Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Konzert-Details

952

14.1.2020, 19.30 Uhr ( 94. Saison Abo 7 )
Oekolampad Basel

Belenus Quartett (Zürich)

Pfenninger, Seraina, Violine 1
Battegay, Anne, Violine 2
Fritzsche, Esther, Viola
Vischi, Jonas, Violoncello

Belenus ist der keltische Gott der Künste und seit der Gründung 2004 der Namensgeber des Belenus Quartetts, das seit 2014 in seiner heutigen Besetzung spielt. Das Belenus Quartett konzertierte bisher vor allem in der Schweiz, in Deutschland, aber auch in verschiedenen Ländern Europas auf Tourneen. Sein Repertoire reicht von den frühen Haydn-Quartetten bis hin zu zeitgenössischen Kompositionen. Das Quartett ist auch renommiert für aussergewöhnliche Crossover-Projekte und das Zusammenwirken mit weitereren Musikern. So ist es 2016 am berühmten St. Moritz Jazzfestival mit einem „Tribute to Billie Holiday“ zusammen mit dem angesehenen Schweizer Komponisten und Saxofonisten Daniel Schnyder mit grosser Resonanz aufgetreten. Ein weiterer künstlerischer Höhepunkt des Quartetts war die Einstudierung und Aufführung des Schubert Quintetts an der Musikhochschule Mainz mit dem renommierten Cellisten Valentin Erben (Alban Berg Quartett). CD Aufnahmen des Belenus Quartetts zeigen die musikalische Brillianz und Vielfalt – darunter aufgenommene Werke von Haydn, Bartok und Schubert, sowie das vierte Streichquartett von Daniel Schnyder. Erst kürzlich erschien unter dem Label DG Scene eine Aufnahme mit Klarinettenquintetten von Heinrich Baermann, einstudiert mit Rita Karin Meier, Soloklarinettistin des Opernhaus Zürichs (Philharmonia Zürich).

Künstlerische Impulse erhält das Quartett zurzeit von Rainer Schmidt (Hagen Quartett) sowie Claudius Herrmann (Gringolts Quartett). Meisterkurse besuchte das Quartett ausserdem bei Walter Levin (LaSalle Quartett), Oliver Wille (Kuss Quartett), Natalia Prishepenko (Artemis Quartett), Eberhard Feltz (Musikhochschule Hanns Eisler Berlin) und Valentin Erben (Alban Berg Quartett). 2008-2012 wurde das Quartett von Stephan Goerner (Carmina Quartett) betreut. Von 2009-2014 absolvierte das Quartett ausserdem ein Kammermusikstudium bei Isabel Charisius (Alban Berg Quartett) an der Musikhochschule Luzern.

Am 9. internationalen Wettbewerb „Franz Schubert und die Musik der Moderne 2015“ wurde das Belenus Quartett mit dem 1. Preis und dem Publikumspreis ausgezeichnet. Als Finalist des Kammermusikwettbewerbs des Migros Kulturprozentes 2013 wurde das Quartett in deren Konzertvermittlung aufgenommen. Erste Preise gewann das Quartett zudem am „Interpretationswettbewerb für zeitgenössische Musik 2012“ an der ZHdK, sowie am „Kiwanis Wettbewerb 2012“. Am „Hans Schaeuble Wettbewerb 2012“ wurde es mit dem 3. Preis ausgezeichnet. Im Jahre 2011/12/13 wurde es Preisträger des „ORPHEUS Swiss Chamber Music Competition“. Am "1. Internationalen Wettbewerb für Streichquartett Sandor Vegh" 2012 wurde dem Quartett ein Sonderpreis für die beste Haydn Interpretation verliehen.

Joseph Haydn
1732-1809

Streichquartett Nr. 37, h-moll, op. 33, Nr. 1, Hob. III:37 (1778/81)

Allegro moderato
Menuetto (Scherzando): Allegro – Trio
Andante
Finale: Presto

Dmitrij Schostakowitsch
1906-1975

Streichquartett Nr. 7, fis-moll, op. 108 (1960)

Allegretto –
Lento –
Allegro – Allegretto

Mieczyslaw Weinberg
1919-1996

Capriccio, op. 11 (1943)

Aria, op. 9 (1942)

Pjotr Iljitsch Tschaikowsky
1840-1893

Streichquartett Nr. 1, D-dur, op. 11 (1871)

Moderato e semplice – Poco più mosso – Allegro non troppo, ma con fuoco
Andante cantabile
Scherzo: Allegro non tanto e con fuoco
Finale: Allegro giusto – Allegro vivace

(zu Haydn, Streichquartett Nr. 37, h-moll, op. 33, Nr. 1, Hob. III:37)

Fast zehn Jahre hatte Haydn nach der Komposition der 18 Quartette op. 9, 17 und 20 (1769-1772) gewartet, bis er sich wieder der Streichquartettkomposition zuwandte. So gross war der Unterbruch nur noch zwischen den Opera 1 und 2 bis hin zu den erwähnten Quartetten. Beidemale war der Sprung in der Entwicklung gewaltig. Mit dem op. 33, das Haydn wohl kaum nur aus Werbegründen als »auf eine gantz neue besondere Art« geschrieben bezeichnet hat, ist nicht nur ein Standard erreicht, an dem der Komponist später keine wesentlichen Veränderungen mehr vornehmen musste, sondern es hatte, jedenfalls gemäss den veröffentlichten Meinungen der Zeitgenossen, eine neue Epoche der Quartettkunst begonnen. Das h-moll-Quartett, zwar nicht als erstes der Serie komponiert, zeigt noch am ehesten Bezüge zu den älteren Quartetten, etwa in der Leidenschaftlichkeit, wie sie sich im ernsten Tonfall des Kopfsatzes äussert. Hier erinnert der raffinierte, tonal unbestimmte Beginn, der erst in mehreren Anläufen zur Haupttonart und zum Thema findet, an op. 20. Anstelle des Menuetts ist in allen sechs Quartetten das Scherzo getreten. Im h-moll-Werk nimmt Haydn das Scherzo-Thema unverkennbar im Andante wieder auf, bevor er das Werk mit einem nur bedingt heiteren Sonatensatz abschliesst.

(zu Tschaikowsky, Streichquartett Nr. 1, D-dur, op. 11)

(...) Auch Tschaikowskys 1. Quartett hat einen äusseren Anlass. Er schrieb es in aller Eile, weil er für ein Konzert mit eigenen Kammermusikwerken noch ein grösseres Stück benötigte. Publikum und Kritik nahmen das Quartett begeistert auf. Es ist musikantisch-spielfreudig, der Tonfall ist unverkennbar russisch. Im Kopfsatz allerdings, dessen Thema mit seinem synkopierten 9/8-Takt so eigenartig wirkt, hat man auch schon Schubert-Anklänge festgestellt. Das Andante in B-dur con sordini, das 1876 Tolstoi Tränen entlockt hat, beruht auf einem ukrainischen Volkslied im Wechsel von 3/4- und 2/4-Takt und einem salonhaften Originalthema, wie es „ein Orchester in einem Salon de thé an den Ufern des Schwarzen Meeres“ (Ménétrier) spielen könnte; nur die schlichte Satztechnik bewahrt es vor Banalität. Das Scherzo, ein robuster russischer Tanz, entwickelt durch die Verlagerung des schweren Taktteils starke rhythmische Energie. In behendem Elan verläuft das Finale. Es lässt ein russisches Dorffest aufleben. Im abrupten Wechsel von D-dur nach B-dur klingt wieder Schubert an. Nach dem pianissimo-Rückgriff auf das dritte Thema im Andante-Tempo klingt die Coda triumphierend fortissimo und Allegro vivace aus.

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