Konzerte Saison 2025-2026

  • 14.10.2025
  • 19:30
  • 100.Saison
  • Abo 8
Stadtcasino Basel, Hans Huber-Saal

Quatuor Hanson (Paris)

Das Quatuor Hanson wurde 2013 in Paris gegründet. Das Ensemble hat mehrere internationale Preise gewonnen, unter anderem bei Wettbewerben in Genf, Wien (Joseph Haydn Wettbewerb) und Lyon. Musikalische Impulse erhielten die Musiker von Hatto Beyerle, Johannes Meissl sowie von Mitgliedern der Quartette Ebène und Ysaÿe. Das Quartett konzertiert in renommierten Sälen wie der Pariser Philharmonie, der Londoner Wigmore Hall und dem Victoria Hall in Genf. Ein Schwerpunkt im Repertoire des Ensembles liegt auf der Musik von Joseph Haydn, dem sie 2019 ihr erstes, preisgekröntes Doppelalbum widmeten. Ihre Diskografie zeigt jedoch grosse Vielseitigkeit und umfasst auch ein Album mit Nachtmusik des 20. Jahrhunderts (Not All Cats Are Grey) sowie eine Live-Aufnahme von George Crumbs elektrischem Streichquartett Black Angels. Das Quartett engagiert sich intensiv für zeitgenössische Musik und hat Werke von Komponisten wie Toshio Hosokawa und Wolfgang Rihm aufgeführt. Das Quatuor Hanson wird von Stiftungen wie der Singer-Polignac Foundation und der Fondation Banque Populaire unterstützt.
«Ich habe immer fest geglaubt, dass er ein großer Komponist war, und ich glaube noch immer fest daran. Möglicherweise wird seine Zeit früher kommen, als man denkt.» Diese Zeilen schrieb Arnold Schönberg über seinen Kompositionslehrer Alexander Zemlinsky im Jahre 1949 – sieben Jahre, nachdem Zemlinsky einsam und verarmt im amerikanischen Exil verstorben war. Zu Lebzeiten nahm man Zemlinsky eher als Dirigenten und Pädagogen wahr. Neben Schönberg gehörte auch der frühbegabte Erich Wolfgang Korngold zu seinen Schülern. Ausserdem Alma Schindler, in die sich Zemlinsky verliebte und die ihm immer wieder Avancen machte, bis sie jedoch einen anderen heiratete: Gustav Mahler. Nach einer Station in Prag kam Zemlinsky als Kapellmeister der Krolloper und Hochschullehrer nach Berlin, von wo aus ihn die Nationalsozialisten vertrieben. Der Versuch, noch einmal in seiner Heimstadt Wien Fuss zu fassen, scheiterte. 1938, vier Jahre vor seinem Tod, ging Zemlinsky in die USA, und erst in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts kam es zu der Entdeckung, die Schönberg prophezeit hatte. Man erkannte in dem Komponisten endlich einen wichtigen Vertreter des Übergangs von der Spätromantik zur Moderne.

Die Wiederentdeckung seiner Werke verzögerte sich auch deshalb, weil Zemlinsky als Komponist selbst dem radikalen Weg der Atonalität, den sein Schüler Schönberg beschritt und den die Moderne nach dem Krieg weiterging, nicht hatte folgen wollen. Und gerade das zweite Streichquartett steht für die Grenzen, die sich Zemlinsky in Bezug auf die Grundlagen der Tonalität zog. Das Stück, das als Hauptwerk seines Kammermusikschaffens gilt, ist ein vielschichtiges Zeugnis für die Auseinandersetzung mit seinem Schwager (Schönberg hatte 1901 Zemlinskys Schwester Mathilde geheiratet) – und das auch sehr persönlich. Im Jahre 1913, als Zemlinsky mit dem Quartett begann, kam es mit dem Schwager zu einem Streit aus nicht näher bekannten Gründen, in dessen Folge Schönberg sogar einen Kontaktabbruch vorschlug. In der aus einem einzigen grossen Satz bestehenden, geradezu monumentalen Komposition knüpfte Zemlinsky strukturell an Schönbergs erstes Quartett von 1905 an. Als er es zwei Jahre später vollendet hatte, widmete er es dem Schwager – vielleicht als Entschuldigung.

Freunde der Fernsehsendung «Das literarische Quartett» kennen Beethovens op. 59 Nr. 3, denn der «Literaturpapst» Marcel Reich-Ranicki wählte den Beginn des Finales als Erkennungsmelodie. So wurde einem Millionenpublikum ein Werk bekannt, dessen Entstehungsgeschichte in die Geburtsphase des professionellen Streichquartettspiels führt: Graf Andreas Kyrillowitsch Rasumowsky, zu Beethovens Zeit russischer Botschafter am Kaiserhof in Wien, hatte ein grosses Faible für die kammermusikalische Besetzung, was ihn im Jahre 1808 darauf brachte, ein festes Ensemble zu unterhalten. Bis dahin war Kammermusik eher den Nebenstunden von Musikern vorbehalten gewesen. Und in vielen Fällen war sie ohnehin für gebildete Dilettanten bestimmt - nicht selten für die adligen Auftraggeber selbst. Rasumowskys Ensemble bestand aus den Geigern Ignaz Schuppanzigh und Johann Sina, dem Bratschisten Franz Weiss und dem Cellisten Josef Linke. Die vier spielten Quartettliteratur, die auf den besonderen Anspruch des Grafen zugeschnitten war. So auch Ludwig van Beethovens drei «Rasumowsky-Quartette», die schon 1806 auf Anregung des adligen Gönners entstanden waren. Rasumowskys Herkunft soll dem Komponisten dabei als Inspirationsquelle gedient haben, hat man doch in dem wehmütigen Thema des langsamen Satzes Anklänge an eine russische Volksmelodie gefunden. Im Finale schlug Beethoven ein neues Kapitel in der Quartettliteratur auf, indem er die klassische Sonatenform und Fuge zu einem atemlos dahinrasenden Perpetuum mobile verschmolz.

Alexander von Zemlinsky 1871-1942

Streichquartett Nr. 2, op. 15 (1910/15)
Sehr mässig–Heftig und leidenschaftlich–Moderato–Andante mosso–Allegretto–
Adagio –
Schnell – Andante – mit energischer Entschlossenheit –
Allegro molto – Langsam – Andante

Ludwig van Beethoven 1770-1827

Streichquartett Nr. 9, C-dur, op. 59, Nr. 3 «3. Rasumovsky-Quartett» (1806 ?)
Introduzione: Andante con moto – Allegro vivace
Andante con moto quasi allegretto
Menuetto (grazioso) mit Trio –
Allegro molto