaria.

Erwin Schulhoff
1894-1942

Fünf Stücke für Streichquartett (1923)

Alla Valse viennese: Allegro
Alla Serenata: Allegretto con moto
Alla Czeca: Molto allegro
Alla Tango milonga: Andante
Alla Tarantella: Prestissimo con fuoco

Wolfgang Amadeus Mozart
1756-1791

Streichquartett Nr. 15, d-moll, KV 421 (417b) (1783)

Allegro (moderato)
Andante
Menuetto: Allegretto – Trio
Allegretto, ma non troppo (con variazioni)

Dmitrij Schostakowitsch
1906-1975

Streichquartett Nr. 2, A-dur, op. 69 (1944)

Ouverture: Moderato con moto
Rezitativ und Romanze: Adagio
Walzer: Allegretto
Thema und Variationen: Adagio – Moderato – Con moto

(zu Mozart, Streichquartett Nr. 15, d-moll, KV 421 (417b))

Die Tonart d-moll gibt Mozart immer Anlass zu besonderer Intensität, so auch hier. Im Sotto voce-Einsatz wird zuerst die Erregung zurückgedrängt, doch kommt sie bald im Forte zum Ausbruch, und auch die Bewegung steigert sich ständig. Die Schönheit des Andante bringt Beruhigung; es ist aber kleingliedrig und von Pausen durchbrochen. Die Schroffheit des Menuetts kippt im Trio in fast unwirkliche Eleganz und Leichtigkeit, so als hätten wir es mit einer Serenade zu tun. Das Finale orientiert sich zwar an Haydns Finalthema aus op. 33/5, aber Mozarts d-moll ist weit entfernt von Haydns G-dur-Leichtigkeit. - -

Das d-moll-Quartett weist im typisch mozartschem Mollcharakter voller Erregung und in dunkler Klangsprache - wozu im Kopfsatz Intervallsprünge und herbe Dissonanzen treten - Neuartiges auf. Im Menuett kontrastiert die dunkle Färbung mit dem heiteren Serenadenton des Trios. Das Variationen-Finale greift sowohl im Siciliano-Rhythmus wie in der Melodik unüberhörbar auf Haydn selbst zurück: auf seine Finalvariationen in op. 33/5, werden aber harmonisch und modulatorisch neu gedeutet.

(zu Schostakowitsch, Streichquartett Nr. 2, A-dur, op. 69)

Das 2. Streichquartett war das erste Quartett Schostakowitschs, das – 1964 – bei der Gesellschaft für Kammermusik Basel aufgeführt wurde. Es ist bis heute bei dieser einen Aufführung geblieben. Das 2. Quartett ist sechs Jahre nach dem ersten von 1938 entstanden, also noch während des 2. Weltkrieges. Dies ist dem Werk im Vergleich mit dem «heiteren, lustigen und lyrischen, frühlingshaften» (Schostakowitsch) 1. Quartett anzuhören. Man hört slawische Anklänge, die man nur allzu gerne mit Patriotismus zu verbinden geneigt ist – vielleicht ist dies ja gewollt, wie das Slawische Quartett Schebalins zeigt. Schostakowitsch widmete es denn auch seinem Freund, nachdem ihn dieser 1943 ans Moskauer Konservatorium berufen hatte. Wie schon die Satzbezeichnungen vermuten lassen, beruht das Werk auf klassischen Formen, die allerdings mit Affekten (durchaus im barocken Sinn) und Expressivität erfüllt werden. Das Quartett beginnt gleichsam opernhaft, mit Ouvertüre, Rezitativ und Arie. Der als Ouvertüre bezeichnete Kopfsatz ist ein regelrechter Sonatensatz, bei dem – wer hätte das damals ausser Schostakowitsch, der auch in der 9. Sinfonie (1945) so verfährt, noch gewagt – die Exposition wiederholt werden soll. Die Violine übernimmt das Hauptmotiv. Dieses wird in der Folge ständig verändert und erweitert und bestimmt den ganzen, von energiegeladener Kompromisslosigkeit gekennzeichneten Satz. Das Adagio in b-moll beruht auf dem barocken Schema von Rezitativ und Arie des 18. Jahrhunderts, wobei allerdings das Rezitativ nach der expressiven Romanze wieder aufgenommen wird. Der Satz ist von Klage bestimmt; sie wird in dem taktlos notierten Rezitativ von der Violine vorgetragen. Der folgende Walzer in Es-dur zeigt ein bei Schostakowitsch nicht seltenes Verfahren. Das vermeintlich Heitere wird ins Gegenteil verkehrt. Hier ist es nicht so sehr das Groteske als das spukhaft Unheimliche. So wird eine Art fahler Totentanz daraus, bevor im Mittelteil dramatischere Töne angeschlagen werden. Für das Finale wählte Schostakowitsch Variationen in a-moll über ein von der Viola vorgetragenes Thema. Hier werden die Anklänge an russische Folklore immer deutlicher. Man fühlt sich an Mussorgskys Boris Godunow erinnert. Die Verarbeitung führt von figurativem Variieren immer mehr vom Thema weg zu einem grossen Höhepunkt, bevor zum Schluss das Adagio zurückkehrt.

(zu Schulhoff, Fünf Stücke für Streichquartett)

"Ein amüsanter, liebenswürdiger, spielerisch veranlagter, hochbegabter Künstler und ein wilder Temperamentmusikant, ein Draufgeher, kein Philosoph" - so charakterisierte ein Musikkritiker den Prager Komponisten Ervín Schulhoff 1928. Da mag Schulhoffs Liebe zum Jazz mitgespielt haben - doch darf man ihn keineswegs nur auf diesen Stil einengen. Gerade seine beiden Streichquartette sind sehr wohl auch slawisch beeinflusst. Die Fünf Stücke sind, wie schon die Titel deutlich machen, vor allem rhythmisch inspiriert. In einer Rezension wurden sie als "nette und schwungvolle Tanzstücke" und "niedliche Tanzbagatellen" bezeichnet. Dabei darf man sich von der scheinbaren Oberflächlichkeit der Tanzformen nicht täuschen lassen. Schulhoff experimentiert in raffinierter Weise mit motivischen, metrischen und harmonischen Spielformen. Gleichwohl irritierten die Stücke beinahe wie Schönbergs Zwölftönigkeit. Nach der Aufführung (die Uraufführung hatte kurz zuvor beim IGNM-Festival in Salzburg stattgefunden) bei den Donaueschinger Kammermusiktagen rief der Traditionalist Joseph Haas, sie als "primitive Quartettkunst" abstempelnd, aus: "O Heilige Kammermusik, wo bist du hingeraten?"

Enjoy chamber music live!
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