Konzerte Saison 2021-2022

  • 15.3.2022
  • 19.30
  • 96.Saison
  • Abo 8
Stadtcasino Basel, Hans Huber-Saal

Quatuor Diotima (Paris)

Im Jahr 1996 von Absolventen des Conservatoire National Supérieur de Musique de Paris gegründet, hat sich das Quatuor Diotima zu einem der weltweit gefragtesten Ensembles entwickelt. Der Name spiegelt die musikalische Doppelidentität des Quartetts wider: Das Wort Diotima ist aus der deutschen Romantik entliehen – Friedrich Hölderlin gab in seinem Roman Hyperion diesen Namen der Liebe seines Lebens – und ist zugleich ein Bezug zur Musik aus unserer Zeit, man denke nur an Luigi Nonos Werk Fragment-Stille, an Diotima. Das Quatuor Diotima ist geschätzter Partner vieler Komponisten wie Helmut Lachenmann, Brian Ferneyhough und Toshio Hosokawa und vergibt zugleich Kompositionsaufträge an Komponisten aller Stilrichtungen wie Tristan Murail, Alberto Posadas, Gérard Pesson, Rebecca Saunders oder auch Pascal Dusapin. Das Quartett hat sich der zeitgenössischen Musik verschrieben, ohne sich jedoch durch diese limitieren zu lassen. In ihren Programmen ermöglichen sie durch die Verschmelzung von klassischen mit zeitgenössischen Stücken einen neuen Blickwinkel auf Werke der großen Klassiker wie Bartók, Debussy und Ravel, den späten Quartetten Schuberts und Beethovens, sowie den Komponisten der Zweiten Wiener Schule oder auch Janáček.

Neben zahlreichen internationalen Auftritten spielt das Quatuor Diotima bei allen europäischen Festivals und Konzertreihen u. a. in der Philharmonie und dem Konzerthaus Berlin, der Reina Sofia Madrid, der Cité de la musique Paris, der Wigmore Hall und dem South Bank Center London sowie dem Wiener Konzerthaus. Neben regelmäßigen Tourneen durch die USA, Asien und Südamerika ist das Quartett in den Jahren 2012-2016 artist-in-residence am Pariser Théâtre des Bouffes du Nord.

Janáèeks Kammermusik ist, wie die Smetanas, von persönlichem Erleben geprägt. Während er im 2. Quartett das eigene Liebeserlebnis verarbeitet, verwandelt er im ersten eine literarische Liebestragödie in ein subjektives Bekenntniswerk. Die Erregung über Tolstojs Schilderung hatte ihn bereits 1909 zu einem Klaviertrio angeregt, das er vernichtet hat, das unterdessen aber in einer Rekonstruktion vorliegt. «Aus einigen Gedanken daraus entstand das Quartett», schrieb er an Kamila Stösslová, die ihrerseits fünf Jahre später Anlass zum 2. Quartett wurde. Der 1. Satz ist ein Porträt der Frau, der 2. schildert ihr verhängnisvolles Zusammentreffen mit dem Geiger, der 3. enthüllt mit drastischer Deutlichkeit den Widerspruch zwischen der echten Liebe der Frau und der Eifersucht des Mannes, und der 4. Satz vereinigt die Katastrophe mit der Katharsis (nach D. Holland).
Proben. Dreizehnjährig trat er 1884 ins Konservatorium Wien ein. Wie vor ihm Hugo Wolf war er Schüler von Robert Fuchs und Franz Krenn. Seit 1891 trat er mit Kompositionen hervor, die ihm erste Erfolge einbrachten. Später unterrichtete er Arnold Schönberg, der durch die Heirat mit Zemlinskys jüngerer Schwester Mathilde sein Schwager wurde. Zemlinsky gehört zu jenen Komponisten, denen trotz bedeutenden Werken der grosse Durchbruch versagt blieb, während er als Dirigent grosses Ansehen genoss. Nach 1933 wurden die Probleme immer grösser, erst recht nach der Flucht 1938 in die USA, wo er 1942 krank starb. In Europa blieb er bis zur Wiederentdeckung in den 1970er Jahren vergessen. Heute wird er wieder aufgeführt (Opern, Lyrische Sinfonie, Kammermusik) und geschätzt. Zemlinsky hat fünf Streichquartette komponiert und drei davon veröffentlicht. Das letzte, ein Nachruf auf Alban Berg in Anlehnung an dessen Lyrische Suite, kam postum in den 1970er Jahren heraus, ein Studienwerk von 1893 wurde erst 1998 aufgeführt. Nach dem Klarinettentrio von 1896, einem unter dem Eindruck von Brahms, den Zemlinsky noch persönlich kennen lernte, stehenden Werk, entstand ebenfalls 1896 das offiziell 1. Streichquartett. Auch hier ist Brahms, in dessen Todesjahr es in einem Konzert des Tonkünstlervereins aufgeführt wurde, noch spürbar. Doch unter der scheinbar eindeutigen stilistischen Oberfläche werden Risse, ja Verweigerungen gegenüber dem Vorbild spürbar. Dies ist im Kopfsatz der Fall, der in seinem Umgang mit dem Material und der Form an Schuberts Auseinandersetzung mit den klassischen Prinzipien erinnert. Der 2. Satz ersetzt – Muster ist der 3. Satz von Brahms’ 2. Symphonie – das Scherzo durch eine Art Intermezzo, wenn auch in sehr persönlicher Weise. Es «schielt» nach Hugo Wolf und im Furiant des Alternativo nach Böhmen. Dem festlichen langsamen Satz mit durchaus beethovenscher Expressivität schliesst sich ein schwungvolles Finale in scheinbarer Brahmsmanier an. Doch auch hier ist mehr Innovation zu entdecken, als die Klassizität der Oberfläche zunächst zuzulassen scheint.