• Werk-Details
  • Streichquartett Nr. 3, op. 15 (1937/38)

Pavel Haas 1899-1944

Pavel Haas wurde als Sohn eines jüdischen Schuhmachers in Brno (Brünn) geboren. Seit 1913 hatte er Unterricht in der Musikschule und begann zu komponieren. 1917 wurde er als Soldat in die k.u.k. Armee eingezogen, Er konnte zwar in Brünn bleiben, doch erst 1919 am von Leoš Janáček neu gegründeten Brünner Konservatorium die musikalische Ausbildung fortsetzen. Von 1920 bis 1922 studierte er in Janáčeks Meisterklasse. Er gilt als dessen bedeutendster Schüler. Danach komponierte er, u. a. Bühnenmusiken für das Brünner Theater. Nach Janáčeks Tod wurde er dessen Nachfolger als Vorsitzender des Mährischen Komponistenverbands. Der Einmarsch der deutschen Truppen im März 1939 hatte ein Berufsverbot und das Verbot seiner Musik zur Folge. Am 2. Dezember 1941 wurde er ins KZ Theresienstadt deportiert. Hier komponierte er, angeregt vom Pianisten Gideon Klein, nur noch selten. Von acht Kompositionen blieben nur drei erhalten. Am 16. Oktober 1944 wurde er nach Auschwitz verbracht, wo er, wohl am 18., mit vielen anderen vergast wurde. Seine Musik blieb vergessen und wurde erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts wiederentdeckt. In unseren Konzerten wurde das 2. Streichquartett 1997 und das Bläserquintett 1998 aufgeführt. Das 3. Streichquartett op. 15 (1937/1938) ist sein erstes Werk, das Spuren dieser düsteren Zeit in sich trägt. Haas verwendet im Quartett motivische Figuren, die den St. Wenzels-Choral zitieren. Die Verwendung des patriotischen Chorals in Verbindung mit jüdischen Elementen wie melodischen Wendungen, die Haas von hebräischen Gesängen ableitete, spiegelt den eigenen Standort des Komponisten wider. Ganz besonders das Finale mit seiner Doppelfuge ist eine grossartige kompositorische Leistung.
Allegro moderato
Lento ma non troppo e poco rubato
Tema con variazioni e fuga con moto

Dauer ca.: 00:22

Aufführungen