Kammermusik Basel | Basle Chamber Music Society

Kammermusik Basel | Basle Chamber Music Society

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Concert details

943

12.2.2019, 19:30 Uhr ( 93. Saison Abo 5 )
Oekolampad Basel

Quatuor Terpsycordes (Genf)
Fabio di Càsola, Klarinette

Bottiglieri, Girolamo, Violine 1
Raytcheva, Raya, Violine 2
Teh Engstroem, Blythe, Viola
Grin, François, Violoncello

di Càsola, Fabio, Klarinette

Prism of musical repertoires, multiplicity of approach, kaleidoscope of personalities – these many facets combine to make up the unique character of the Terpsycordes Quartet, at once singular and plural. The formation has won distinction at many international competitions, including a First Prize in Geneva in 2001, and has succeeded in radiating its quadruple talent – a magical blend of harmony and complementarity, innovation and audacity of interpretation. The muse Terpsichore is their constant inspiration – music’s daughter linking gesture and spirit: Terre (earth), psy (spirit), cordes (strings).

Both on stage and in the recording studio, the Terpsycordes assert their eclecticism. Their recordings, all acclaimed by the specialized press, reflect a determination to penetrate the very heart of each piece they play, combining rigour and imagination: Schubert, Beethoven and Haydn revealed with period instruments (Ricercar and Ambronay), Schumann’s quartets (Claves), Vierne’s Quintet with piano (Brilliant Classics) ; not to mention modern and contemporary works by Swiss composers (Bloch and Gerber by VDE Gallo, and Zanon by Claves), and incursions into the worlds of tango (Piazzolla, with William Sabatier) and of jazz (with Mael Godinat Trionyx).

Founded in 1997 in Geneva, the Terpsycordes Quartet was trained by Gabor Takàcs-Nagy and subsequently coached notably by members of the Budapest, Hagen, Lasalle and Mosaïque Quartets. Drawing vitality from their contrasting origins (Italy, Bulgaria, USA and Switzerland) the musicians offer dazzling performances to audiences of major concert halls such as the Concertgebouw in Amsterdam, the Salle Gaveau in Paris, the Tonhalle in Zurich, and the Victoria Hall in Geneva.

For this 2018-19 season, the Terpsycordes Quartet performs espacially in Switzerland, France and Italy. He released a new CD with french bandoneonist William Sabatier, devoted to Piazzolla and Piaf, by the label Fuga Libera. He is preparing a recording of a french repertoire from the 19th to the 20th century on period instruments.

Through its commitment to young audiences, the Terpsycordes Quartet participates each year in educational programmes for Geneva’s Department of Education, and since 2015 has sponsored the project “Orchestra in class”.

Arthur Honegger
1892-1955

Streichquartett Nr. 3, E-dur (1937)

Allegro
Adagio
Allegro

Jean Françaix
1912-1997

Quintett für Klarinette und Streichquartett (1977)

Adagio – Allegro
Scherzando
Grave
Rondo

Carl Maria von Weber
1786-1826

Quintett für Klarinette, zwei Violinen, Viola und Violoncello, B-dur, op. 34, J. 182 (1815)

Allegro
Fantasia: Adagio, ma non troppo
Menuett: Capriccio presto
Rondo: Allegro giocoso

Raritäten

Um Arthur Honegger ist es in letzter Zeit eher still geworden. Das gilt weniger für die Oratorien – «Le roi David» wird im März in Basel aufgeführt –, eher für andere Gattungen wie etwa Kammermusik. Honegger wurde als Sohn von Zürcher Eltern in Le Havre geboren, wo sein Vater tätig war. Ab 1909 studierte er in Zürich, später in Paris Komposition bei Charles-Marie Widor. In seinem Oeuvre finden sich fast alle Werkgattungen. Die drei Streichquartette wurden 1917, 1936 und 1937 vollendet. Von ihnen schätzte er zunächst das erste, «parce qu’il traduit exactement la personnalité du jeune homme qui l’écrivit en 1917. Il a des défauts, des longueurs, mais je m’y reconnais comme dans un miroir. Comme type de meilleur travail, je citerai le Troisième, qui marque un progrès dans la concision et dans la facture.» Alle drei Quartette sind dreisätzig. Das dritte ist polyphoner und reicher an thematischer Arbeit als das zweite. Honegger hat im September 1936 zuerst den 3. Satz beendet; im Mai 1937 folgte der Mittelsatz, im Juni der Kopfsatz. Dieser steht im 6/4-Takt und wird von drei Elementen bestimmt. Zwei gehören zum ersten Thema: eine fallende Terz in langen Noten und darauf folgend eine aufsteigende Achtelreihe mit drei anschliessenden chromatischen Tönen. Ein weiteres Element, das auch rhythmisch wirkt, ist aus fünf Vierteln gebildet: vier gleichen Tönen folgt im Halbtonschritt abwärts das fünfte Viertel, beim ersten Erscheinen in Takt 21 h-h-h-h-ais. Dieses Motiv wird auch variiert, etwa in Takt 68: vier Mal c, jeweils eine Oktave absteigend, dann der Halbtonschritt auf h. Der Satzschluss ist aus diesen – nun leicht variierten – drei Elementen gebildet. Die Tonsprache des Satzes ist weitgehend herb. Der 2. Satz beginnt mit vier Takten, dessen lange Töne jeweils von «Girlanden» (sul tasto estinto = am Griffbrett, kaum hörbar) aus Zweiunddreissigsteln verbunden werden. In den folgenden vier Takten wird die Grundlage für eine Variationenfolge in der Art einer Chaconne gelegt, doch wird diese Basis später aufgelöst. Sechs Takte vor dem Ende kehren die vier Anfangstakte mit den «Girlanden» einen halben Ton tiefer zurück, bevor eine zweitaktige Coda den Schluss bildet. Der Schlusssatz beginnt pizzicato mit Vierteln im Cello solo. Allmählich setzen die übrigen Instrumente einige Noten dazu, bis nach 20 Takten alle vier Instrumente unisono das Thema in Achteln fortissimo übernehmen. Mit diesem Motiv endet unisono auch der Satz.

Der Basler Klarinettist Eduard Brunner ist von 1960 bis 1994 zehnmal in unseren Konzerten aufgetreten. Für die Schweizer Erstaufführung des Quintetts von Jean Françaix mit dem Berner Streichquartett am 9. Januar 1979 hat er, der auch Auftraggeber und Widmungsträger war, für die Kammermusik Basel den folgenden Programmtext verfasst.

Jean Françaix, geboren 1912 in Le Mans, gilt als einer der typischen Vertreter französischer Musik. Ausgebildet von Nadia Boulanger, findet er schon sehr jung seine eigene musikalische Sprache und Ausdrucksweise, der er auch bis zuletzt treu geblieben ist. Sie basiert auf einer fundamentalen Kenntnis sowohl der grossen klassischen Vorbilder, sowohl der deutschen als auch vor allem der französischen Musik, sowie des Kontrapunktes und Generalbasses. Die beiden für ihn wichtigsten Komponisten, was die Stilbildung betrifft, sind Ravel und Strawinsky. Seine Musik zeichnet sich durch enorme Klarheit, Witz und Ironie, aber auch zarteste melodische Empfindung aus. Sie will im besten Sinn unterhalten, erfreuen und erheitern.

Das Klarinetten-Quintett ist auf Anregung und im Auftrag von Eduard Brunner geschrieben worden und ihm auch gewidmet. Im grossen kammermusikalischen Schaffen von Jean Françaix nimmt es eine besondere Stellung ein: Es ist das erste Werk für diese Besetzung. Bis anhin waren Bläser- und Streicher-Kammermusik immer scharf getrennt.

Das sehr durchdachte und raffiniert komponierte Werk beginnt mit einer zarten Adagio-Einleitung, in der der Kern des gesamten thematischen Materials vorgestellt wird. Der erste Satz, Allegro, bringt nun den Kopf des Themas sehr ironisch witzig zurechtgebogen, kontrapunktisch reich ausgestattet. Dann folgt ein sehr lyrisches zweites Thema. Der Mittelteil, eine vergleichsweise sehr kurze Episode, bringt immer nur Bruchstücke des Materials und führt in eine stark verkürzte Reprise. Die kurze Coda dient zugleich als Überleitung zum zweiten Satz, einem äusserst brillanten Scherzo, unterbrochen von einem walzerartigen Trio. Der dritte Satz, Grave, beginnt mit einem Viola-Solo – einer Quasi-Einleitung zu einem grossen Wechselgesang zwischen Violine und Klarinette von äusserster Zartheit. Die Form ist eine schlichte dreiteilige Liedform. Dann folgt als vierter Satz ein raffiniert gearbeitetes virtuoses Rondo mit Einfällen aus der französischen Chansonszene und Music-Hall, ohne aber im geringsten trivial zu werden. Kurz vor Schluss hat die Klarinette eine grosse Kadenz, wo nochmals Material aus dem ganzen Quintett in Erinnerung gerufen wird. Sie ist wohl als «Geschenk» an den Auftraggeber gedacht. Mit fünf Pianissimo-Takten schliesst dieses Werk, das eine grosse Bereicherung für die Klarinetten-Literatur darstellt.

Die Klarinette war ein Lieblingsinstrument der Klassik und der (frühen) Romantik. In Deutschland steht neben Spohr der zwei Jahre jüngere Weber im Vordergrund. Er hat zwei Klarinettenkonzerte, ein Concertino, ein Grand Duo sowie Variationen mit Klavier und das Quintett komponiert. Dieses war erst einmal, 1949, in unseren Konzerten zu hören – warum? Liegt es an der oft virtuos brillierenden Klarinette? 1811 hatte Weber den damals bedeutendsten Klarinettisten Heinrich Baermann kennengelernt und seine Klarinettenwerke für ihn komponiert. Doch nutzte Weber nicht nur die virtuose Seite der Klarinette, sondern setzte genauso ihre lyrischen Möglichkeiten und klangliche Vielfalt ein. Natürlich steht sie im Vordergrund und darf auch oft die Leichtigkeit ihrer Läufe und Figurationen zeigen. Weber nutzt das Werk nicht für grosse kontrapunktische Entwicklungen, bringt aber immer wieder interessante Verknüpfungen von Themen und Motiven, so etwa in den Durchführungen. Vier Jahre (1811-15) hat er am Quintett gearbeitet, und dabei ging es ihm, wie er an Hans Georg Nägeli schrieb, darum, dass «in der grössten Mannichfaltigkeit immer die Einheit ... hervorleuchte», und zwar weniger im Motivischen als im Charakter. Es ist nicht nötig, hier die einzelnen Sätze zu beschreiben. Sie wirken aus sich heraus im Zusammenklang von Blasinstrument und Streichern. Am stärksten tritt die Virtuosität der Klarinette im Finale hervor, wo die Streicher häufig auf die Grundierung ihrer Stimme reduziert sind. Dies zeigt sich auffällig in der rhythmischen Form des Galoppierens, die immer wieder aufscheint. In der Coda überlassen die Streicher der Klarinette fast vollständig das Auskosten ihrer virtuosen und klanglichen Möglichkeiten.

Enjoy chamber music live!
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