Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Konzert-Details

946

26.3.2019, 19:30 Uhr ( 93. Saison Abo 7 )
Oekolampad Basel

Dover Quartet (Philadelphia)

Link, Joel, Violine 1
Lee, Brian, Violine 2
Pajaro-van de Stadt, Milena, Viola
Shaw, Camden, Violoncello

Samuel Barber
1910-1981

Streichquartett op. 11 (1936)

I. Molto allegro e appassionato
II. Molto adagio –
Molto allegro (come prima) – Presto

Simon Laks
1901-1983

Streichquartett Nr. 3 (1945)

Antonín Dvorák
1841-1904

Streichquartett Nr. 14, As-dur, op. 105, B 193 (1895)

Adagio ma non troppo – Allegro appassionato
Molto vivace
Lento e molto cantabile
Allegro non tanto

(zu Barber, Streichquartett op. 11)

Der amerikanische Komponist Samuel Barber ist einer jener Komponisten, die man fast nur aufgrund eines einzigen Stückes kennt, obwohl oder vielleicht gerade weil er weitgehend als Postromantiker gilt und nie ein Avantgardist war. Weder seine Oper «Vanessa», 1958 gleich nach der Uraufführung in New York bei den Salzburger Festpielen aufgeführt, noch das Violinkonzert (op. 14, 1939/40) noch «Dover Beach» für Streichquartett und Singstimme (op. 3, 1931) – Barber, der eine Gesangskarriere im Auge hatte, hat das Stück selber aufgeführt – konnten sich bei uns definitiv durchsetzen. Auch die in Amerika offenbar häufiger gespielte, von Horowitz uraufgeführte viersätzige Klaviersonate von 1949, die als Meisterwerk gilt, hört man bei uns nie. Wirklich bekannt geworden ist Barber einzig durch sein Adagio for Strings, das man bei den Begräbnissen von Präsident Eisenhower und Albert Einstein gespielt hat. Dass es sich bei diesem Stück um die Bearbeitung für Streichorchester (1938 für Toscanini) des langsamen Satz aus dem Streichquartett op. 11 handelt, ist kaum bekannt. Ein zweites Streichquartett von 1947 blieb unvollendet. Das Quartett op. 11 ist in Rom entstanden, als sich der Komponist aufgrund eines Stipendiums in Europa aufhielt. Es gliedert sich in zwei Abteilungen, von denen die erste den Kopfsatz, die zweite das Adagio und das attacca anschliessende Finale umfasst. Der erste Satz in h-moll, beinahe klassisch in Form und Tonsprache, hält sich einigermassen an die Sonatenform mit drei Themen. Das erste Thema weist ein markantes Kopfmotiv auf, das im ganzen Satz bestimmend bleibt. Das zweite mit elegischem Klang und Duktus, kontrastiert dazu. Ein dritter Gedanke nimmt wieder mehr Bewegung an und spielt mit dem Hauptmotiv, während die Durchführung auf das elegische Material zurückgreift. Eine Überleitung mit dissonanten Reibungen führt zum Hauptthema zurück und somit zur Reprise. Das Adagio in b-moll ist weitgehend ein zarter, ruhiger Klagegesang voll Melancholie und steigert sich nur einmal zu grosser klanglicher Intensität. Der kurze, rund zweiminütige Schlusssatz greift, wie schon die Tempobezeichnung andeutet, auf den Kopfsatz zurück, und endet in einer Art Presto-Coda.

(zu Dvorák, Streichquartett Nr. 14, As-dur, op. 105, B 193)

Dvorák hatte den ersten Satz des As-dur-Quartetts im März 1895 in New York begonnen (bis zum Ende der Exposition). Nach seiner Rückkehr nach Böhmen hatte der sonst so rastlos Tätige keine Lust aufs Komponieren („Die heilige Wahrheit, ich bin ein Faulpelz und rühre die Feder nicht an.“), und als er damit wieder anfing, schrieb er im Spätherbst zuerst ein neues Quartett in G-dur op. 106, welches deshalb auch die niedrigere Nummer 13 trägt. Erst dann verspürte er Lust, auch das angefangene Werk zu vollenden. Vielleicht lässt sich der Grund für die neue Schaffensfreude aus folgender Äusserung erschliessen: „Wir sind gottlob alle gesund und freuen uns, dass es uns nach drei Jahren wieder vergönnt ist, liebe und frohe Weihnachtsfeiertage in Böhmen zu geniessen. Deshalb fühlen wir uns alle so unaussprechlich glücklich.“ Jetzt heisst es plötzlich: „Ich bin jetzt sehr fleissig. Ich arbeite so leicht und es gelingt mir so wohl, dass ich es mir gar nicht besser wünschen kann.“ Am 30. Dezember war das Werk vollendet. Unter diesen Umständen verwundert nicht, dass die beiden letzten Quartette den Höhepunkt in Dvoráks Quartettschaffen bilden; sie sind anspruchsvoller als das berühmtere „Amerikanische Quartett“ von 1893. Über diesem letzten Kammermusikwerk liegt die richtige Mischung zwischen freundlicher Leichtigkeit und formaler Sicherheit, so dass der Wiener Kritiker Eduard Hanslick von „reiner Meisterschaft“ sprach.