Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Konzert-Details

955

18.2.2020, 19.30 Uhr ( 94. Saison Abo 7 )
Oekolampad Basel

Quatuor Danel (Brüssel)

Danel, Marc, Violine 1
Millet, Gilles, Violine 2
Bogdanas, Vlad, Viola
Markovitch, Yovan, Violoncello

Ludwig van Beethoven
1770-1827

Streichquartett Nr. 2, G-dur, op. 18, No. 2 (1798/1800)

Allegro
Adagio cantabile – Allegro
Scherzo: Allegro – Trio
Allegro molto quasi Presto

Dmitrij Schostakowitsch
1906-1975

Streichquartett Nr. 10, As-dur, op. 118 (1964)

Andante –
Allegretto furioso –
Adagio –
Allegretto

Mieczyslaw Weinberg
1919-1996

Streichquartett Nr. 6 (1946)

Allegro semplice
Presto agitato
Allegro con fuoco
Adagio
Moderato commodo
Andante maestoso

(zu Beethoven, Streichquartett Nr. 2, G-dur, op. 18, No. 2)

Mit Beethovens Opus 18 steht die Komposition von Streichquartetten im Moment eines entscheidenden Wandels. Es ist kein Zufall, dass dies genau im Zeitpunkt der Jahrhundertwende geschah: Die Klassik eines Haydn und Mozart, die noch vor nicht allzu langer Zeit im Gewande des Rokoko daher gekommen war, neigte sich ihrem Ende zu, eine neue Klassik, die sich mit romantischen Elementen verbinden sollte, stand am Horizont. 1797 hatte Haydn die Quartette op. 76 komponiert und sie 1799 veröffentlicht; in diesem Jahr entstand auch das unvollständige op. 77. Zur gleichen Zeit arbeitete Beethoven erstmals an Streichquartetten. Zuvor oder gleichzeitig hatte er sich in erstaunlicher Weise fast allen Kammermusikgattungen gewidmet und folgende Werke einer Opuszahl, d.h. der Veröffentlichung gewürdigt: Klaviertrios (op.1; um 1794), Klaviersonaten (op. 2, 7, 10, 13 und 14; 1795-99), Streichquintett (op. 4 nach einem früheren Bläseroktett), Cellosonaten (op. 5; 1796), Streichtrios (op.3, 8 und 9; 1798), Violinsonaten (op.12; 1797), Klavierquintett mit Bläsern (op.16; 1796), Hornsonate (op. 17; 1800). Jetzt war die Zeit reif, fühlte er sich reif für die Komposition und Veröffentlichung von Quartetten - kurz danach sollte die 1. Sinfonie folgen.

Natürlich wurzeln die sechs Quartette noch im 18. Jahrhundert und berufen sich auf Haydn und Mozart. Noch einmal taucht auch jene Sechserzahl für ein Opus auf, die für Haydn die Regel gewesen war. Sie zeigen aber auch die Suche nach dem eigenen Stil. (...)

Im Jahre 1800, nach Abschluss aller sechs Quartette, überarbeitete Beethoven die Nummern 1 bis 3 grundlegend. 1801, im Jahr des Erscheinens der dem Fürsten Lobkowitz (dem Auftraggeber?) gewidmeten Quartette, schrieb er an Freund Karl Amenda, dem er das F-dur-Quartett zunächst zugeeignet hatte: "Dein Quartett gieb ja nicht weiter, weil ich es sehr umgeändert habe, indem ich erst jetzt recht Quartetten zu schreiben weiss."

In der Tat kann man die drei ersten Quartette teilweise noch der Spielmusik - wenn auch auf höchstem Niveau - des 18. Jahrhunderts zuweisen. Das wird am 2. Quartett deutlich, dem man im 19. Jahrhundert wegen seiner galanten "Verbeugungen" den Namen "Komplimentierquartett" gegeben hat. Gerade hier aber ist das Scherzo voll entwickelt. (...)

(zu Schostakowitsch, Streichquartett Nr. 10, As-dur, op. 118)

Nur gerade elf Tage brauchte Schostakowitsch im Juli 1964, um das 10. Quartett niederzuschreiben. Er widmete es seinem jüngeren Freund, dem polnischen Komponisten und Pianisten Moissej Wainberg (Mieczysław Weinberg, 1919-1996, 1939 nach Russland geflohen), der erst jetzt richtig entdeckt wird (Uraufführung seiner Oper „Die Passagierin“ von 1968 und Aufführungen anderer Werke bei den Bregenzer Festpielen 2010). Dessen damals neun Quartette (von insgesamt 17) hat Schostakowitsch zu diesem Zeitpunkt mit dem zehnten zumindest an Zahl überboten. Im Gegensatz zum 9. Quartett mit seinen fünf attacca ineinander übergehenden Sätzen, das kurz zuvor entstanden war und mit dem zusammen es am 20. November vom Beethoven-Quartett uraufgeführt wurde, weist das 10. Quartett einzig zwischen dem 3. und 4. Satz die Bezeichnung attacca auf. Die Satzfolge ist Langsam - Schnell - Langsam - Schnell. Auf eine leichte, zurückhaltende Sonatine folgt ein wildes Scherzo, das in seiner harten Motorik an das Stalin-Porträt in der 10. Sinfonie erinnert. Nach diesem kurzen aggressiven Zwischenspiel beruhigt eine langsame Passacaglia (mit einem neun- statt achttaktigen Thema) die Gemüter wieder. Das Finale nimmt am meisten Raum ein und weist einen ebenfalls bei Schostakowitsch typischen Charakter auf: Ein nicht allzu schnelles ostinatohaftes Thema im Staccato wird, von wenigen Unterbrüchen abgesehen, ständig wiederholt, bis es nach dem Zitat des Hauptthemas aus dem ersten Satz zum Schluss beruhigt pianissimo ausläuft.