Konzerte Saison 2021-2022

  • 29.3.2022
  • 19.30
  • 96.Saison
  • Abo 8
Stadtcasino Basel, Hans Huber-Saal

Quatuor Modigliani (Paris)

Das Quatuor Modigliani wurde 2003 von vier jungen Musikern des Pariser Konservatoriums gegründet und hat sich rasch zu einem der gefragtesten jungen Ensembles in Frankreich entwickelt. Die Namensgebung des Ensembles geht auf einen Ausspruch des Malers Amedeo Modigliani zurück: «Deine richtige Aufgabe ist, deinen Traum zu retten.» Es studierte später beim Quatuor Ysaÿe und hat sich bei Walter Levin und György Kurtág sowie beim Artemis Quartett in Berlin weitergebildet. 2004 bis 2006 gewann es drei erste Preise in Holland, Italien und in den USA. Der letzte ermöglichte den Künstlern Konzerte u. a. in der New Yorker Carnegie Hall und im Kennedy Center in Washington. Das Quatuor Modigliani hat mit namhaften Kammermusikpartnern zusammengespielt; genannt seien Gary Hoffman, Paul Meyer, Michel Portal, Sabine Meyer, Sol Gabetta. Es ist am Lucerne Festival 2010, bei der Schubertiade Hohenems, in Gstaad, London, Paris, Amsterdam und Wien sowie in aller Welt aufgetreten. Seine ersten Platteneinspielungen waren Haydn und Mendelssohn gewidmet; 2012 erschien das Album «Intuition» mit Jugendwerken von Mozart, Schubert und Arriaga und soeben die CD mit Quartetten von Debussy, Saint-Saëns und Ravel. Die Haydn-CD erhielt fünf Preise, darunter den «Grand Prix du Disque»; auch «Intuition» wurde ausgezeichnet. Das Quartett spielt italienische Instrumente des 17. und 18. Jahrhunderts. Es gastierte bei uns im Herbst 2010 mit zwei Haydn Quartetten, den «Quelques cercles...» von Karol Beffa und Mendelssohns op. 13 – die Kritik nannte es «ein vorzügliches Konzert» und sprach von «brillantem Klang» und «detaillierter Feingestaltung» des Ensembles.
Schuberts a-moll-Quartett sei, so äusserte sich dessen Freund, der Maler Moritz von Schwind, «im ganzen sehr weich, aber von der Art, dass einem Melodie bleibt wie von Liedern, ganz Empfindung». In der Tat klingen in diesem ersten vollgültigen Quartett nach dem grossen Entwicklungsschub im Instrumentalen der Jahre 1822–24 Lieder an: Im 1. Satz, der ganz «weich» zwischen der Unruhe der Begleitfiguren und der Ruhe der Kantilene schwankt, das (für Schuberts kurzes Leben lange) zehn Jahre ältere Gretchen-Lied «Meine Ruh ist hin» (D 118). Im so gar nicht tanzhaften Menuett erklingt im Cello ein Motiv, das an den Beginn des Schiller-Liedes «Die Götter Griechenlands» (D 677, 1819) erinnert, das A-dur-Trio zitiert daraus die Melodie zum Text «Kehre wieder, holdes Blütenalter der Natur». Im zweiten Satz verwendet Schubert 16 Takte lang – im Gegensatz zum zeitgleich geplanten d-moll-Schwesterwerk – kein Lied; er schreibt auch keine Variationen zum Thema des 2. Entre-Act aus der Schauspielmusik zu «Rosamunde» (das holt er im B-dur-Impromptu D 935/3 nach). Es dient im Schauspiel dem nachdenklichen Zurückblicken – und so empfinden wir alle Zitate und Anklänge im ganzen Quartett. Auch die ungarisierenden alla zingarese-Anklänge im Finale könnten diese Funktion haben. Es ist also nicht, wie man lange glaubte, Schuberts Unfähigkeit, unabhängig von Liedern zu komponieren, vielmehr ein gezieltes, in der entscheidenden Phase der Neuorientierung reflektierendes Zurückblicken.