Kammermusik Basel

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Werk-Details

Streichquartett D-dur (1897)

Allegro molto
Intermezzo – Andantino grazioso
Andante con moto. Variationen 1–5
Allegro

«Wenn die Leute von mir sprechen, denken sie sofort an Schrecken, Atonalität und Komposition mit zwölf Tönen. Allgemein wird immer vergessen, dass es, bevor ich diese neuen Techniken entwickelt hatte, zwei oder drei Zeitabschnitte gab, in denen ich das technische Rüstzeug erwerben musste.» So äusserte sich Schönberg später im Rückblick auf seine Frühzeit. Eines der Werke auf dem Weg zu sich selbst, das bisher umfangreichste, war 1897 das Streichquartett in D-dur, das neben anderen Quartettversuchen stand. Schönberg war weitgehend Autodidakt – was ein Sonatensatz ist, erfuhr er erst um 1892, als Meyers Konversationslexikon beim «langerhofften Buchstaben S» angelangt war, «was mir ermöglichte, unter ‚Sonate’ zu lernen, wie der erste Satz einer Sonate aufgebaut ist». Nach Oskar Adler, unter dessen Leitung er Kammermusik spielte, war Zemlinsky Schönbergs Mentor. Er machte Verbesserungsvorschläge zum D-dur-Quartett, weshalb der 23-jährige Komponist es mehrfach umarbeitete. Zemlinsky war es auch, der im März 1898 eine nicht öffentliche Aufführung im Rahmen des Tonkünstlervereins organisierte. Die offizielle Uraufführung fand nach weiterer Überarbeitung am 20. Dezember 1898 durch das Fitzner-Quartett im Wiener Bösendorfersaal statt. Die Wiener Neue Presse schrieb: «Ein neues Streichquartett von Arnold Schönberg errang nicht nur einen ungewöhnlichen Erfolg, sondern machte auf alle anwesenden Musikfreunde den Eindruck, dass man es in seinem Autor mit einem wahrhaften Talente zu tun habe, das da sein erstes bedeutsames Wort gesprochen.» 1951 fand man das Quartett in Schönbergs Nachlass; 1966 wurde es veröffentlicht. Schönberg selbst gestand, dass das Werk unter dem Einfluss von Brahms und Dvořák entstanden sei. Stilistisch und kompositionstechnisch steht es näher bei Brahms, in der Melodie- und Themenbildung bei Dvořák. Einen Anklang an den 3. Satz von Dvořáks «Amerikanischem Quartett» kann man am Beginn des Werks hören; auch der 4. Satz klingt an Dvořák an. Der Kopfsatz ist ein regelrechter Sonatensatz. Ihm folgt ein tänzerisches Intermezzo mit gedämpften Streichern. Der langsame Satz besteht aus einer Folge von fünf Variationen, deren Thema vom Cello – Schönbergs Instrument – vorgestellt wird. Das Finale ist als Rondo angelegt und weist motivische Verbindungen zum 1. Satz auf.

Aufführungen

938 13.11.2018 Ariel Quartet