Concerts Season 2005-2006

  • 6.12.2005
  • 20.15
  • 80.Season
  • Zyklus B
Stadtcasino, Hans Huber-Saal

Artemis Quartett (Berlin)

„The interpretation of Artemis Quartet is not only technically on a par with the most virtuosic of their competitors – but it offers as well a higher musical intensity than all the others!“

Joachim Kaiser, Süddeutsche Zeitung

Berlin based Artemis Quartet was founded in 1989 at the University of Music Lübeck and is counted among the foremost worldwide quartet formations today. Important mentors have been Walter Levin, Alfred Brendel, the Alban Berg Quartet, the Juilliard Quartet and the Emerson Quartet.

Being awarded the first place in ARD competition in 1996 and six months later at ‚Premio Borciani’, made the quartet internationally successful. Yet the four initially followed an invitation of the Institute for Advanced Study Berlin in order to enhance their studies as an ensemble and to broaden them in an interdisciplinary exchange with renowned academics.

Artemis Quartet gives concerts for all great musical centres and international festivals in Europe, the United States, Asia, South America and Australia. Since 2004 the ensemble creates own cycles at the chamber music hall of Berlin Philharmonie, since 2011 at Wiener Konzerthaus (together with Belcea Quartet) and with the beginning of season 2016/2017 at Prince Regent Theatre Munich.

From the beginning the collaboration with musical colleagues has been a major inspiration for the ensemble. Thus, Artemis Quartet has toured with notable musicians such as Sabine Meyer, Elisabeth Leonskaja, Juliane Banse and Jörg Widmann. Various recordings document the artistic cooperation with several partners, for example the piano quintets by Schuhmann and Brahms with Leif Ove Andsnes, the Schubert quintet with Truls Mørk or Arnold Schönberg’s ’Verklärte Nacht’ with Thomas Kakuska and Valentin Erben from Alban Berg Quartet.

Since 2005 the Artemis Quartet exclusively records for Virgin, today Erato and can by now look back on a large discography. Their recordings have been repeatedly awarded the ’The German Record Critic’s Award’, the ’Gramophone Award’, the ’Diapason d’Or’ as well as the ’ECHO Klassik’. The entire recording of Beethoven’s quartets for strings was honoured with the important french ’Grand Prix de l’Académie Charles Cros’ in 2011.

Most recently released was a recording of creations of Mendelssohn-Bartholdy in 2014 (ECHO Klassik) as well as – dedicated to Friedemann Weigle – the recording of Brahm’s quartets op. 51/1 and op. 67 in fall 2015 (The German Record Critic’s Award).

Not least to increase the awareness for what is new in the field of established music, the examination of contemporary music is always a significant part of the artistic work of the ensemble. Composers such as Mauricio Sotelo (2004), Jörg Widmann (2006), and Thomas Larcher (2008) wrote creations for Artemis Quartet. In 2014 a concert for strings and orchestra by Daniel Schnyder premiered in Frankfurt. The musicians launched their own contest for musical composition in 2015. Eduard Demetz was nominated the awardee in November 2015 and his string quartet Nr. 2 will receive its premiere in Berlin in the first half of 2016.

Besides their practice in concerts, the four musicians teach as professors at University of the Arts Berlin and Chapelle Musicale Reine Elisabeth in Brussels.

After the tragic death of Friedemann Weigle in July 2015 Artemis Quartet restructured itself in the beginning of 2016 with Anthea Kreston at the second violin. Gregor Sigl took the position of the viola.

Mozart hat nach der lunga, e laboriosa fatica der «Haydn-Quartette» nur noch einmal zu einem Zyklus von sechs Quartetten angesetzt. Voller Hoffnung wollte er sie für Seine Mayestätt dem König in Preussen schreiben, doch wurde der Plan nie Wirklichkeit. Die Widmung kam nicht zustande, und es blieb bei drei Quartetten. Am 12. Juni 1790, wohl kurz nach Vollendung von KV 590, schrieb Mozart an Puchberg: Nun bin ich gezwungen meine Quartetten (diese mühsame Arbeit) um ein Spottgeld herzugeben, nur um in meinen Umständen Geld in die Hände zu bekommen. Daraus ist zu entnehmen, dass Mozart die Komposition von Quartetten generell schwer fiel, er also nicht einmal in Geldnot noch rasch eine Sechserfolge komplettieren konnte, obwohl die drei «Preussischen» einfacher sind als die «Haydn-Quartette». Das Werk gipfelt nach einem durch seine ungeraden Taktperioden spannenden Menuett in einem Finale, das wie eine Huldigung an Haydn wirkt. Es geht aber in seiner kühnen Kontrapunktik und im schroffen Nebeneinander der Tonarten über jenen hinaus.
Ligeti hat sein erstes Streichquartett lange Jahre zurückgezogen und erst 1970, nach der Entstehung des 2. Quartetts von 1968, wieder akzeptiert. Dabei hatte es sich um das wichtigste Werk seiner ungarischen Schaffensphase gehandelt. Mit dem Bezug auf Bartók (vor allem auf dessen 4. Quartett) und auf Alban Berg (Lyrische Suite) war an eine Aufführung im damaligen Ungarn nicht zu denken gewesen. Erst nachdem Ligeti 1956 Ungarn verlassen hatte, kam es 1958 in Wien zur Uraufführung. Das einsätzige, in zwölf kurze Unterabschnitte gegliederte Werk (manchmal wirken die Wechsel wie Filmschnitte) erwächst aus einer Keimzelle von vier Tönen, zwei aufsteigenden Sekundschritten (c - d / cis - dis), die ihrerseits durch eine kleine Sekunde getrennt werden. So begegnen sich in dieser typischen Formel Bartóks diatonische und chromatische Tonschritte. Das Motiv taucht mehrfach auf und wird für das gesamte Stück durch dauernde Veränderung und Umformung (métamorphoses!) zur Grundlage von „Variationen“, die jedoch nichts mit der gängigen Variationenform zu tun haben. Verschiedene Charaktere, sogar ein Tempo di Valse, folgen ohne Unterbruch. Rasche Bewegung bis hin zu Motorik wird viermal von langsamen Teilen aufgehalten. Die Klangsprache wirkt oft orchestral: Cluster und Glissandi und andere Mittel à la Bartók oder Berg prägen das Klangbild. Ligeti äusserte sich in einem Programmtext zum 1. Quartetts, man solle „nicht den Ligeti-Stil erwarten; mein eigentlicher Stil begann ... um 1958, und das Quartett aus den Jahren 1953-54 ist im Stil noch Vor-Ligeti. Bestimmt erscheinen schon einige Merkmale meiner späteren Musik, doch die ganze Faktur ist anders, ‚altmodisch’, es gibt noch deutliche melodische, rhythmische und harmonische Gebilde und Taktmetrik. Es handelt sich nicht um tonale Musik, doch eine radikale Atonalität ist auch nicht vorhanden. Das Stück gehört noch stark zur Bartók-Tradition.“
Schuberts a-moll-Quartett sei, so äusserte sich dessen Freund, der Maler Moritz von Schwind, «im ganzen sehr weich, aber von der Art, dass einem Melodie bleibt wie von Liedern, ganz Empfindung». In der Tat klingen in diesem ersten vollgültigen Quartett nach dem grossen Entwicklungsschub im Instrumentalen der Jahre 1822–24 Lieder an: Im 1. Satz, der ganz «weich» zwischen der Unruhe der Begleitfiguren und der Ruhe der Kantilene schwankt, das (für Schuberts kurzes Leben lange) zehn Jahre ältere Gretchen-Lied «Meine Ruh ist hin» (D 118). Im so gar nicht tanzhaften Menuett erklingt im Cello ein Motiv, das an den Beginn des Schiller-Liedes «Die Götter Griechenlands» (D 677, 1819) erinnert, das A-dur-Trio zitiert daraus die Melodie zum Text «Kehre wieder, holdes Blütenalter der Natur». Im zweiten Satz verwendet Schubert 16 Takte lang – im Gegensatz zum zeitgleich geplanten d-moll-Schwesterwerk – kein Lied; er schreibt auch keine Variationen zum Thema des 2. Entre-Act aus der Schauspielmusik zu «Rosamunde» (das holt er im B-dur-Impromptu D 935/3 nach). Es dient im Schauspiel dem nachdenklichen Zurückblicken – und so empfinden wir alle Zitate und Anklänge im ganzen Quartett. Auch die ungarisierenden alla zingarese-Anklänge im Finale könnten diese Funktion haben. Es ist also nicht, wie man lange glaubte, Schuberts Unfähigkeit, unabhängig von Liedern zu komponieren, vielmehr ein gezieltes, in der entscheidenden Phase der Neuorientierung reflektierendes Zurückblicken.

Wolfgang Amadeus Mozart 1756-1791

Streichquartett Nr. 22, B-dur, KV 589 (1790)
Allegro
Larghetto
Menuetto: Moderato – Trio
Allegro assai

György Ligeti 1923-2006

Streichquartett Nr. 1 «Métamorphoses Nocturnes» (1953/54)
1. Allegro grazioso
2. Vivace, capriccioso
3. Adagio, mesto
4. Presto
5. Prestissimo
6. Andante tranquillo
7. Tempo di Valse, moderato, con eleganza, un poco capriccioso
8. Subito prestissimo
9. Allegretto, un poco gioviale
10. Prestissimo
11. Ad libitum, senza misura
12. Lento

Franz Schubert 1797-1828

Streichquartett Nr. 13, a-moll, op. 29, D 804 «Rosamunde» (1824)
Allegro ma non troppo
Andante
Menuetto: Allegretto – Trio
Allegro moderato