Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Werkdetails

Doppelquartett Nr. 1, d-moll, op. 65 (1823)

Louis Spohr
1784-1859
Allegro
Scherzo. Vivace
Larghetto
Finale. Allegro molto

Dauer ca: 00:25

Louis (Taufname Ludewig) Spohr war als Geigenvirtuose, Dirigent, Komponist, Organisator und Pädagoge europaweit aktiv. Sein Kammermusikoeuvre, darunter über 30 Streichquartette, ist umfangreich. Eine ihm eigene Gattung ist das Doppelquartett. Dazu hat ihn der Geiger und Komponist Andreas Romberg (1767-1821), sein Nachfolger als Konzertmeister in Gotha, angeregt, «als wir das letzte Mal vor seinem Tode Quartett spielten». Romberg schrieb damals an einem d-moll-Doppelquartett, das wegen seines Todes am 10. November 1821 unvollendet blieb. Spohr komponierte das eigene d-moll-Werk im März 1823. «Ich stellte mir die Aufgabe, wie auch er sie aufgefasst hatte, zwei Quartetten, neben einander sitzend, ein Musikstück ausführen zu lassen und das achtstimmige nur für die Hauptstellen der Komposition aufzusparen. Ich hatte die Freude zu bemerken, dass seine Wirkung weit über die der einfachen Quartetten und Quintetten hinausreichte. (...) Ein Oktett für Streichinstrumente von Mendelssohn-Bartholdy gehört nämlich einer ganz andern Kunstgattung an, in welcher die beiden Quartette nicht doppelchörig miteinander konzertieren und abwechseln, sondern alle acht Instrumente zusammen wirken.» Das Typische hört man gleich in den ersten Takten: Die ersten vier spielen die acht Spieler unisono; in Takt 5 hat das zweite Quartett ein kurzes «Solo», bevor das erste die Führung übernimmt. Nach drei weiteren Takten spielt das Quartett 2 wiederum unisono das Hauptmotiv, während die erste Violine des Quartetts 1 das Thema in anderer Tonart und rhythmisch verschoben dagegen stellt. Im Scherzo (g-moll, 6/4-Takt) wechseln staccato-Passagen mit legato zu spielenden ab. Das Trio in G-dur hat eine durchgehende rhythmische Struktur im Quartett 2, während Quartett 1 zu Beginn, jeweils auf eine Stimme reduziert, das melodiöse Element vertritt. Die Scherzowiederholung endet mit einem Rückgriff auf das Trio. In den 54 Takten des Larghetto teilen sich beide Quartette die vielfach wiederholte Melodie. Das Finale in D-dur beginnt mit einer den Satz bestimmenden abwärts geführten leisen Achtelfolge im Cello 1. Sie wird von Viertelbewegungen der Bratsche abgelöst; dazu stellt das Cello das Thema vor. Gegen Ende sind in Quartett 1 wieder die Achtelfolgen zu hören. Sie gehen in einen heftigen Aufschwung über, der über liegenden D-dur-Akkorden im Quartett 2 in die ff-Schlussakkorde mündet. Nach dem Erfolg dieses ersten schrieb Spohr 1827 bis 1847 drei weitere Doppelquartette.

Aufführungen

907 23.2.2016 Athenäum Quartett