Concerts Season 2024-2025

  • 29.10.2024
  • 19:30
  • 99.Season
  • Abo 8
Stadtcasino Basel, Hans Huber-Saal

Gringolts Quartett (Zürich) Sarah Wegener, soprano

The Zurich-based Gringolts Quartet was born from mutual friendships and chamber music partnerships that cross four countries: over the years, the Russian violinist Ilya Gringolts, the Romanian violist Silvia Simionescu and the Armenian violinist Anahit Kurtikyan frequently performed together in various chamber formations at distinguished festivals; the German cellist Claudius Herrmann played with Anahit Kurtikyan in the renowned Amati Quartet. What unites the four musicians is the immense joy they get from performing together and their passion for the high demands presented by the string quartet repertoire.

They have already had the opportunity to collaborate with eminent artists such as Leon Fleischer, Jörg Widmann, David Geringas, Malin Hartelius, Christian Poltéra and Eduard Brunner. Aside from the classical repertoire for string quartet, they are also dedicated performers of contemporary music, including string quartets by Marc-André Dalbavie, Jörg Widmann, Jens Joneleit and Lotta Wennäkoski.

Highlights from the past seasons include performances at the Salzburg Festival, Lucerne Festival, Edinburgh Festival, Verbier Festival and the Gstaad Menuhin Festival. They also perform regularly in international concert halls, including the Concertgebouw Amsterdam, Elbphilharmonie Hamburg, Philharmonie Luxembourg, Stockholm Konserthuset, Festspielhaus Baden-Baden, St. Petersburg Philharmonia, L’Auditori Barcelona, Sociedad Filarmónica de Bilbao, Lugano Musica and Società di Concerti in Milan.

The Gringolts Quartet has attracted attention among reviewers and audiences with their exquisite CD recordings of works by Robert Schumann and Johannes Brahms. Together with David Geringas the Gringolts Quartet participated in the world premiere recording of Walter Braunfels’ quintet in 2012, which was awarded a "Supersonic Award," as well as an ECHO Klassik award. Their CD with quintets by Glazunov and Taneyev with Christian Poltéra was released in spring 2016 and was awarded the Diapason d’Or. Recently, the quartet presented Schönberg’s string quartets No. 2 and No. 4 on BIS records in 2017. The CD was referred to reverently in the press: Such a pleasing plea for Schönberg’s music has not existed for many years and makes this CD the new recording of reference. (Klassik-heute.com, Martin Blaumeiser).

The members of the Gringolts Quartet all play on rare Italian instruments: Ilya Gringolts plays a Giuseppe Guarneri "del Gesù" violin, Cremona 1742-43, on loan from a private collection. Anahit Kurtikyan plays a Camillo Camilli violin, Mantua 1733. Silvia Simionescu plays a Jacobus Januarius viola, Cremona 1660. Claudius Herrmann plays a Maggini cello, Brescia 1600. Prince Golizyn who was a great admirer of Beethoven, gave the first performances of the composer’s last string quartets, which he commissioned, on this instrument.

Commentary available in German ▼
Warum hat Schuberts grösstes Quartett nicht die Beliebtheit der beiden anderen späten Quartette erreicht? Ist es das Fehlen des populären Beinamens? Gibt es kein beliebtes Thema, das man auf Anhieb wiedererkennt? Ist es die Länge? Oder ist es die Zerrissenheit, die man so lange beim «Schwammerl» Schubert nicht hat in ihrer Bedeutung wahrnehmen wollen, weil sie dem Bild vom «eigentlich schubertschen» Schubert, dem Liedersänger und Melodienerfinder widersprach? In nur elf Tagen, fast gleichzeitig mit Beethovens Abschluss des op. 131 (im letzten Konzert zu hören) entstanden und jenem gleichrangig, stellt es nicht nur einen Gipfel der Quartettkunst dar, sondern gehört zum Schwierigsten – in der Ausführung wie im Erfassen. Kein populäres Liedthema, keine behäbige Biedermeierseligkeit täuscht über die Ansprüche hinweg. In geradezu sinfonischen Zügen werden im Kopfsatz dramatische, in unruhigem Tremolo aufbrausende Blöcke mit lyrisch kantablen verzahnt, als eine Art «einander ablösender Varianten. Variierte Reihung kennzeichnet auch den zweiten Satz, dessen ausgedehnt singende Cello-Melodien wohl Beruhigung, gar Frieden auszustrahlen vermöchten, wäre ihnen nicht der Affekt der Ruhelosigkeit in den Oberstimmenfiguren beigegeben» (Arnold Feil). Dazu kommt generell das Provokative, welches in verschiedenen Details erkennbar wird, das aber immer Teil des gestalterischen Willens, nicht Unvermögen darstellt. Ein leicht erkennbares sind die genannten immer wieder auftretenden Tremoli. Sie sind mehr als nur eine Form klanglicher Gestaltung, enthalten sie doch ein wichtiges emotionales Potential. Sie haben zudem die Tendenz, die Tonalität zu verschleiern – kein Wunder, dass sie in der Spätromantik so beliebt sind. Dass sich Schubert im Kopfsatz, aber auch im Finale nicht für Dur oder Moll entscheiden kann bzw. will, hat die Hörer ebenfalls irritiert, obwohl es sich dabei um ein typisches Stilmittel Schuberts handelt. Gerade diese angebliche Unentschiedenheit, die sich in den thematisch nicht immer leicht fassbaren Tremoli und im Verunklaren der Tonart äussert, trägt dazu bei, dass das Werk eben nicht so formal klar abläuft wie ein Haydn-Quartett. Dadurch verliert man irgendwie das Zeitgefühl, und dieser Verlust führt auch zu den von Schumann in der grossen C-dur-Sinfonie festgestellten «himmlischen Längen». Schubert hat – wie in dieser Sinfonie, im Streichquintett und in den letzten Klaviersonaten – im G-dur-Quartett, das ausdrücklich keine Sinfonie sein will, mit modernsten und ganz eigenen Mitteln nicht nur zur grossen Form gefunden, sondern in den Ein- und Ausbrüchen auch Grenzen erreicht, an die er ebenso in der Lyrik der Winterreise oder in Heines Atlas («unendlich glücklich oder unendlich elend») gestossen ist.