Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Konzert-Details

948

29.10.2019, 19.30 Uhr ( 94. Saison Abo 5 )
Oekolampad Basel

Amaryllis Quartett (Hamburg)
Maria Riccarda Wesseling, Mezzosopran

Frielinghaus, Gustav, Violine 1
Sandoz, Lena, Violine 2
Akasaka, Tomoko, Viola
Sandoz, Yves, Violoncello

Wesseling, Maria Riccarda, Mezzosopran

«Aufregend frisch und auf kluge Weise unkonventionell» (BNN) und mit «staunenswert makelloser Technik» (SZ) begeistert das Amaryllis Quartett in seinen Konzerten regelmäßig Publikum und Presse und gehört damit zu den interessantesten Streichquartetten seiner Generation.

In seinen Konzertprogrammen ebenso wie bei seinen Einspielungen ist es dem Amaryllis Quartett ein Anliegen, Klassiker der Quartettliteratur auf ungewöhnliche Weise mit Neuem zu kombinieren und dadurch neue Hörwelten zu eröffnen. Die Uraufführung von Werken zeitgenössischer Komponisten wie Johannes Fischer, David Philip Hefti oder Lin Yang nimmt dabei einen ebenso wichtigen Platz ein wie die Wiederentdeckung heute vergessener Meisterwerke, etwa der Streichquartette des ungarischen Komponisten Geza Frid.

Die vier Musiker, die bei Walter Levin in Basel, später dann beim Alban Berg Quartett in Köln und bei Günter Pichler in Madrid ausgebildet wurden, gewannen zahlreiche internationale Preise, darunter den Finalisten-Preis beim Premio Paolo Borciani 2011 in Reggio Emilia und nur vier Wochen später den ersten Preis und den Monash Univer­sity Grand Prize bei der 6th International Chamber Music Competition in Melbourne. Im Jahr 2012 wurde ihnen außerdem der Kammermusikpreis der Jürgen Ponto-Stiftung verliehen.

Konzertreisen führten das Amaryllis Quartett u.a. in die Alte Oper Frankfurt, die Tonhalle Zürich, den Wiener Musikverein, das Teatro della Pergola Firenze, das Gran Teatro La Fenice di Venezia und in die Dai-ichi Seimei Hall Tokio. Regelmäßig gastiert es auf Festivals wie dem Schleswig-Holstein Musik Festival, den Schwetzinger SWR Festspielen, dem Heidelberger Frühling, dem Rheingau Musik Festival und dem Lucerne Festival.

Außerdem rief das Quartett seine eigene Konzertreihe im Konzertsaal Solothurn ins Leben und gestaltet unter dem Motto„amaryllis 3x3" einen Zyklus in der Laeiszhalle Hamburg, im Lübecker Kolosseum und im Bremer Sendesaal.

Zu den Kammermusikpartnern des Amaryllis Quartetts zählen Barbara Westphal, Dimitri Ashkenazy, Fran<;:ois Benda, Patrick Demenga, Volker Jacobsen, Paul Katz, Jens-Peter Maintz, Gustav Rivinius, Gerhard Schulz und Michael Tree.

Die 2011 erschienene CD „White" mit Werken von Haydn und Webern wurde 2012 mit dem ECHO Klassik für die beste Kammermusikeinspielung des Jahres ausgezeichnet. Sie bildete den Auftakt zu der von der Presse hochge­lobten "Farbenreihe’ in der Werke verschiedener Epochen miteinander in Beziehung gesetzt werden. Die soeben erschienene Einspielung„Yellow" mit Werken von Mozart und Schönberg schließt diese Reihe ab.

Neben seiner Konzerttätigkeit ist das Quartett auch sehr daran interessiert, seine Erfahrung weiterzugeben. So unterrichten die Musiker bei verschiedenen Meisterkursen; mehrere Mitglieder des Quartetts haben ihre eigenen Kammermusikklassen an deutschen Hochschulen.

Seit April 2016 ist Tomoko Akasaka Bratschistin des Amaryllis Quartetts. Lena Eckeis entschied sich nach 10 intensi­ven und erlebnisreichen gemeinsamen Jahren, andere Wege zu gehen. Tomoko Akasaka lebt in Berlin und ist u.a. Preisträgerin des 53. Internationalen Musikwettbewerbs der ARD in München.

Felix Mendelssohn Bartholdy
1809-1847

Streichquartett Nr. 1, Es-dur, op. 12 (1829)

Adagio non troppo – Allegro non tardante
Canzonetta: Allegretto – Più mosso
Andante espressivo –
Molto allegro e vivace

David Philip Hefti
1975-

«An durchsichtigen Fäden» für für Mezzosopran und Violoncello (2013)

1. Aus Klang
2. Im Innern der Worte
3. Quelle, Narbe, Gesicht?
4. Endloser Anfang von allem
5. Wenn ich...
6. ...an den Augenblick denke

Gustav Mahler
1860-1911

Fünf Lieder nach Gedichten von Friedrich Rückert (1901/02)

Ich atmet’ einen linden Duft!
Liebst du um Schönheit
Blicke mir nicht in die Lieder
Um Mitternacht
Ich bin der Welt abhanden gekommen

Felix Mendelssohn Bartholdy
1809-1847

Streichquartett Nr. 6, f-moll, op. 80 (1847)

Allegro (vivace) assai – Presto
Allegro assai
Adagio
Finale: Allegro molto

(zu Mendelssohn Bartholdy, Streichquartett Nr. 1, Es-dur, op. 12)

Mendelssohns Opus 12 ist eigentlich das dritte Streichquartett des jungen Meisters. Natürlich steht bei den Quartetten op. 13 und 12 der bewunderte (mittlere und späte!) Beethoven im Hintergrund. Doch hat Mendelssohn auch im Quartett seine eigene Sprache gefunden, sowohl im Melodischen wie in der Formstruktur. Gerade das Abgehen vom Klassischen, am leichtesten erkennbar beim «Scherzo-Ersatz» der Canzonetta mit ihrem dahinhuschenden Trio, zeigt die Modernität des jungen Komponisten: Der Tanzsatz wird zum Lied ohne Worte. Das kurze Andante in B-dur, dominiert von der 1. Violine, konkurrenziert dieses «Lied» nicht. Es wirkt beinahe wie die Einleitung zum Finale, in das es denn auch attacca übergeht. Hier setzt vehement und virtuos ein Feuerwerk von Spielformen ein, das nur kurz von liedhaften Elementen und Rückgriffen auf den Kopfsatz unterbrochen wird, dann kommt alles in einem lyrischen Abgesang zur Ruhe.

(zu Mendelssohn Bartholdy, Streichquartett Nr. 6, f-moll, op. 80)

Am 14. Mai 1847 war Fanny Hensel-Mendelssohn an einem Schlaganfall in Berlin gestorben. Felix war vom Tode seiner Schwester zutiefst erschüttert. Nach anfänglicher Erschöpfung und Unfähigkeit zu komponieren, schrieb er im Sommer in Interlaken das f-moll-Quartett als wichtigstes Werk dieser Zeit. Es darf als eine Art Requiem für Fanny gelten, eine Klage um die geliebte Schwester. Wenn dabei noch Fragmente eines Lieblingsmotivs Fannys aufscheinen, so wird klar, wem diese Klage gilt. Das Werk ist, bei Mendelssohn eine Seltenheit, autobiographisch zu verstehen. Die Mendelssohn gelegentlich vorgeworfene oberflächlich-klangschöne Unverbindlichkeit ist wie weggefegt; es handelt um ein Ausnahmewerk von grossartiger Dynamik und Tiefe. Auch wenn gelegentlich Lyrisch-Kantables ansetzt, herrscht Zerrissenheit vor, vernehmbar in den schroffen Klängen und Tremoli des Kopfsatzes, in den Synkopen und den Tritoni des Scherzos oder in den Dissonanzen und fragmentarischen Motiven des Finales. Einzig der Klagegesang des Adagios, meist in As-dur, versucht lyrisch zu sein, so, als ob er an Lieder Fannys erinnern wollte, doch ohne dass es zu einem eigentlichen Liedgesang (ohne Worte) kommt. Hier wird auch deutlich, was Fanny für Felix war: die wichtigste musikalische Beraterin während vieler Jahre. Am 4. November desselben Jahres war auch Felix tot.

(zu Mahler, Fünf Lieder nach Gedichten von Friedrich Rückert)

Gustav Mahlers Vertonungen von zehn Rückerttexten (Kindertotenlieder und 5 Rückert-Lieder) in den Jahren um 1899 bis 1902 (zeitgleich mit der 5. Sinfonie entstanden) gehören zu den grossartigsten Liedern Mahlers und der Zeitenwende von der Spätromantik zum 20. Jahrhundert überhaupt. Während die tieftraurigen und resignativen Kindertotenlieder einen eigentlichen Zyklus bilden, sind die fünf anderen locker verbunden. So bleibt es dem Interpreten überlassen, welche Reihenfolge er wählen will. Auch hier ist Ernst und teilweise Resignation zu vernehmen, doch längst nicht so wie im andern Zyklus. Drei Lieder wirken freundlicher, heller. Zartheit und Innigkeit, in Blicke mir nicht in die Lieder sogar Heiterkeit herrschen hier vor. Höhepunkte sind Um Mitternacht und Ich bin der Welt abhanden gekommen. Welches soll man an den Schluss setzen? Mag die Steigerung, welche in Um Mitternacht von hoffnungsloser Resignation zum grandios-hymnischen Ende führt, für dieses Lied sprechen, so wirkt sie vielleicht doch etwas zu aufgesetzt. Da darf die tief empfundene, wunderbar reine Ausdruckskraft des pianissimo-Liedes, das den Sänger in absolute Ruhe und Weltentrücktheit führt, für sich den Anspruch erheben, einer der Höhepunkte mahlerschen Komponierens zu sein, vergleichbar vielleicht einzig den langsamen Schlusssätzen der 3. und 9. Sinfonie. So bleibt noch die Frage, ob man diese Lieder in der Klavier- oder Orchesterfassung vorzieht.

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