Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

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Konzert-Details

939

27.11.2018, 19:30 Uhr ( 93. Saison Abo 5 )
Oekolampad Basel

Cuarteto Quiroga (Madrid)

Hevia, Aitor, Violine 1
Sierra, Cibrán, Violine 2
Puchades, Josep, Viola
Poggio, Helena, Violoncello

Das Cuarteto Quiroga nennt sich nach dem im galicischen Pontevedra geborenen bedeutenden Geiger Manuel Quiroga (1892-1961), dessen Karriere, nachdem er 1937 in New York von einem Lastwagen angefahren worden war, wegen einer Behinderung und späteren Lähmung eines Armes beendet wurde. Das Quartett hat nach seiner Gründung 2004 bei Rainer Schmidt in Madrid und Walter Levin in Basel sowie bei Hatto Beyerle studiert. Es war Gewinner mehrerer bedeutender Quartettwettbewerbe (u. a. Bordeaux, Paolo Borciani, Genf) und ist in den wichtigsten Konzertsälen und bei den grossen Festivals in Europa und Amerika aufgetreten. Im Juni 2014 gestaltete es sechs Konzerte im Auditorio Nacional de Madrid mit dem op. 20 von Haydn, den sechs «Haydn-Quartetten» Mozarts und dem Gesamtwerk für Streichquartett von György Kurtág. Das Cuarteto Quiroga ist Quartet-in-Residence an der Fundación Museo Cerralbo in Madrid, seinem künstlerischem Sitz. Es arbeitet mit Musikern wie Valentin Erben, Javier Perianes, Vladimir Mendelssohn oder Jeremy Menuhin sowie mit Choreographen, Dramaturgen und Schauspielern zusammen. Bereits für seine erste CD «Statements» bei Cobra Records mit Werken von Haydn, Webern und Giovanni Sollima erhielt es 2012 einen Preis. Weitere Aufnahmen galten Frühwerken von Schönberg, Berg und Webern, den Brahms-Quartetten op. 51 sowie den Klavierquintetten von Turina und Granados mit Javier Perianes.

Joseph Eybler
1765-1846

Streichquartett D-dur, op. 1/1

Joseph Haydn
1732-1809

Streichquartett Nr. 72, C-dur, op. 74, Nr. 1, Hob. III:72 (1793)

Allegro (moderato)
Andantino (grazioso)
Menuetto: Allegro – Trio
Finale: Vivace

Ludwig van Beethoven
1770-1827

Streichquartett Nr. 5, A-dur, op. 18, Nr. 5 (1798/99)

Allegro
Menuetto
Andante cantabile
Allegro

(zu Beethoven, Streichquartett Nr. 5, A-dur, op. 18, Nr. 5)

Wenn wir Beethovens Verhalten und seine Äusserung gegenüber Karl Amenda, das F-Dur Quartett in der Urfassung nicht weiterzugeben, richtig interpretieren, dürfen wir die Quartette Nr. 4 bis 6 als den entscheidenden Schritt vom Quartett des späten 18. zu dem des frühen 19. Jahrhunderts ansehen. Beethoven hat die ersten drei Quartette im Jahre 1800 revidiert. Dies zeigt, dass er selbst von der ersten zur zweiten Dreiergruppe einen qualitativen Fortschritt sah, der ihn nötigte, die ersten Werke dem neuen Standard anzupassen. So sind auch diese drei Quartette, zumindest in einzelnen Sätzen (vor allem beim F-dur-Quartett die beiden ersten) zu neuartigen Kompositionen geworden. Natürlich stehen auch die Nummern 4 bis 6 noch in der Tradition; der eigentliche Bruch mit dem 18. Jahrhundert wird sechs Jahre später - dafür umso radikaler - mit den Rasumowsky-Quartetten op. 59 erfolgen.

Für das 5. Quartett in A-dur hat sich Beethoven bis in die Satzbezeichnungen hinein ein eindeutiges Vorbild genommen: Mozarts KV 464 in der gleichen Tonart, dessen Finale er eigenhändig kopiert hat. Beide Male steht das Menuett an zweiter Stelle, beide Male ist der langsame Satz ein Variationen-Andante, welches das Herzstück des Werks bildet. Aber man darf nicht von Nachahmung sprechen. Was Beethoven in diesem hellsten seiner Quartette mit allen Anklängen, übrigens auch an eigene Werke, macht, ist doch auch schon die Entwicklung einer neuen, eigenen Tonsprache.

(zu Haydn, Streichquartett Nr. 72, C-dur, op. 74, Nr. 1, Hob. III:72)

Am 12. Februar 1797, am Geburtstag des deutschen Kaisers Franz II. (ab 1806 als Franz I. noch Kaiser Österreichs), erklang im Wiener Nationaltheater erstmals jene Melodie Haydns, welche seine beliebteste werden sollte: das Kaiserlied (Text von Lorenz Leopold Haschka). Es wurde mit neuem Text von Johann Gabriel Seidl zur österreichischen Nationalhymne (bis 1918); seit 1922 ist es mit Hoffmann von Fallerslebens Text von 1841 die deutsche. Die Idee für eine derartige Hymne hatte Haydn in England erhalten. Er hat sie bis zu seinem Lebensende täglich auf dem Klavier gespielt. Das «Kaiserquartett» trägt seinen Beinamen aufgrund dieses Themas, das als Cantus firmus variiert, d.h. umspielt wird, darf aber auch in den übrigen Teilen als kaiserlich gelten. Es strahlt generell Glanz und Monumentalität aus und ist das sinfonischste der sechs Quartette op. 76. Die Themen der übrigen Sätze weisen eine gewisse Verwandtschaft mit der Kaiserhymne auf, die somit als Kern des ganzen Werkes gelten darf. Der Kopfsatz bereitet den Variationensatz vor, das robust-simple Menuett ist ein kräftiger Tanz, unterbrochen von einem Trio in sanftem a-moll; das Finale führt von unruhigem c-moll über verschiedene Zwischenstationen (u.a. G-dur) ad astra bzw. zum Licht, d.h. zum kaiserlichen C-dur.