Konzerte Saison 2020-2021

  • 19.1.2021
  • 19.30
  • 95.Saison
  • Abo 8
Stadtcasino Basel, Hans Huber-Saal

Arditti Quartet (London) Jake Arditti, Countertenor

Fast 400 Werke für Streichquartett, dazu rund 80 für Streichtrio, mit weiteren Instrumenten oder mit Orchester (z.B. beim Basler Musik Forum am 24.11.94) stehen auf der Repertoireliste des Arditti-Quartetts. Nur gerade drei Streichquartette - sieht man von Beethovens Grosser Fuge ab - gehören nicht dem 20. Jahrhundert an: Nr. 2 von Carl Nielsen (1890/91), Debussy (1893) und Schönbergs Nr. 1 (1897). Die neusten stammen aus dem laufenden Jahr. Welches Quartett könnte da noch mithalten? Seit seiner Gründung an der Royal Academy of Music in London im Jahre 1974 ist das Arditti-Quartett seiner Konzeption treu geblieben, nur Werke der klassischen Moderne, der neuen und neusten Zeit zu spielen. Scelsi, Harvey, Ferneyhough Nr. 3 und Nr. 4 (als Uraufführung unseres Auftragswerks), Berg, Webern und Schönberg haben die vier Musiker bisher (1989 und 1990) bei uns gespielt: ein knapper, aber guter Querschnitt durch ihr Repertoire. Nicht nur "Weltmeister im Uraufführen" (wie die Basler Zeitung einst titelte) sind die Arditti-Musiker, sondern unbestritten auch Garanten für die höchst kompetente Interpretation Neuer Musik, wofür sie zahlreiche Preise entgegennehmen durften.- Der Geiger Graeme Jennings löste 1994 David Alberman am zweiten Pult ab.
Als Komponist von Opern, Balletten und Sinfonien ist Henze allgemein bekannt und anerkannt. Dass sein Oeuvre auch reichhaltige Kammermusik, darunter mehrere Streichquartette (das erste 1947) umfasst, ist weniger geläufig. Im März 1976 machte Henze auf einer Flugreise von Rom nach Sydney Skizzen zu seinem 5. Quartett. In Sydney habe ihm der Tänzer Mark Wraith einen seiner choreographischen Träume aufgeschrieben. Darin sei vom Alleinsein, von Kampf und Nachtmahren, von Stille, vom Heraufkommen des Morgens, von Genesung die Rede gewesen. Daneben ist überall der tagebuchartige Charakter dieses Quartetts zu verfolgen. Im klagenden Arioso, einer lyrischen Invention, bildet sich die Thematik der ganzen Arbeit schon vor. Den Schwerpunkt bildet der stürmische 2. Satz, ein vierstimmiger Kontrapunkt, in dem zunächst 58 Takte lang die Bratsche die Haupt- und das Cello die Nebenstimme ausführt. Gleichzeitig wird von der ersten Geige das Tonmaterial der Bratschenmusik krebsförmig in verminderter Quintlage gespielt, und das des Cellos auf die gleiche Weise, aber in Quartlage, von der zweiten Geige. Die Sätze drei bis fünf bringen Beruhigung, der sechste, ein Morgenständchen (Aubade) in vier Strophen, beginnt noch unsicher, noch halb im Traum. Obwohl Henze vom Zerbrechen des Traums spricht, wodurch das Material zerstoben (ist), verflogen wie Nachtvögel und Fledermäuse im Frühlicht (2. Strophe), und in der dritten Strophe fast quälend die Helle des Tages einbrechen lässt, erhält in der vierten unter Führung des Cellos die Traumwelt neue Realität im Licht der Sonne, bis die Stimmen vertikal gehört werden können und zu Harmonie werden (alle Zitate: Henze).