Kammermusik Basel

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Konzert-Details

649

9.3.1993, 20:15 Uhr ( 67. Saison Zyklus A )
Stadtcasino, Festsaal

Isabelle van Keulen, Dmitri Ferschtman, Ronald Brautigam (Niederlande)

van Keulen, Isabelle, Violine und Viola
Ferschtman, Dmitri, Violoncello
Brautigam, Ronald, Klavier

Dmitrij Schostakowitsch
1906-1975

Sonate für Violine und Klavier, op. 134 (1968)

Andante
Allegretto
Largo – Andante

Klaviertrio Nr. 2, e-moll, op. 67 (1944)

Andante – Moderato
Allegro non troppo
Largo
Allegretto – Adagio

Sonate für Viola und Klavier, op. 147 (1975)

Moderato
Allegretto
Adagio

(zu Schostakowitsch, Klaviertrio Nr. 2, e-moll, op. 67)

Das 2. Klaviertrio Schostakowitschs steht zeitlich genau zwischen dem ersten und den Blok-Romanzen, zwei Werken, die im 1. Konzert dieses Zyklus zu hören waren. Es entstand im Andenken an einen kurz zuvor verstorbenen Freund, den Musik- und Literaturwissenschaftler Iwan Sollertinski, und reiht sich so in die Tradition des Trio élégiaque (Tschaikowsky, Rachmaninow u.a.) ein. Neben der Trauer um den Freund spielen Not und Elend der Kriegszeit hinein. Laut I. Martynow ist „das Trio wahrscheinlich das Allertragischste im Schaffen Schostakowitschs“. Die Verwendung eines Themas aus der jüdischen Volksmusik im Finale deutet wohl darauf hin, dass auch die Trauer über die Ermordung der Juden durch Hitler und Stalin zum Ausdruck kommen soll. Wohl darum nimmt Schostakowitsch das Thema im 8. Streichquartett von 1960, „den Opfern des Faschismus und des Krieges gewidmet“, wieder auf. Das Cello eröffnet das Werk mit fahlen Flageolett-Tönen; der elegische Gedanke wird von der Violine kanonartig aufgegriffen. Das 2. Thema wirkt nur vordergründig heller. Im gerade drei Minuten langen Scherzo in Fis-dur dominiert zwar die Energie, allerdings nicht heiter, sondern bedrohlich. Die Totenklage folgt im Largo als Passacaglia über ein achttaktiges Thema, das vom Klavier mit schweren Akkorden exponiert wird. Der makabre Totentanz des Finale verklingt leise in einer Kombination des Totentanzmotivs und der Akkorde des Passacaglia-Beginns.

(zu Schostakowitsch, Sonate für Violine und Klavier, op. 134)

Die triptychonartige Violinsonate hat Schostakowitsch für David Oistrach geschrieben, der bereits das 1. Violinkonzert uraufgeführt hatte. Er hat sie nicht als eigentliche Trauermusik konzipiert. Das Andante beruht auf einer Zwölftonreihe, ohne allerdings Zwölftonmusik im strengen Sinn zu sein. Im kürzeren zweiten Satz, einem verzerrten Marsch, kommt die ironisch-sarkastische Seite zum Zug, eingebettet in geradezu sinfonische Dynamik und Dramatik. Der längste Satz, in sich wieder eine Art Triptychon, nimmt seinen Ausgang in einem Largo, das als Basis für eine passacagliaartige Variationenreihe dient. Die Zwölftonreihe des Kopfsatzes wird wieder aufgegriffen und das Eingangs-Largo kehrt wieder. Am Ende zitiert Schostakowitsch den ersten Takt aus Bergs Violinkonzert, sei es als Reverenz gegenüber Berg oder als bewusstes Aufgreifen einer Musik der Trauer.