Das Quatuor Danel wurde 1991 von vier französischen Musikern in Brüssel gegründet. Es konnte sehr bald vom Unterricht und der Förderung bedeutender Musiker, etwa vom Amadeus Quartett, Borodin Quartett oder Walter Levin, profitieren. Es war Sieger in bedeutenden Wettbewerben, erhielt weitere Auszeichnungen und tritt weltweit in den bedeutendsten Konzertsälen bei den wichtigsten Veranstaltern und Festivals auf. Neben dem klassischen Repertoire spielt es häufig Werke der neusten Zeit. Dabei arbeitet es eng mit Komponisten wie Wolfgang Rihm, Helmut Lachenmann, Sofia Gubaidulina, Pascal Dusapin, Jörg Widmann oder Bruno Mantovani zusammen. Das Quatuor Danel war im März 2008 in unseren Konzerten zu Gast und spielte damals Haydn op. 50/1, Dusapin Nr. 5 und Beethoven op. 131. Es liegen zahlreiche Einspielungen bekannter sowie seltener aufgenommener Werke vor. Im heutigen Zusammenhang dürften die gerühmten Gesamtaufnahmen der Quartette von Schostakowitsch (2004/05) und Weinberg (2006-2009, erste und bisher einzige Gesamtaufnahme) Beachtung verdienen. Für den Cellisten Guy Danel ist 2014 der in Frankreich geborene und ausgebildete Yovan Markovitch, zuvor u. a. Mitglied des Quatuor Ysaÿe, ins Quatuor Danel eingetreten. Im Oktober 2019 hat das Quartett in Hamburg (Elbphilharmonie, Kleiner Saal) aus Anlass des 100. Geburtstags des Komponisten an einem verlängerten Wochenende sämtliche Quartette Weinbergs aufgeführt. Auf seiner Tournee 2020 spielt das Quatuor Danel sämtliche Quartette von Beethoven, Schostakowitsch und Weinberg.
Prokofjews Streichquartette bilden nicht das Zentrum seines Schaffens und sind beinahe Zufallsprodukte. Das erste entstand in Paris im Auftrag der Library of Congress in Washington, wo es am 1931 uraufgeführt wurde. Der Komponist schrieb es nach Studien der Quartette Beethovens. So erklärt sich seiner Aussage auch irgendwie die ‚klassische’ Haltung des ersten Satzes. Man merkt dies an der imitatorischen Durchführungstechnik. Hier sind auch Vorklänge auf das später entstandene Ballett Romeo und Julia zu hören. In der Gesamtanlage weicht das Quartett mit dem aus einer langsamen Einleitung, die das Thema des Finales vorwegnimmt, und einem raschen Rondo bestehenden zweiten Satz und einem langsamen Finale deutlich von klassischen Vorbildern ab. Das lange Finale, das Prokofjew für den wichtigsten Satz des Werkes hielt, bearbeitete er auch für Klavier.
Das 11. Quartett ist dem Andenken Wassili Schirinskis gewidmet, eines Jugendfreunds, der auch als langjähriger 2. Geiger im Beethoven-Quartett (es hatte bis dahin alle Quartette Schostakowitschs ausser dem ersten uraufgeführt) mit dem Komponisten eng verbunden war. Es ist kein umfangreiches und heroisches Trauerstück geworden, sondern bildet in originell aphoristischer Suitenform eine Huldigung an den vielseitigen Musiker Schirinski. Die kurzen, attacca ineinander übergehenden Stücke enden jeweils morendo im Pianissimo. Natürlich ist die Elegie Trauermusik, aber auch andere Sätze wie das Rezitativ mit seiner Choralanspielung nehmen diese Trauer auf. Wieder andere wie das durchweg leise gehaltene Scherzo, die Etüde oder die Humoreske (ein Satztitel, der in einem Werk der Trauer irritiert) spielen mit Facetten des Lebens und des Lebensendes, von Lebenssinn und Vergeblichkeit. Schostakowitsch geht von einem in der Introduktion vom Cello vorgestellten mottoartigen Motiv aus. Das Werk verzichtet auf reine Tonalität und signalisiert Schostakowitschs damaliges Interesse an anderen Kompositionstechniken: Er beginnt sich intensiv mit der Zwölfton- und Reihentechnik auseinanderzusetzen.
Die drei Opera 132, 130 (inkl. op. 133) und 131 – dies die Entstehungsreihenfolge – weisen einige Besonderheiten und Gemeinsamkeiten auf. Als einzige Beethovenquartette gehen sie mit fünf, sechs resp. sieben Sätzen über die Viersätzigkeit hinaus. Zudem sind sie durch Motivverwandtschaft, die von einer Keimzelle aus vier Tönen in zwei gegenläufigen Halbtonschritten (dis – e / c – h) ausgeht, verbunden. Das mag beim Hören unbemerkt bleiben, doch zeigt die Analyse die geheime Klammer auf. Im cis-moll-Quartett tritt das Motiv zu Beginn der Fuge in den Tönen zwei bis fünf (his – cis / a – gis) auf. Hatte die Originalfassung des op. 130 mit einer Fuge geendet (so am 19.10.1999 zu hören), so beginnt op. 131 ebenfalls mit einer solchen, wenn sie auch keine „Grosse“ und keine so schwierige ist. Einheitlich geschlossen wirkt das „wohl Schwermütigste, was je in Tönen ausgesagt worden ist“, wie sich Richard Wagner ausgedrückt hat. Der 2. Satz im 6/8-Takt übernimmt den Oktavsprung vom Ende der Fuge einen Halbton höher, der improvisationsartig wirkende 3. Satz reduziert ihn auf die Quinte. Mit nur elf Takten, von denen die letzten vier Adagio zu spielen sind, bildet er die Überleitung zum Werkzentrum, der umfangreichen tiefgründigen Variationenfolge. Der fünfteilige 5. Satz ist ein Scherzo mit Trio im Schema ABABA. Nach der teilweise sul ponticello zu spielenden Coda geht erattacca in ein 28-taktiges Adagio über. Es ist zwar selbständig gehalten, bildet aber eine Art langsame Einleitung zum Finale. Hier ist am Beginn mit den Tönen gis – a / cis – his wieder das Grundmotiv fassbar. Mit drei heftigen fortissimo-Akkorden endet das komplexeste der Beethoven-Quartette.