Konzerte Saison 2020-2021

  • 2.3.2021
  • 19.30
  • 95.Saison
  • Abo 8
Stadtcasino Basel, Hans Huber-Saal

Cuarteto Quiroga (Madrid)

Das Cuarteto Quiroga nennt sich nach dem im galicischen Pontevedra geborenen bedeutenden Geiger Manuel Quiroga (1892-1961), dessen Karriere, nachdem er 1937 in New York von einem Lastwagen angefahren worden war, wegen einer Behinderung und späteren Lähmung eines Armes beendet wurde. Das Quartett hat nach seiner Gründung 2004 bei Rainer Schmidt in Madrid und Walter Levin in Basel sowie bei Hatto Beyerle studiert. Es war Gewinner mehrerer bedeutender Quartettwettbewerbe (u. a. Bordeaux, Paolo Borciani, Genf) und ist in den wichtigsten Konzertsälen und bei den grossen Festivals in Europa und Amerika aufgetreten. Im Juni 2014 gestaltete es sechs Konzerte im Auditorio Nacional de Madrid mit dem op. 20 von Haydn, den sechs «Haydn-Quartetten» Mozarts und dem Gesamtwerk für Streichquartett von György Kurtág. Das Cuarteto Quiroga ist Quartet-in-Residence an der Fundación Museo Cerralbo in Madrid, seinem künstlerischem Sitz. Es arbeitet mit Musikern wie Valentin Erben, Javier Perianes, Vladimir Mendelssohn oder Jeremy Menuhin sowie mit Choreographen, Dramaturgen und Schauspielern zusammen. Bereits für seine erste CD «Statements» bei Cobra Records mit Werken von Haydn, Webern und Giovanni Sollima erhielt es 2012 einen Preis. Weitere Aufnahmen galten Frühwerken von Schönberg, Berg und Webern, den Brahms-Quartetten op. 51 sowie den Klavierquintetten von Turina und Granados mit Javier Perianes.
Alberto Ginastera stammte aus Buenos Aires; die letzten Jahre seines Lebens verbrachte er in Genf. In seinem Schaffen scheint er den Kontrast der argentinischen Pampas und der kultivierten Urbanität zu verarbeiten. Seine erste Schaffensperiode, die er später mit «objektivem Nationalismus» umschrieb, beruhte daher auf Melodik und Harmonik der argentinischen Volksmusik. Am Beginn der zweiten Periode eines subjektiven Nationalismus steht das 1. Streichquartett. Hier arbeitet Ginastera mit einer Achtton-Tonleiter, in der Halb- und Ganztöne abwechseln. Daraus leitet er Akkorde und Melodien ab, die strukturell zusammenhängen. Ein typisches Merkmal ist eine Art flamenco-nahen Klangs der Gitarre, der auch im Harmonischen genutzt wird. Motorische Energie, ein Merkmal von Ginasteras Stil, bestimmt den Kopfsatz und das Scherzo, das an den Malambo, einen Wettanz zwischen zwei Männern, erinnert. Der langsame Satz, eine freie Rhapsodie, lässt die Gitarrenharmonik anklingen. Auch ins Finale, einem auf zwei Themen beruhenden Rondo, spielt sie hinein.
Schostakowitschs 8. Quartett ist wohl sein bekanntestes, nicht zuletzt dadurch, dass es auch in der Orchestrierung Rudolf Barshais als Kammersinfonie häufig gespielt wird. Es ist innerhalb von nur drei Tagen in der Nähe von Dresden entstanden, wo Schostakowitsch sich 1960 aufhielt, um die Filmmusik zu einer deutsch-russischen Koproduktion zu schreiben. Dies vergegenwärtigte ihm die Zerstörung Dresdens und die Vernichtung unzähliger Menschen. Darum widmete er das Werk "den Opfern des Faschismus und des Krieges". Viel später gewichtete der Komponist anders, mehr autobiographisch. So jedenfalls wollte er das Zitat aus dem berühmten russischen Revolutionslied "Erschöpft von schwerer Gefangenschaft" verstanden wissen. überhaupt ist das Werk voller Zitate: Im zweiten Satz erklingt das jüdische Thema, das bereits im 2. Klaviertrio eine wichtige Rolle spielte; im 3. Satz erscheint das Anfangsmotiv des 1. Cellokonzerts aus dem Vorjahr und leitet in den 4. Satz über. Darin zitiert er aus seiner Oper "Lady Macbeth von Mzsenk". Es klingen zudem die 1. und 10. Sinfonie an. Vor allem im 1. und dem das Werk zyklisch beschliessenden 5. Satz spielt das auch sonst immer wieder begegnende Motiv D-eS-C-H, das Kürzel von Schostakowitschs eigenem Namen, eine wichtige Rolle. So wird die von seiner Tochter geäusserte Meinung, Schostakowitsch habe das Quartett "sich selbst gewidmet", richtig sein. Dass er es als eine Art Requiem für sich selbst auffasste, bestätigt ein Brief an Isaak Glikman.