Kammermusik Basel | Basle Chamber Music Society

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Composition details

Sonate pour violon et piano (1943/49)

Francis Poulenc
1899-1963
Allegro con fuoco
Intermezzo. Très lent et calme
Presto tragico

Poulenc, 1923 Mitglied des Pariser ‚Groupe des Six’, glaubt man als neoklassizistisch witzigen, heiter parodierenden und mit Vorbildern spielenden Komponisten zu kennen. Dabei kommt seine ernsthafte Seite zu kurz, die sich in den religiösen Werken und in der Oper „Les dialogues des Carmélites“ zeigt. Ernsthaftigkeit zeigt auch die Auseinandersetzung mit der Form Violinsonate. Poulenc, der als Pianist die Violine nicht gut kannte und mochte («je n’aime pas le violon au singulier»), hatte drei Anläufe zu einer Geigensonate genommen; keine liess er gelten bzw. vernichtete sie. Die eigentlich 4. Sonate ist herber als gewohnt. Dies liegt sicher auch daran, dass Poulenc sie im Andenken an den von ihm bewunderten, 1936 von den Faschisten ermordeten Federico García Lorca schrieb. Dass es eine Geigensonate wurde, ist der wunderbaren Geigerin Ginette Neveu (1919-1949) zu verdanken, die sich dringend eine Sonate von Poulenc wünschte. Ihr versagte er dann auch da und dort den eleganten, süsseren Ton nicht, zumal sie ihm bei der Ausgestaltung der Violinstimme half und sie auch für die Publikation in geigentechnischen Fragen (Fingersatz, Strich) bearbeitete. Typisch für Poulencs Kompositionsstil sind häufig kürzere Phasen in der Art von Mosaiksteinen, die sich mit ihren verschiedenen Charakteren überraschend ablösen und Tempo und Stil unversehens verändern. Das Werk (Version 1949) endet – nach einem fff-Fall auf die tiefste Note des Klaviers – in zurückgenommenem Tempo und zum Schluss in von Generalpausen getrennten drei Akkorden (fortissimo – piano – fortissimo) mit Violinpizzicati. Neveu und Poulenc spielten die Uraufführung am 21. Juni 1943 in Paris. Publikum und Presse reagierten kritisch, ebenso Poulenc («Ma sonate ... n’est hélas pas du meilleur Poulenc»). Der Schlusssatz Presto tragico bezieht sich gewiss auf das Schicksal Lorcas, doch erhielt er 1949, als Poulenc ihn revidierte, traurige Aktualität. Ginette Neveu, zusammen mit ihrem Bruder, dem Pianisten Jean, auf der Reise zu einer USA-Tournée, kam bei einem Flugzeugabsturz am 28. Oktober ums Leben. Poulencs Hommages gingen bei diesem Werk à la mémoire de F. G. Lorca und – nach der Erstwidmung an seine Nichte – 1949 à Ginette Neveu.

Performances

889 11.11.2014 Trio Bruno Schneider/Daishin Kashimoto/Eric Le Sage

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