Kammermusik Basel

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Werk-Details

Langsamer Satz für Streichquartett, M. 78 (1905)

Anton Webern
1883-1945
Langsam, mit bewegtem Ausdruck

Dauer ca: 00:10

Aus den frühen Jahren Weberns bis zum ersten gültigen Quartettwerk, den Fünf Stücken op. 5 (1909), gibt es zahlreiche Skizzen, Entwürfe und auch vollendete Quartettkompositionen. Zwei entstanden im Sommer 1905: Wohl aufgrund einer Aufgabenstellung Schönbergs, bei dem er 1904 sein Kompositionsstudium begonnen hatte, schrieb er im Juni einen langsamen Satz. Danach komponierte er vermutlich aus eigener Motivation während der Ferien ein einsätziges, dreiteiliges Streichquartett, zu dem ihn Segantinis «Alpen-Triptychon» (1899) anregte. Der «langsame Satz» steht in spätromantischer Tradition, wie man sie von Schönbergs «Verklärter Nacht» (1899) her kennt. Webern selbst hatte 1904 in der Idylle «Im Sommerwind» für grosses Orchester in spätromantischem Klang geschwelgt. Noch hat er nicht zu äusserst kurzen Formen und zur Atonalität gefunden. Der «langsame Satz» strahlt – biographisch bedingt – das Hochgefühl eines frisch verliebten jungen Mannes aus: Webern hatte Pfingsten mit seiner Cousine Wilhemine Mörtl mit Wanderungen verbracht und dazu in seinem Tagebuch vermerkt: «Zwei Seelen hatten sich vermählt!» 1912 sollte sie seine Frau werden. Hans Moldenhauer (Pianist und Musikwissenschaftler, mit seiner Frau Rosaleen Verfasser des Webern-Werkverzeichnisses) beschrieb den Satz so: «Die Musik verströmt rührende Lieblichkeit, von Glück erfüllte Heiterkeit schwillt in der Koda zu triumphierender Ekstase an. Das Quartett ist im Aufbau traditionell. Die motivische Arbeit zeigt Brahms’sche Enflüsse.» Die Bezüge auf Brahms mögen überraschen, wenn man Weberns Bemerkungen im Tagebuch von 1903 über eine Konzertaufführung von Wagners «Faust-Ouvertüre» und der 3. Sinfonie von Brahms vergleicht: «Br. und Wagner sind wol zwei Männ(er), die nicht auf ein Programm gehören. B. Symphonie so zurückhaltend, kalt ohne besondere Eingebung, allzu vornehm vergrübelt, wie ein frostiger Novembertag, schlecht instrumentirt, – grau in grau. – Wagner(s) Ouvertüre voll tief(s)ter Leidenschaft voll versengender Glut, voll aufwühlender Macht.» Vielleicht war es Schönbergs Einfluss, der ihn von seiner früheren Einschätzung abgebracht hat. Jener legte auch Wert auf sorgfältige Beschäftigung mit klassischer Form, wie sie im langsamen Satz vorliegt.

Aufführungen

929 9.1.2018 Quatuor Modigliani
624 27.11.1990 Carmina Quartett