Konzerte Saison 2021-2022

  • 11.1.2022
  • 19.30
  • 96.Saison
  • Abo 8
Stadtcasino Basel, Hans Huber-Saal

Aris Quartett (Frankfurt)

2009 in Frankfurt am Main gegründet, spielen sich die Musiker weltweit auf die großen Bühnen: die Elbphilharmonie Hamburg, die Wigmore Hall London, die Philharmonie Paris, das Konzerthaus Wien, das Concertgebouw Amsterdam, die BBC Proms oder die San Francisco Chamber Music Society präsentieren das Aris Quartett in den kommenden Spielzeiten.

Bereits im Jugendalter werden die vier Musiker auf Initiative des Kammermusik-Professors Hubert Buchberger zusammengebracht – was als ein Experiment an der Frankfurter Musikhochschule beginnt, erweist sich rasch als Glücksfall. Zur prägnanten Namensgebung kommt es spontan: ARIS sind die vier Endbuchstaben der Vornamen der vier Musiker.

Nach Studien bei Günter Pichler (Alban Berg Quartett) in Madrid gelingt der internationale Durchbruch schon früh durch zahlreiche 1. Preise bei renommierten Musikwettbewerben. Großes Aufsehen erregt das Aris Quartett mit der Verleihung des hoch dotierten Kammermusikpreises der Jürgen-Ponto Stiftung sowie gleich fünf Preisen beim Internationalen Musikwettbewerb der ARD in München. Mit der Ernennung zu „New Generation Artists“ der BBC, zu „ECHO Rising Stars“ der European Concert Hall Organisation, sowie dem Erhalt des "Borletti- Buitoni Trust Awards" erhält das Aris Quartett darüber hinaus einige der international bedeutendsten Auszeichnungen für junge Musiker.

Inzwischen liegen schon fünf vielbeachtete CD-Produktionen vor, zuletzt erschien im Herbst 2020 in Kooperation mit Deutschlandfunk und BBC Radio 3 eine Einspielung mit Werken von Johannes Brahms.

Das Aris Quartett wird von der Anna Ruths Stiftung, der Wilfried und Martha Ensinger Stiftung, sowie der Irene Steels- Wilsing Stiftung gefördert.

(1) Als Mendelssohn sein e-moll-Quartett komponierte, stand für ihn nicht fest, dass sich mit der Zeit ein Zyklus ergeben sollte. Doch im Juli 1837 schrieb er an Ferdinand Hiller, er habe ein „neues Violin-Quartett im Kopf fast ganz fertig“. Abgeschlossen wurde es am 6. Februar 1838. Auch an diesem Werk feilte er vor der Drucklegung immer wieder. Der Kopfsatz erinnert so sehr an Beethoven, dass man ihn gerne als klassizistisch abqualifiziert hat. Das Scherzo in c-moll lässt sich leicht in ein symmetrisches Schema ABCACBA aufteilen, doch werden die Grenzen der Teile verschleiert und der Satz nähert sich durch Verwandtschaft der Themen bzw. durch Kontraste einem Sonatenrondo an. Das As-Dur-Adagio, im Autograph noch als Andante sostenuto bezeichnet, erinnert sowohl an ein Lied ohne Worte als auch an den Charakter des e-moll-Quartetts. Das problemlos wirkende, doch raffiniert gearbeitete Finale verbindet Virtuosität mit strengem Satz, Spielfreudigkeit mit Spannung. Es ist vielleicht einer jener Sätze, auf die man nur allzu gerne den Vorwurf der Formglätte und des Klassizismus anwenden könnte, wären sie nicht, wie man gerade heute wieder neu entdeckt, in ihrem Miteinbezug der Gattungstradition Meisterwerke eigener Prägung.

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(2) Mendelssohn hat die drei Quartette op. 44 in der Reihenfolge 2, 3 und 1 in den Jahren 1837 und 1838, zehn Jahre nach op. 13 und 12, komponiert. Die Nr. 1 hat er in der ersten Fassung im April 1838 in Leipzig begonnen und am 24. Juli 1838 in Berlin abgeschlossen. Alle drei Werke hat er vor der Drucklegung – sie erschienen 1839 mit einer Widmung an den schwedischen Kronprinzen bei Breitkopf und Härtel in Leipzig – überarbeitet. In Leipzig fand am 16. Februar 1839 auch die Uraufführung des op. 44/1 statt. Mendelssohns Freund, der Gewandhauskonzertmeister Ferdinand David, spielte es mit drei anderen Mitgliedern des Gewandhausorchesters. Wie oft bildet das letzte Werk eines Zyklus – man denke an Beethovens op. 59 – die Synthese der vorangehenden Stücke, ist ausgeglichener, konziser in Form und Ausdruck. Dies gilt auch für Mendelssohns op. 44. Das D-dur-Quartett ist wohl das eleganteste, brillanteste und virtuoseste, aber auch das ausgeglichen regelmässigste der drei Stücke. Schwungvoll eröffnet die 1. Violine den Kopfsatz mit dem ersten Thema; sie führt auch sonst häufig und vermittelt mit virtuosen Übergängen zwischen den Hauptteilen des Satzes. Dies gibt dem Satz, ja dem ganzen Werk den Charakter eines Quatuor brillant; man hat es sogar ein verkapptes Violinkonzert genannt. Kein Zweifel, dass Mendelssohn dabei an seinen Freund David gedacht hat. Das Menuett wirkt scheinbar altertümlich; darauf wird der Komponist angespielt haben, wenn er vom „Rococogeschmack“ des Werks gesprochen hat. Im Trio brilliert wieder die 1. Violine. Das Menuett steht in enger Verbindung mit dem folgenden Andante, was wohl auch dessen Charakter mitbestimmt hat. Es bietet – auch wieder nur scheinbar – ein typisches Lied ohne Worte, vorgetragen wiederum von der 1. Violine, doch wird die Gesangslinie speziell in der Reprise von Figuren und raschen Bewegungen überlagert, wie sie für Mendelssohns Scherzi typisch sind. Die beiden Sätze verbinden in sich somit in neuartiger Weise Elemente von Intermezzo, langsamem Satz und Scherzo. Das rasante Finale wirkt vor allem durch seinen Impetus und kehrt das Moment des virtuos Brillanten noch stärker hervor als der Kopfsatz.

"Ein amüsanter, liebenswürdiger, spielerisch veranlagter, hochbegabter Künstler und ein wilder Temperamentmusikant, ein Draufgeher, kein Philosoph" - so charakterisierte ein Musikkritiker den Prager Komponisten Ervín Schulhoff 1928. Da mag Schulhoffs Liebe zum Jazz mitgespielt haben - doch darf man ihn keineswegs nur auf diesen Stil einengen. Gerade seine beiden Streichquartette sind sehr wohl auch slawisch beeinflusst. Die Fünf Stücke sind, wie schon die Titel deutlich machen, vor allem rhythmisch inspiriert. In einer Rezension wurden sie als "nette und schwungvolle Tanzstücke" und "niedliche Tanzbagatellen" bezeichnet. Dabei darf man sich von der scheinbaren Oberflächlichkeit der Tanzformen nicht täuschen lassen. Schulhoff experimentiert in raffinierter Weise mit motivischen, metrischen und harmonischen Spielformen. Gleichwohl irritierten die Stücke beinahe wie Schönbergs Zwölftönigkeit. Nach der Aufführung (die Uraufführung hatte kurz zuvor beim IGNM-Festival in Salzburg stattgefunden) bei den Donaueschinger Kammermusiktagen rief der Traditionalist Joseph Haas, sie als "primitive Quartettkunst" abstempelnd, aus: "O Heilige Kammermusik, wo bist du hingeraten?"

Erwin Schulhoff 1894-1942

Fünf Stücke für Streichquartett (1923)
Alla Valse viennese: Allegro
Alla Serenata: Allegretto con moto
Alla Czeca: Molto allegro
Alla Tango milonga: Andante
Alla Tarantella: Prestissimo con fuoco

Pavel Haas 1899-1944

Streichquartett Nr. 3, op. 15 (1937/38)
Allegro moderato
Lento ma non troppo e poco rubato
Tema con variazioni e fuga con moto

Felix Mendelssohn Bartholdy 1809-1847

Streichquartett Nr. 3, D-dur, op. 44, Nr. 1 (1838)
Molto allegro vivace
Menuetto: Un poco Allegretto
Andante espressivo ma con moto
Presto con brio