Kammermusik Basel | Basle Chamber Music Society

Kammermusik Basel | Basle Chamber Music Society

Kammermusik Basel | Basle Chamber Music Society

Concert details

938

13.11.2018, 19:30 Uhr ( 93. Saison Abo 7 )
Oekolampad Basel

Ariel Quartet (Cincinnati)

Gerchikov, Gershon, Violine
Kazovsky, Alexandra, Violine
Grüning, Jan, Viola
Even-Tov, Amit, Violoncello

Distinguished by its virtuosic playing and impassioned interpretations, the Ariel Quartet has earned its glowing international reputation. Formed in Israel nearly twenty years ago when its members were middle-school students, the Quartet was recently awarded the prestigious Cleveland Quartet Award. The Ariel serves as the Faculty Quartet-in-Residence at the University of Cincinnati’s College-Conservatory of Music, where they direct the rigorous chamber music program and perform their own annual series of concerts in addition to their busy touring schedule.

The group’s 2017-18 season features performances for Shriver Hall Concert Series, the Lunenburg Academy of Music Performance, and the New England Conservatory; on major series around the United States; and on tour in Israel and Europe. In the 2016-17 season, the Ariel Quartet performed the complete Beethoven cycle in Berlin, following a performance of the cycle for Napa’s Music in the Vineyards, and toured with Alon Goldstein, while 2015-16 season featured their debut at Carnegie Hall. Recent seasons included a groundbreaking Beethoven cycle performed at New York’s SubCulture that featured a midnight performance of the Grosse Fuge, and a performance featuring music by three generations of Israeli composers at the Kennedy Center in Washington, D.C.

The Ariel Quartet has collaborated with the pianist Orion Weiss; violist Roger Tapping; cellist Paul Katz; and the American, Pacifica, and Jerusalem String Quartets. The Quartet has toured with the cellist Alisa Weilerstein and has performed frequently with the legendary pianist Menahem Pressler. Additionally, the Ariel was quartet-in-residence for the Steans Music Institute at the Ravinia Festival, the Yellow Barn Music Festival, and for the Perlman Music Program, and was the Ernst Stiefel String Quartet-In-Residence at the Caramoor Festival.

Formerly the resident ensemble in the New England Conservatory’s Professional String Quartet Training Program, the Ariel has won a number of prestigious international prizes including the Cleveland Quartet Award, the Competition “Franz Schubert and Modern Music” in Graz, the Grand Prize at the 2006 Fischoff National Chamber Music Competition, and the overall Third Prize at the Banff International String Quartet Competition as well as the Székely Prize for their performance of Bartók. After that performance, the American Record Guide described the Ariel Quartet as “a consummate ensemble gifted with utter musicality and remarkable interpretive power.”

The Ariel Quartet has been mentored extensively by Itzhak Perlman, Paul Katz, Donald Weilerstein, Miriam Fried, Kim Kashkashian, and Martha Strongin Katz, among others, and spent a formative year in Switzerland for in-depth studies with Walter Levin, the founding first violinist of the LaSalle Quartet. The Quartet has received significant scholarship support for the members’ studies in the United States from the America-Israel Cultural Foundation, Dov and Rachel Gottesman, and the Legacy Heritage Fund. Most recently, they were awarded a substantial grant from The A.N. and Pearl G. Barnett Family Foundation.

Joseph Haydn
1732-1809

Streichquartett Nr. 70, D-dur, op. 71, Nr. 2, Hob. III:70 (1793)

Adagio – Allegro
Adagio
Menuet: Allegretto – Trio
Finale: Allegretto

Arnold Schönberg
1874-1951

Streichquartett D-dur (1897)

Allegro molto
Intermezzo – Andantino grazioso
Andante con moto. Variationen 1–5
Allegro

Alexander von Zemlinsky
1871-1942

Streichquartett Nr. 2, op. 15 (1910/15)

Sehr mässig–Heftig und leidenschaftlich–Moderato–Andante mosso–Allegretto–
Adagio –
Schnell – Andante – mit energischer Entschlossenheit –
Allegro molto – Langsam – Andante

Wiener Quartette – einmal anders

Zwischen zwei Konzerten des Zyklus «Wiener Klassik» steht heute ein weiterer Abend mit Wiener Quartetten auf dem Programm. Es mag überraschen, dass keiner der Komponisten des Zyklus ein gebürtiger Stadt-Wiener war, Mozart und Beethoven schon gar nicht. Eybler, Pleyel und Haydn waren Beinahe-Wiener, die aus der näheren und weiteren Umgebung stammten. Schönberg und Zemlinsky dagegen wurden in Wien geboren. Das erste Werk im heutigen Programm gehört allerdings beinahe so gut nach London wie nach Wien – auch wenn Haydn der Begründer Wiens als Quartettstadt war. Weitergeführt wurde die Tradition von Nichtwienern wie Mozart und Beethoven oder gute hundert Jahre später von Zemlinsky und Schönberg. 1791/92 war Haydn in London gewesen und hatte dafür die ersten der zwölf Londoner Sinfonien geschrieben. Die neue Erfahrung und der ungeheure Erfolg dieser Londoner Reise wirkten sich auf die Komposition der Streichquartette aus. Haydn hat in London ein Konzertleben mit grossbürgerlichem Publikum kennengelernt und überträgt die Erfahrungen, etwa durch Hereinnahme sinfonischer Elemente, auf die Kammermusik. Das gilt für die sechs 1792/93 entstandenen Quartette op. 71 und 74. Sie sind dem Grafen Anton Georg Appónyi gewidmet, wurden aber wohl im Hinblick auf den Geiger Johann Peter Salomon geschrieben, der Haydn 1791 nach dem Tod von Nikolaus Eszterházy nach London geholt hatte. Das op. 71/2 beginnt als einziges seiner Quartette mit einer langsamen Einleitung von vier Adagio-Takten, die motivisch mit dem Allegro verbunden sind. Dieses Allegro weist orchestrale Züge auf. Trotzdem fehlt Intimität nicht, schon gar nicht im lieblichen Adagio in A-dur mit seiner schönen Melodie. Das Menuett hat fast scherzohafte Züge, während sich das umfangreichere Trio mit liegenden Noten und seufzerartigen Motiven ruhiger gibt. Das Finale, eine Art Sonatensatzrondo, beginnt in gemässigtem Tempo in dreiteiliger Liedform. Der Mittelteil steht in d-moll. Nach einer Überleitung findet es zu einem raschen, virtuosen Allegro-Schlussteil.

«Wenn die Leute von mir sprechen, denken sie sofort an Schrecken, Atonalität und Komposition mit zwölf Tönen. Allgemein wird immer vergessen, dass es, bevor ich diese neuen Techniken entwickelt hatte, zwei oder drei Zeitabschnitte gab, in denen ich das technische Rüstzeug erwerben musste.» So äusserte sich Schönberg später im Rückblick auf seine Frühzeit. Eines der Werke auf dem Weg zu sich selbst, das bisher umfangreichste, war 1897 das Streichquartett in D-dur, das neben anderen Quartettversuchen stand. Schönberg war weitgehend Autodidakt – was ein Sonatensatz ist, erfuhr er erst um 1892, als Meyers Konversationslexikon beim «langerhofften Buchstaben S» angelangt war, «was mir ermöglichte, unter ‚Sonate’ zu lernen, wie der erste Satz einer Sonate aufgebaut ist». Nach Oskar Adler, unter dessen Leitung er Kammermusik spielte, war Zemlinsky Schönbergs Mentor. Er machte Verbesserungsvorschläge zum D-dur-Quartett, weshalb der 23-jährige Komponist es mehrfach umarbeitete. Zemlinsky war es auch, der im März 1898 eine nicht öffentliche Aufführung im Rahmen des Tonkünstlervereins organisierte. Die offizielle Uraufführung fand nach weiterer Überarbeitung am 20. Dezember 1898 durch das Fitzner-Quartett im Wiener Bösendorfersaal statt. Die Wiener Neue Presse schrieb: «Ein neues Streichquartett von Arnold Schönberg errang nicht nur einen ungewöhnlichen Erfolg, sondern machte auf alle anwesenden Musikfreunde den Eindruck, dass man es in seinem Autor mit einem wahrhaften Talente zu tun habe, das da sein erstes bedeutsames Wort gesprochen.» 1951 fand man das Quartett in Schönbergs Nachlass; 1966 wurde es veröffentlicht. Schönberg selbst gestand, dass das Werk unter dem Einfluss von Brahms und Dvořák entstanden sei. Stilistisch und kompositionstechnisch steht es näher bei Brahms, in der Melodie- und Themenbildung bei Dvořák. Einen Anklang an den 3. Satz von Dvořáks «Amerikanischem Quartett» kann man am Beginn des Werks hören; auch der 4. Satz klingt an Dvořák an. Der Kopfsatz ist ein regelrechter Sonatensatz. Ihm folgt ein tänzerisches Intermezzo mit gedämpften Streichern. Der langsame Satz besteht aus einer Folge von fünf Variationen, deren Thema vom Cello – Schönbergs Instrument – vorgestellt wird. Das Finale ist als Rondo angelegt und weist motivische Verbindungen zum 1. Satz auf.

Wagner und Brahms, Mahler und Schönberg, sein ehemaliger Schüler, haben auf Zemlinsky Einfluss ausgeübt. Auch bei ihm gibt es ein frühes Quartett (1893, E-dur), das aber vom Wiener Tonkünstlerverein nicht zur Aufführung angenommen wurde. Das offiziell erste Quartett (1895/96) wurde 1897, also kurz vor Schönbergs D-dur-Quartett, im Tonkünstlerverein uraufgeführt. Es steht noch im Banne von Brahms. Im gut fünfzehn Jahre später entstandenen zweiten Quartett ist dann Schönbergs Einfluss unverkennbar, auch wenn Zemlinskys Tonsprache eigenständig ist. Im Aufbau war offensichtlich Schönbergs 1. Quartett op. 7 (1905) das Vorbild im Versuch, die vier traditionellen Sätze als eine Art grossen, übergreifenden Sonatensatz zu gestalten. Auch Verklärte Nacht (1899), besonders im Schlussteil, und das 2. Quartett von 1907/08 sowie Bergs op. 3 (1911/13) haben Zemlinsky angeregt. Und doch ist etwas Eigenes entstanden, gerade in der Form. Das Quartett ist eigentlich viersätzig, allerdings ohne Unterbruch zu spielen. Die Teile erhalten aber mehr Eigenständigkeit als bei Schönberg. Gleichwohl ist es beim Hören nicht einfach, die Sätze mit den zahlreichen Zwischenepisoden eindeutig voneinander abzugrenzen, obwohl Zemlinsky jedem Hauptteil das Motto voranstellt, das er zu Beginn präsentiert. Es trägt im Kern die Motive für die jeweiligen Hauptthemen in sich. Es besteht aus Sekund + Terz (= Quart) d – e – g mit bestätigender Wiederholung des Sekundschritts im zweiten Takt. Im Gegensatz zu Schönbergs 1. Quartett, wo die vier Sätze zu einem riesigen Sonatensatz verbunden sind, erinnert Zemlinskys Gestaltung «eher an die Rondoform, in der ein Hauptsatz mit verschiedenen kontrastierenden Episoden abwechselt. Allerdings verlagert Zemlinsky die Gewichtung auf die Formteile (Horst Weber)». Schönberg, inzwischen Zemlinskys Freund und Schwager und zudem Widmungsträger des Quartetts, dankte dem Komponisten im November 1916 mit aufrichtiger Freude: «Ich ... bin wirklich ganz begeistert.» Bewunderung fand er vor allem «für den herrlichen Schluss, den Anfang des unheimlichen Scherzos und des Adagios. Ich werde das natürlich oft vornehmen, bis ich es ganz vor mir habe...» und begann sogleich mit einer Bearbeitung für zwei Klaviere. In einer Art Parallele zu heute hat das Artis Quartett Wien fast auf den Tag genau vor dreissig Jahren am 8. November 1988 nach der ersten Aufführung des Zemlinsky-Quartetts in unseren Konzerten das Intermezzo aus Schönbergs D-dur-Quartett als Zugabe gespielt.