Concerts Season 1966-1967

  • 15.11.1966
  • 20:15
  • 41.Season
Stadtcasino, Festsaal

LaSalle Quartet (Cincinnati)

Henry Purcell galt bereits zu Lebzeiten als führender englischer Komponist und erhielt den Ehrentitel «Orpheus Britannicus». Die meisten seiner Werke sind vokal: Hymnen, Anthems, Oden, Lieder und Bühnenwerke; neben der Oper «Dido and Aeneas» (1689) stehen Mischformen wie Semi-Operas (King Arthur, The Fairy Queen) und Masques. Absolute Instrumentalmusik dagegen ist eher selten. Es sind vor allem Kammermusikwerke wie die Sonata’s of III parts (1683) und in four parts (erschienen 1697) sowie die 1678 bis 1680 komponierten drei- und vierstimmigen Fantazias für Gambenensemble. In dieses Umfeld gehört auch die berühmte Chacony in g-moll. Genau datierbar sind die neun vierstimmigen Fantasien, welche zwischen dem 10. Juni und 31. August 1680 entstanden sind, deren Stimmen sich leicht auf ein heutiges Streichquartett übertragen lassen. Entstanden ist die oft als «Fancy» bezeichnete Gattung im England des ausgehenden 16. Jahrhunderts als Übertragung vokaler Motetten auf Streichinstrumente. Daraus entwickelte sich instrumentale Kammermusik. Purcells Fantasien sind aber bereits die letzten Vertreter, da sich auch in England die Sonaten mit Basso continuo durchsetzten.
Die drei Opera 132, 130 (inkl. op. 133) und 131 – dies die Entstehungsreihenfolge – weisen einige Besonderheiten und Gemeinsamkeiten auf. Als einzige Beethovenquartette gehen sie mit fünf, sechs resp. sieben Sätzen über die Viersätzigkeit hinaus. Zudem sind sie durch Motivverwandtschaft, die von einer Keimzelle aus vier Tönen in zwei gegenläufigen Halbtonschritten (dis – e / c – h) ausgeht, verbunden. Das mag beim Hören unbemerkt bleiben, doch zeigt die Analyse die geheime Klammer auf. Im cis-moll-Quartett tritt das Motiv zu Beginn der Fuge in den Tönen zwei bis fünf (his – cis / a – gis) auf. Hatte die Originalfassung des op. 130 mit einer Fuge geendet (so am 19.10.1999 zu hören), so beginnt op. 131 ebenfalls mit einer solchen, wenn sie auch keine „Grosse“ und keine so schwierige ist. Einheitlich geschlossen wirkt das „wohl Schwermütigste, was je in Tönen ausgesagt worden ist“, wie sich Richard Wagner ausgedrückt hat. Der 2. Satz im 6/8-Takt übernimmt den Oktavsprung vom Ende der Fuge einen Halbton höher, der improvisationsartig wirkende 3. Satz reduziert ihn auf die Quinte. Mit nur elf Takten, von denen die letzten vier Adagio zu spielen sind, bildet er die Überleitung zum Werkzentrum, der umfangreichen tiefgründigen Variationenfolge. Der fünfteilige 5. Satz ist ein Scherzo mit Trio im Schema ABABA. Nach der teilweise sul ponticello zu spielenden Coda geht erattacca in ein 28-taktiges Adagio über. Es ist zwar selbständig gehalten, bildet aber eine Art langsame Einleitung zum Finale. Hier ist am Beginn mit den Tönen gis – a / cis – his wieder das Grundmotiv fassbar. Mit drei heftigen fortissimo-Akkorden endet das komplexeste der Beethoven-Quartette.

Henry Purcell 1658-1695

4 Vierstimmige Fantasien für Saiteninstrumente (1680)

Anton Webern 1883-1945

Streichquartett, op. post., M. 79 (1905)
In einem Satz

Ludwig van Beethoven 1770-1827

Streichquartett Nr. 14, cis-moll, op. 131 (1826)
Adagio ma non troppo e molto espressivo
Allegro molto vivace –
Allegro moderato / Adagio / Più vivace –
Andante ma non troppo e molto cantabile –
Presto –
Adagio quasi un poco andante –
Allegro