Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

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Konzert-Details

944

19.2.2019, 19:30 Uhr ( 93. Saison Abo 7 )
Oekolampad Basel

Quatuor Zaïde (Paris)

Maclet, Charlotte, Violine 1
Boulin Raulet, Leslie, Violine 2
Chenaf, Sarah, Viola
Salmona, Juliette, Violoncello

Bereits ein Jahr nach seiner Gründung 2009 gewann das Quatuor Zaïde mehrere Preise, so den Prix de la Presse beim Wettbewerb in Bordeaux, den 1. Preis bei der Charles Hennen International Competition in Heerlen (NL) und den 3. Preis bei der International String Quartet Competition in Banff (Kanada). 2011 folgte der 1. Preis beim Internationalen Musik-Wettbewerb in Beijing. Den grössten Erfolg feierte das Quatuor Zaïde 2012 mit dem Gewinn des Haydn-Wettbewerbes in Wien. Das Ensemble erspielte sich neben dem 1. Preis alle drei Jury-Preise (beste Interpretationen eines Werkes von Haydn, der Zweiten Wiener Schule und des Auftragswerkes des Wettbewerbs). Es konzertierte in bedeutenden Konzertsälen Europas (Philharmonie Berlin, Wigmore Hall London, Musikverein Wien, Théâtre des Champs-Elysées Paris, Cité de la Musique Paris, zudem in Beijing, Boston sowie in Deutschland, den Niederlanden, Italien, Österreich, Griechenland usw.). Das Quartett spielte mit Cellisten wie Julian Steckel und Jérôme Pernoo oder Pianisten wie Alexandre Tharaud und Bertrand Chamayou zusammen. Sein Repertoire umfasst alle Epochen und Stile der Kammermusik, zeigt aber ein besonderes Interesse für zeitgenössische Musik, etwa von Xenakis, Rihm oder Jonathan Harvey, mit dem es Gelegenheit zur Zusammenarbeit hatte. Seit seiner Gründung wird das Quartett regelmässig von Hatto Beyerle betreut und beraten. Es arbeitet auch im Rahmen der ECMA-European Chamber Music Academy mit ihm zusammen.

Joseph Eybler
1765-1846

Streichquartett B-dur, op. 1/3

Joseph Haydn
1732-1809

Streichquartett Nr. 74, g-moll, op. 74, Nr. 3, Hob. III:74 «Reiterquartett» (1793)

Allegro
Largo assai
Menuet: Allegretto
Finale: Allegro con brio

Ludwig van Beethoven
1770-1827

Streichquartett Nr. 3, D-dur, op. 18, Nr. 3 (1798/1800)

Allegro
Andante con moto
Allegro – Minore – Maggiore
Presto

(zu Beethoven, Streichquartett Nr. 3, D-dur, op. 18, Nr. 3)

Mit Beethovens Opus 18 steht die Komposition von Streichquartetten im Moment eines entscheidenden Wandels. Es ist kein Zufall, dass dies genau im Zeitpunkt der Jahrhundertwende geschah: Die Klassik eines Haydn und Mozart, die noch vor nicht allzu langer Zeit im Gewande des Rokoko daher gekommen war, neigte sich ihrem Ende zu, eine neue Klassik, die sich mit romantischen Elementen verbinden sollte, stand am Horizont. 1797 hatte Haydn die Quartette op. 76 komponiert und sie 1799 veröffentlicht; in diesem Jahr entstand auch das unvollständige op. 77. Zur gleichen Zeit arbeitete Beethoven erstmals an Streichquartetten. Zuvor oder gleichzeitig hatte er sich in erstaunlicher Weise fast allen Kammermusikgattungen gewidmet und folgende Werke einer Opuszahl, d.h. der Veröffentlichung gewürdigt: Klaviertrios (op.1; um 1794), Klaviersonaten (op. 2, 7, 10, 13 und 14; 1795-99), Streichquintett (op. 4 nach einem früheren Bläseroktett), Cellosonaten (op. 5; 1796), Streichtrios (op.3, 8 und 9; 1798), Violinsonaten (op.12; 1797), Klavierquintett mit Bläsern (op.16; 1796), Hornsonate (op. 17; 1800). Jetzt war die Zeit reif, fühlte er sich reif für die Komposition und Veröffentlichung von Quartetten - kurz danach sollte die 1. Sinfonie folgen.

Natürlich wurzeln die sechs Quartette noch im 18. Jahrhundert und berufen sich auf Haydn und Mozart. Noch einmal taucht auch jene Sechserzahl für ein Opus auf, die für Haydn die Regel gewesen war. Sie zeigen aber auch die Suche nach dem eigenen Stil. (...)

Im Jahre 1800, nach Abschluss aller sechs Quartette, überarbeitete Beethoven die Nummern 1 bis 3 grundlegend. (...) Die zuerst entstandene Nr. 3 wirkt freundlich-melodiös und endet mit einem Finale in virtuoser Entladung von Spielfreude, schliesst aber ganz überraschend-witzig im Pianissimo. Hier ist Haydn ganz nah. (...)

(zu Haydn, Streichquartett Nr. 74, g-moll, op. 74, Nr. 3, Hob. III:74 «Reiterquartett»)

Haydns g-moll-Quartett gehört zu jener Sechsergruppe (je 3 in op. 71 und 74), die zwar dem Grafen Apponyi (1751-1817), einem Freimaurerfreund und alten Gönner, gewidmet, aber letztlich für Londons Konzertsäle und den dortigen Konzertmanager Salomon geschrieben wurde. Der von Salomon schon bald nach der ersten, so erfolgreichen Londonreise von 1791/92 geplante neue Aufenthalt Haydns verzögerte sich allerdings und fand erst ab Januar 1794 statt. Die Quartette hatten dann allerdings grossen Erfolg. Die neue Art der „Salomon“-Quartette zeigt sich an der «Verknüpfung von quasi-symphonischer Eingängigkeit und raffinierter Detailarbeit» (W. Konold). Dazu gehört die neuartige «sinfonische» Introduktion des Kopfsatzes. Doch als einziges der sechs Quartette hat gerade das «Reiter-Quartett» keine solche, sondern geht – mit einem Reitermotiv – direkt in medias res. Dies ist bei dem so sehr auf rhythmische Prägnanz setzenden Werk nicht verwunderlich. Seinen Beinamen verdient sich das Quartett nicht erst im Finale, sondern schon im Kopfsatz. Auch das Menuett findet nach schlichtem Beginn zwischendurch zu robuster Rhythmik. Die Tonart g-moll wirkt, abgesehen vom Trio des Menuetts, weniger im mozartschen Sinne; sie wird denn auch stets rasch vom helleren G-dur abgelöst. So gewinnt das feierlich-pathetische Largo in E-dur in seiner Ernsthaftigkeit besonderes Gewicht. Am 10. Oktober 1794 schrieb der italienische Komponist G. B. Cimador (1761-1805) an einen Freund, dem er dieses Largo zukommen liess: „Hier, mein lieber Freund, ist ein Stück, das die Begeisterung aller Bewunderer jenes göttlichen Mannes erwecken wird, der es geschrieben hat.“ Das vorwärts preschende Finale dann ist wie der Kopfsatz ein Sonatensatz mit zwei kontrastierenden Themen, dem Reiterthema in g-moll und einem spielerisch bewegten in G-dur. Raffiniert, wie am Schluss, nachdem zunächst das freundliche G-dur-Thema Oberhand zu gewinnen scheint, mit Motivteilen das heftige Galoppieren mit diesem kombiniert wird.