Konzerte Saison 1967-1968

  • 9.4.1968
  • 20:15
  • 42.Saison
Stadtcasino, Festsaal

Végh-Quartett (Budapest/Basel)

in Budapest bis mindestens 1949
Dvořák hat das As-dur-Streichquartett op. 105 am 26. März 1895, kurz bevor er am 16. April Amerika endgültig verliess, in New York begonnen. Er kam aber damals nicht über die Exposition im Kopfsatz hinaus, während er doch das «Amerikanische Quartett» im Juni 1893 in nur sechzehn Tagen komponiert hatte. Vielleicht war es damals die Atmosphäre in Spilville gewesen, wo er mit seinen Landsleuten zusammen war, welche ihm das Komponieren leicht gemacht hat. Nach der Rückkehr in seine Heimat war ihm nicht ums Komponieren zu tun; so schrieb er: «Ich bin ein Faulpelz und rühre die Feder nicht an.» Erst zwischen dem 11. November und 9. Dezember vollendete er ein Quartett – es war aber nicht das in As-dur, sondern ein neues in G-dur. Der Bann war gebrochen, und Dvořák notierte: «Ich bin jetzt sehr fleissig. Ich arbeite so leicht und es gelingt mir so wohl, dass ich es mir gar nicht besser wünschen kann.» Und so wurde am 30. Dezember auch das As-dur-Werk beendet. Es ist reich an kantablen Motiven und Themen und überzeugt durch deren kunstvolle und kontrastreiche Verarbeitung. Der Kopfsatz beginnt mit einer bei Dvořák ungewohnten langsamen Einleitung von 14 Takten in düsterem as-moll (Tonart mit sieben «b»). Sie führt kanonartig einsetzend über verschiedene Schritte von Teilmotiven auf das Hauptthema des Allegro hin, genauer auf dessen erste vier Takte; aus ihnen wird dann das ganze Thema entwickelt. Das zweite Thema des Satzes erinnert mit einem Triolenmotiv an Hornrufe. Der zweite Satz ohne Gattungsbezeichnung – Scherzando wäre wohl passend – ist ein reizvolles Stück in f-moll. Die wechselnde Betonung von 1 auf 3 gleich zu Beginn erinnert an den Furiant, dem der Wechsel von 2/4 zu 3/4-Takt eigen ist. Gleichwohl ist der Satz kein vehementer Furiant, wie man ihn etwa von der Nr. 1 der Slawischen Tänze kennt. Im Des-dur-Trio verwendet Dvořák eine Melodie aus seiner Oper «Der Jakobiner» (1887/88). Liedhaft ist – wie die Satzbezeichnung cantabile nahelegt – der langsame Satz. Dazu tragen nach dem chromatischen Mittelteil vogelstimmenartige melodische Umspielungen in der Wiederholung des Hauptteils bei. Das Finale wird vom Cello eröffnet, das, wenn auch sostenuto, gleich das Anfangsmotiv des Hauptthemas einführt. Nach elf Takten erscheint dieses dann im richtigen Tempo. Die 24 ersten Takte werden wiederholt – so kommt der umfangreiche Schlusssatz (524 Takte im 2/4-Takt) voller Energie in Gang. Eine mitreissende Stretta bringt das Quartett und damit Dvořáks Kammermusikschaffen zum Abschluss.
Das F-dur-Werk op. 77/2 ist Haydns letztes vollendetes Streichquartett, obwohl auch das Opus 77 als Sechser- oder zumindest Dreierserie geplant war. Es ist dem Fürsten Lobkowitz, dem Förderer Beethovens und anderer Musiker, gewidmet und wurde zusammen mit dem Schwesterwerk in G-dur am 13. Oktober 1799 (also fast auf den Tag genau vor 204 Jahren!) im Palais des Fürsten Esterházy in Eisenstadt erstmals aufgeführt. Wenn Donald Tovey das Quartett als „vielleicht Haydns grösstes Instrumentalwerk neben zwei der letzten Sinfonien“ bezeichnet hat, so hatte er die thematische Arbeit im Auge, die in der Durchführung des Kopfsatzes einen Höhe-punkt findet. Es ist erstaunlich, wie Haydn den ganzen Satz aus den Motiven des Hauptthemas entwickelt. Als ob er diese „Schwerarbeit“ mildern wollte, vereinfacht er die Reprise gegenüber der Exposition. Das Menuett, ein Scherzo, lässt an Beethovens gleichzeitig entstehendes und ebenfalls Lobkowitz gewidmetes op. 18 denken. Das D-dur-Andante ist ein Variationensatz - und was für einer! Das Marschthema mit dynamischer Steigerung erfährt figurale Umspielungen und wird durch freie Zwischenspiele weitergeführt. Der Satz endet nicht mit einer raschen Steigerung des Themas, sondern verklingt ernst im pianissimo. Das Finale weist drei Themen auf; sie sind aber wieder aus einem entwickelt. Sie sind rhythmisch prägnant; eines ist sogar à la polacca bezeichnet. Kontrapunktik und Schwung verbinden sich so zu stets überraschender Wirkung.

Joseph Haydn 1732-1809

Streichquartett Nr. 82, F-dur, op. 77, Nr. 2, Hob. III:82 (1799)
Allegro moderato
Menuetto: Presto (ma non troppo) – Trio
Andante
Finale: Vivace assai

Zoltán Kodály 1882-1967

Streichquartett Nr. 2, op. 10 (1916–18)
Allegro
Andante, quasi recitativo
Allegro giocoso

Antonín Dvorák 1841-1904

Streichquartett Nr. 14, As-dur, op. 105, B 193 (1895)
Adagio ma non troppo – Allegro appassionato
Molto vivace
Lento e molto cantabile
Allegro non tanto