Kammermusik Basel

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Werk-Details

Streichquartett Nr. 3 (1945)

Simon Laks
1901-1983
Allegro quasi presto
Poco lento, sostenuto
Vivace non troppo
Allegro moderato, giusto

Dauer ca: 00:20

Hierzulande wenig bekannt ist der einer jüdischen Familie entstammende, in Warschau geborene Szymon Laks. Zunächst hat er in Wilna und Warschau zwei Jahre Mathematik studiert, sich aber 1921 der Musik zugewandt. 1926 kam er über Wien nach Paris, wo er das Musikstudium 1927 bis 1929 fortführte, u. a. mit Komposition bei Paul Vidal (1863-1931). Die polnische Form des Vornamens wurde in Paris zum französischen Simon. Laks war als Musiklehrer tätig, komponierte und übte eine Reihe verschiedener musikalischer Tätigkeiten aus. 1941 wurde er als nichtfranzösischer Jude im Lager Pithiviers (Dép. Loiret) interniert und im Juli 1942 ins KZ Auschwitz II-Birkenau verbracht. Dort ermöglichte ihm die Musik, das KZ zu überleben, denn er hatte im Lagerorchester verschiedene Funktionen inne (Mitglied, Arrangeur) und wurde auch dessen Leiter. Im Buch «Musique d’un autre monde», das er mit seinem Leidensgenossen René Coudy verfasst und 1948 publiziert hat (ausführlicher die polnische Ausgabe 1978; deutsche Ausgabe «Musik in Auschwitz» 1998, erweitert 2014), schilderte er das schreckliche Leben und sein Überleben in Birkenau. Als die östlichen KZ wegen der nach Westen vorrückenden Roten Armee evakuiert wurden, überführte man Laks nach Dachau, wo es keine Musik mehr gab. Nach der Befreiung kehrte er nach Paris zurück. Das erste Werk war 1945 das 3. Streichquartett «sur des motifs populaires polonais». Es wurde am 25. November 1945 in der Sorbonne in Paris uraufgeführt. (Die beiden ersten Quartette von 1928 und 1932 sind verloren; 1962 und 1964 folgten die Quartette Nr. 4 und 5.) 1967 hat Laks das 3. Quartett auch für Klavierquintett bearbeitet. Nach 1967 gab er das Komponieren weitgehend auf und wandte sich vermehrt dem Schreiben von literarischen und politischen Texten zu. Das 3. Quartett basiert auf etwa 12 polnischen Volksliedern, die sich aber nicht alle identifizieren liessen. Sie stammen aus der Folklore aller Regionen seiner Heimat. Es war Laks offenbar wichtig, nicht nur polnische Musik, sondern möglichst ganz Polen in sein Werk einzubeziehen. Im 2. Satz hat er u. a. das Lied vom hungernden Soldaten, der durch den Wald geht, eingebaut – wohl kein Zufall, wenn man an die Lagererlebnisse denkt, die er in seinem Buch schildert. Der 4. Satz wird mit einer Gaik-Melodie eröffnet, welche Mädchen bei Frühlingsbeginn im Umzug mit einem geschmückten Bäumchen sangen.

Aufführungen

946 26.3.2019 Dover Quartet

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