Concerts Season 2025-2026

  • 10.2.2026
  • 19:30
  • 100.Season
  • Abo 8
Stadtcasino Basel, Hans Huber-Saal

Konstantin Krimmel, baritone Ammiel Bushakevitz, piano

Biography available in German ▼
Konstantin Krimmel, deutsch-rumänischer Abstammung, kam das erste Mal bei seiner musikalische Ausbildung bei den St. Georgs Chorknaben in Ulm in Kontakt und die Faszination für Musik an. Mit 21 Jahren begann er sein Gesangsstudium bei Prof. Teru Yoshihara, das der Sänger 2020 mit Auszeichnung abschloss. Inzwischen wird er von Tobias Truniger in München betreut.

Schon zu Studienzeiten entwickelte Konstantin Krimmel eine besondere Liebe zum Konzert- und Lied-Repertoire, das er rasch erweiterte. Inzwischen ist er Gewinner zahlreicher Wettbewerbe, darunter der Deutsche Musikwettbewerb 2019 sowie der 1. Preis beim Internationalen Helmut Deutsch Liedwettbewerb, der 2. Preis beim Internationalen Gesangswettbewerb ‚Das Lied‘ in Heidelberg und der Gian Battista Viotti International Music Competition. Entsprechend ist der Künstler bereits national und international unterwegs. Unter anderem singt er Liederabende in der Kölner Philharmonie, an der Deutschen Oper Berlin, als auch im Konzerthaus Berlin, in der Oper Frankfurt, beim Heidelberger Frühling. Außerdem ist er zu Gast bei der Schubertíada de Vilabertran wie der Schubertiade in Schwarzenberg, in Madrid, in London (Wigmore Hall) und beim Liedfestival in Oxford.

In Jerusalem geboren, begann Ammiel Bushakevitz im Alter von vier Jahren Klavier zu spielen. Er ist in Südafrika aufgewachsen und studierte in Berlin, Leipzig und Paris. Zu seinen Lehrern zählten Philippe Entremont, Pierre-Laurent Aimard und Alfred Brendel. Als Solist und Kammermusiker tritt er bei bedeutenden Festivals auf, u.a. bei den Festivals von Luzern, Salzburg und Bayreuth, dem Heidelberger Frühling, dem Festival d’Aix-en-Provence, dem Festival Musica Classica de Montréal (Canada), dem Festival Pablo Casals (Barcelona), dem Leeds Piano Series, der Jerusalem Schubertiade, dem Festival Pontino di Latina Roma, dem Festival Pitic in Mexiko und dem Melbourne Arts Festival (Australien). Ammiel Bushakevitz bietet regelmässig Meisterklassen an und gibt in Kooperation mit dem Goethe-Institut und der Alliance Française Benefizkonzerte und Meisterkurse für humanitäre Organisationen in Äthiopien, Marokko, Mexiko und Simbabwe.

Seine besondere Vorliebe gilt dem Kunstlied. Als Pianist arbeitete er u.a. mit Sängerinnen und Sängern wie Dietrich Fischer-Dieskau, Thomas Hampson, Matthias Goerne, Robert Holl, Julia Varady, Thomas Quasthoff und Teresa Berganza.


Commentary available in German ▼
Wenn es um die Gattung des Klavierliedes geht, kommt man an Franz Schubert natürlich nicht vorbei. Über 600 Werke dieser Art zählt sein Werkverzeichnis auf. Die große Entdeckung dieser zu Schuberts Lebzeiten fast nur im privaten Rahmen aufgeführten Musik fand erst nach dem Tod des Komponisten statt, sodass diesen stets die typisch romantische Aura des Unverstandenen, Einsamen, Erfolglosen umwehte. Dabei zeigte hatte Schubert auf dem Gebiet des Liedes nicht nur grosses kompositorisches Können, sondern auch tiefes Verständnis für die dramatischen Qualitäten der zugrunde liegenden Lyrik. Vierzehn Jahre alt war Schubert, als er erstmals den Boden der Liedgattung betrat. Mit achtzehn sollte er mit der Vertonung von Goethes «Erlkönig» ein Meisterwerk vorlegen, dass jedem reifen Komponisten Ehre gemacht hätte: Er fängt darin nicht nur die schaurige Szenerie des auf einem wilden Ritt von Geisterscheinungen gequälten Knaben ein, er lässt nicht nur das Pferd in wilden Triolen dahingaloppieren, er verleiht auch allen beteiligten Personen (Sohn, Vater, Erlkönig) eigene «Stimmen». Die Modernität dieser vollkommenen Durchdringung der künstlerischer Ebenen, die alle Schubert-Lieder prägen, zeigt sich auch darin, wie der Dichter selbst darauf reagierte. Die Freunde des jungen, eher schüchternen Komponisten stellten in der Absicht, ihm zu helfen, im Jahr nach der «Erlkönig»-Entstehung 16 Goethe-Vertonungen zusammen und schickten sie in Reinschrift samt ehrerbietigem Anschreiben an den Dichterfürsten nach Weimar. Goethe sandte sie kommentarlos zurück.

Ein ganz anderes Bild öffnet sich dem musikhistorischen Blick bei Schuberts Zeitgenossen Carl Loewe. Etwa ein halbes tausend Balladen hat er vertont, im Gegensatz zu seinem in Wien hart an der Armutsgrenze schaffenden Kollegen brachte er es zu Amt und Würden, zu Erfolg und Ansehen. Selbst gekrönte Häupter seiner Zeit schätzten seine Werke. Geboren als Sohn eines Organisten im Städtchen Löbejün im heutigen Sachsen-Anhalt, wirkte er 46 Jahre lang als Musikdirektor in Stettin. Er war Kantor, Musiklehrer und Organist, interessierte sich auch für die Naturwissenschaften und erlangte sogar die Ehrendoktorwürde. Loewe sorgte für die Verbreitung seiner Balladen selbst, indem er sie - auch ein mitreissender Sänger - auf Konzertreisen vortrug und sich dabei am Klavier begleitete, wobei er als dramatischer, singender «Erzähler» das Publikum regelrecht mitriss. Seine Kunst, die er in allen deutschsprachigen Ländern, in Frankreich, England und Norwegen, darbot, brachte ihm nicht nur die Bewunderung der Prominenz seiner Zeit ein, sondern auch die eines Künstlers unserer Tage, der ebenfalls eigene Lieder am Klavier vortrug, allerdings in einem musikalischen Bereich, den man auf den ersten Blick kaum mit dem klassischen Klavierlied in Verbindung bringt: Udo Jürgens. Er war bekennender Carl-Loewe-Fan, sang dessen Lieder und war Ehrenmitglied der Carl-Loewe-Gesellschaft.

War Schubert der erste grosse Pionier des romantischen Klavierlieds, so gilt Hugo Wolf als dessen Vollender. Dabei kämpfte er sein Leben lang auch mit grösseren Formen. Neben über 300 Liedern schuf er Orchestermusik (wie die Sinfonische Dichtung «Penthesilea») und eine Oper («Der Corregidor»). «Wahrlich, mir graut schon vor meinen Liedern», schrieb er 1891, «Die schmeichelhafte Anerkennung als ‹Liederkomponist› betrübt mich in die innerste Seele. Was anders will es denn bedeuten, als eben einen Vorwurf, dass ich immer nur Lieder komponiere, dass ich doch ein kleines Genre beherrsche.» Dass er für das Lied aber geboren war, zeigt sein grosser Sinn für szenisches und deklamatorische Konzepte, die die Idee vom Gesamtkunstwerk des von Wolf hoch verehrten Kollegen Richard Wagner auf die kammermusikalische Ebene heben. Seine Kompositionen folgen nicht der vorgegebenen literarischen Form wie etwa dem regelmässigen Strophenaufbau sondern Wolf orientierte sich unter Berücksichtigung modernster harmonischer Ausdrucksmittel an der natürlichen Sprechmelodie, dem Sprachrhythmus. Der Komponist selbst hat die Stücke übrigens selbst nie als «Lieder» bezeichnet, sondern als «Gedichte für Singstimme und Klavier». Er neigte dazu, in geradezu von Besessenheit geprägten Schaffensphasen die Werke einzelner Lyriker durchzukomponieren. Im Winter 1888/1889 nahm er sich auf diese Weise Goethe vor. Den Beginn machten die drei heute zu hörenden «Harfenspieler»-Gedichte aus Goethes Roman «Wilhelm Meister». Darin zeigt sich die Rolle des ausgegrenzten leidenden Künstlers, die Wolf sicher auch als Spiegel seiner selbst auffasste. Als er nach Schulabbruch ausnahmsweise schon mit 15 Jahren das Wiener Konservatorium besuchen konnte, hielt er es dort gerade mal ein Jahr aus und entwickelte seine Fähigkeiten autodidaktisch. Schon mit 17 Jahren hatte er sich mit der Syphilis angesteckt. Die Anfälle von rauschhaften Schüben sollen darin ihren Ursprung haben.

Oliver Buslau

Carl Loewe 1796-1869

Lieder
Tom der Reimer, op. 135 (Fontane)
Herr Oluf, op.2/2 (Herder)
Der du von dem Himmel bist, op.9 H.1 Nr.3b (Goethe)
Geisterleben, op.9/4 (Uhland)
Der Totentanz, op.44/3 (Goethe)
Die Überfahrt, op.94/1 (Uhland)
Archibald Douglas, op.128 (Fontane)

Hugo Wolf 1860-1903

«Harfenspieler» (Goethe-Lieder Nr. 1-3) (1888)
Wer sich der Einsamkeit ergibt
An die Türen will ich schleichen
Wer nie sein Brot mit Tränen ass

Franz Schubert 1797-1828

«Erlkönig», D 328 (1815)
«Nachtstück», op. 36/2, D 672 (Text: Johann Mayrhofer) (1819)
«Der König in Thule», D 367 (Text: Goethe)
«Der Zwerg», D 771 (Text: Matthäus von Collin)
«Gruppe aus dem Tartarus», D 583 (Text: Schiller)
«Prometheus» (Johann Wolfgang von Goethe), D 674 (1819)