Konzerte Saison 2020-2021

  • 16.3.2021
  • 19.30
  • 95.Saison
  • Abo 8
Stadtcasino Basel, Hans Huber-Saal

Asasello Quartett (Köln)

Das Asasello-Quartett hat sich bereits mit der Namensgebung (Asasello entstammt dem Roman »Der Meister und Margarita« von Michail Bulgakow) über den musikalischen Tellerrand hinaus gewagt und legt den Begriff Kommunikation relativ großzügig aus. Asasello ist ein gefallener Engel, der in die Rolle von Mephistos Pudel schlüpft und im Gefolge um den dämonischen Voland der Moskauer Gesellschaft einen Spiegel vorhält und Margarita zu ihrer wahren Liebe führt. Ganz im faustischen Sinn deutet Asasello (oder Bulgakow?) die Begriffe Gut und Böse nicht nur unter christlichen Vorzeichen sondern will "den Menschen die himmlischen Geheimnisse der Urzeit überbringen".

Aber auch weltliches hat die Musiker in ihrer Arbeit angespornt: 2010 erhielten die Asaselliten quasi als Geburtstagsgeschenk zum zehnjährigen Bestehen den Musikpreis des Verbandes der Deutschen Konzertdirektionen für die außergewöhnliche und anspruchsvolle Programmatik, mit der das Asasello-Quartett inzwischen europaweit verbunden wird. Als Höhepunkt der bisherigen Arbeit versteht das Quartett den Konzertzyklus um die Streichquartette Arnold Schönbergs, für welchen das Quartett Kompositionsaufträge an Márton Illés, Viera Janárceková, Jay Schwartz und Lisa Streich vergeben hat und in Zusammenarbeit mit dem Musikwissenschaftler Michael Struck-Schloen dem Musiker und Menschen Schönberg auf der Spur ist. Und seit dem Jahr 2014 setzen die Musiker in der Zusammenarbeit mit den Choreographen Richard Siegal und Stephanie Thiersch das Streichquartett als Instrument und Körper in Szene: Musik verstehen und begreifen mit vollem Körpereinsatz ist für die Musiker sozusagen der Schwung des Pendels, welches zwischen den Extremen der intellektuellen kammermusikalischen Auseinandersetzung in der Königsdisziplin Streichquartett – damit beschäftigt sich Asasello seit dem Jahr 2000 – und der "Streichermusik" als reine Abendunterhaltung hin und her schwenkt. Dynamisch, physisch, sinnlich – aber nie flach!

Nach der Gründung an der Musikhochschule in Basel hatte das Quartett zunächst bei Walter Levin und Hatto Beyerle Unterricht. Weitere Studien in der Quartettklasse des Alban Berg Quartetts und die intensive Beschäftigung mit Neuer Musik bei David Smeyers haben den Lebensmittelpunkt nach dem Studienabschluss im Jahr 2007 endgültig nach Köln verlagert. Wichtige Impulse – institutionsunabhängig – holte sich das Quartett bei Christophe Desjardins (Paris), Chaim Taub (Tel Aviv), Jürgen Geise (Salzburg) und David Alberman (London).

Auf Andreas Müller (der bei der PAYSAGES-Konzertreise nach Sibirien noch dabei war) folgte an der Celloposition Wolfgang Zamastil, seit 2014 ist der Finne Teemu Myöhänen der Cellist bei Asasello – und bringt etwas frischen Nordwind mit.

Wenn wir Beethovens Verhalten und seine Äusserung gegenüber Karl Amenda, das F-Dur Quartett in der Urfassung nicht weiterzugeben, richtig interpretieren, dürfen wir die Quartette Nr. 4 bis 6 als den entscheidenden Schritt vom Quartett des späten 18. zu dem des frühen 19. Jahrhunderts ansehen. Beethoven hat die ersten drei Quartette im Jahre 1800 revidiert. Dies zeigt, dass er selbst von der ersten zur zweiten Dreiergruppe einen qualitativen Fortschritt sah, der ihn nötigte, die ersten Werke dem neuen Standard anzupassen. So sind auch diese drei Quartette, zumindest in einzelnen Sätzen (vor allem beim F-dur-Quartett die beiden ersten) zu neuartigen Kompositionen geworden. Natürlich stehen auch die Nummern 4 bis 6 noch in der Tradition; der eigentliche Bruch mit dem 18. Jahrhundert wird sechs Jahre später - dafür umso radikaler - mit den Rasumowsky-Quartetten op. 59 erfolgen.

Die modernste Passage im 6. Quartett ist die langsame Einleitung zum Schlusssatz, welche die Überschrift "La Malinconia" trägt. Die Schwermut wird in einer Weise gemalt, die "harmonisch alles Vergleichbare jener Zeit weit hinter sich lässt" (W. Konold). Im Wechsel mit der Heiterkeit der tänzerischen Allegrettoteile ergibt sich nicht nur ein Kontrast, sondern auch der Versuch, beide Seiten menschlichen Verhaltens als austauschbar nebeneinander zu stellen. Am Schluss setzt sich mit der Prestissimo-Steigerung das Tänzerisch-Lustige durch, wirkt aber, wie so oft bei Beethoven, nicht ganz frei, eher etwas künstlich. Das Werk ist auf diesen Finalsatz hin ausgerichtet: ein musikantischer, nur im Seitenthema etwas ruhigerer Kopfsatz, das melodisch-subtile Adagio in dreiteiliger Liedform und das synkopierte Scherzo mit eigenwilligen Akzenten bilden den Vorspann zum quasi una fantasia des Finales.

Joseph Haydn 1732-1809

Streichquartett Nr. 61, f-moll, op. 55, Nr. 2, Hob. III:61 (1788?)
Andante più tosto allegretto
Allegro
Menuetto – Trio
Finale: Presto

George Enescu 1881-1955

Streichquartett Nr. 2, G-dur, op. 22, Nr. 2 (1951)
Molto moderato
Andante molto sostenuto ed espressivo
Scherzo: Allegretto non troppo mosso
Con moto molto moderato, energico

Ludwig van Beethoven 1770-1827

Streichquartett Nr. 6, B-dur, op. 18, Nr. 6 «La Malinconia» (1798/1800)
Allegro con brio
Adagio, ma non troppo
Scherzo: Allegro – Trio
La Malinconia: Adagio – Allegretto quasi Allegro – poco Adagio – Prestissimo