Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Werkdetails

Streichquartett Nr. 10, Es-dur, op. post. 125, Nr. 1, D 87 (1813)

Franz Schubert
1797-1828
Allegro moderato
Scherzo: Prestissimo – Trio
Adagio
Allegro

Dauer ca: 00:24

Das Es-dur-Quartett mit der merkwürdigen Opuszahl 125/1 ist eines der bekanntesten Jugendquartette Schuberts. Noch merkwürdiger aber ist, dass man zum Teil bis ins 20. Jahrhunderts gemeint hat, das Werk sei 1824, also etwa gleichzeitig mit den Quartetten «Rosamunde» und «Tod und das Mädchen» entstanden. Vielleicht liegt der Bekanntheitsgrad des Werks – neben durchaus vorhandenen Qualitäten – auch daran. Zweifel an dieser Datierung waren bei der Gesamtausgabe (Alte Gesamtausgabe, Serie V, Streichquartette, 1890) aufgekommen. Die damals vermutete Entstehung «um 1817» (darum die Nr. 10 statt der richtigeren Nr. 7) erwies sich aber noch einmal als falsch, als das fragmentarische Autograph gefunden wurde: November 1813 ist richtig. Das Werk ist also eines der zahlreichen von Schubert für das Familienquartett geschriebenen Streichquartette, und zwar das letzte während Schuberts Zeit im Schulkonvikt, das er eben im November 1813 verliess, um sich nach dem Vorbild seines Vaters für den Beruf eines Volksschullehrers ausbilden zu lassen. Die Opuszahl kam dadurch zustande, dass die Verleger, die nach dessen Tod Werke Schuberts herausbrachten, die bereits vorhandenen Opuszahlen fortsetzten. Schubert selbst hatte noch vor seinem Tod die Opusnummern 98f., 101-105 und 108 an Werke vergeben, welche er zur Veröffentlichung vorsah. Bekannt sind etwa die nur noch geplante Opuszahl 99 (op. post.; D 898) und das noch zu Lebzeiten erschienene op. 100 (D 929) für die beiden Klaviertrios. Spätere Opuszahlen stammen nicht mehr von Schubert. Das Es-dur-Quartett erschien zusammen mit dem Quartett in E-dur D 353 von 1816 (op. 125/2) im Jahre 1830 bei Joseph Czerny in Wien. Dabei hat vermutlich der Verleger das Scherzo an die zweite Stelle gesetzt, was bei Schuberts Sinfonien, Quartetten und Klaviersonaten ganz aussergewöhnlich wäre. Der lyrische Kopfsatz verzichtet auf markante Themen und setzt sie auch nicht wirklich gegeneinander ab. Das folgende Scherzo sprüht vor Vitalität, die sich auch in äusserster Kürze bemerkbar macht. Sein Trio in c-moll gibt sich über Bordunquinten des Cellos als besinnlicher Ländler. Das sangliche Adagio – das einzige in Schuberts Quartettschaffen unter lauter Andante-Sätzen – steht überraschend ebenfalls in Es-dur; es kennt keine Ausbrüche, wie sie manchen Andante-Sätzen und erst recht dem späten Schubert eigen sind, und klingt geradezu andächtig. Überschäumende Spielfreude ist dem als Sonatensatz gestalteten Finale eigen, was grosse Wirkung tut; ein wunderbar sangliches zweites Thema setzt dazu den Kontrast.

Aufführungen

921 28.3.2017 Jubilee Quartet
844 7.12.2010 Tokyo String Quartet
693 6.5.1997 Alban Berg Quartett
600 3.5.1988 Orlando-Quartett
567 18.3.1985 Cleveland Quartet
431 27.11.1973 Melos-Quartett
318 20.11.1962 Quartetto Italiano
206 4.12.1951 Manoliu-Quartett
145 10.10.1944 Basler Streichquartett [1926-1947]