Kammermusik Basel

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Werkdetails

Bergerettes, 5 Stücke, H 275 (1939)

Poco allegro – Trio: Poco meno mosso
Allegro con brio – Trio: Poco meno mosso
Andantino – Trio: Moderato
Allegro
Moderato – Trio: Poco allegretto

Martinù gehört bereits einer Reihe späterer tschechischer Komponisten an. Romantik war für ihn kein Thema mehr, Bezüge zu tschechischer Volksmusik dagegen schon. Seine Musik wirkt manchmal «musikantisch» und ist von Rhythmik und tänzerischen Elementen geprägt. Als Kind erhielt Martinù Geigenunterricht beim Schneider seines Geburtsorts, des ostböhmischen Polièka, – mit solchem Erfolg, dass ihm seine Mitbürger ein Studium am Prager Konservatorium ermöglichten. Hier war er ab 1906 Schüler von Josef Suk. Später, 1909/10 und 1922/23, studierte er bei ihm auch Komposition. 1923 ging er nach Paris, um seine Studien bei Albert Roussel fortzusetzen. Nachdem seine Musik in der Heimat von den Nationalsozialisten verboten worden war und Paris wegen des Einmarschs der Deutschen gefährdet war, floh er 1940 über mehrere Zwischenstationen in die USA. 1953 kehrte er nach Europa zurück und lebte ab 1956 bis zu seinem Tod in der Schweiz, wo ihm Paul Sacher Gastrecht auf dem «Schönenberg» gewährte. Er hat beinahe alle Gattungen gepflegt. Die klassische Klaviertriobesetzung mit Violine und Cello bedachte er mit vier Werken: als Nr. 1 die «Cinq Pièces brèves» H 193 (1930), die «Bergerettes», das Trio Nr. 2 H 327 (1950) und Nr. 3 H 331 (1951). Gegenüber den anspruchsvollen «Cinq Pièces» geben sich die ebenfalls in Paris entstandenen «Bergerettes» («Schäferstückchen») einfacher und leichter. Formal sind drei der fünf Stücke als Scherzando bzw. als Scherzo mit einem Trio als etwas ruhigerem Mittelteil gestaltet. Das dritte kehrt, vielleicht um die Mitte des Werks zu bezeichnen, das Schnell-Langsam-Schema um und wirkt so wie das Trio für das ganze Werk. Das vierte, kürzeste Stück verzichtet auf einen Trio-Teil. Den Haupteindruck bestimmt in den schnellen Teilen des ganzen Werks die für Martinù typische Rhythmik, die mit ihren kleinteiligen Wiederholungen viel Energie freisetzt. Nicht ganz klar ist, wie Martinù auf die Bezeichnung «Bergerettes» gekommen ist. Eine Bergerette war im 15. Jahrhundert eine einstrophige Liedform, im 16. ein rascher Tanz im Dreiertakt und 18. ein Lied mit frivolem Text. Ob er damit die Nähe zu bukolischer Lockerheit und Heiterkeit andeuten wollte und das Tänzerische betonen wollte?

Aufführungen

930 16.1.2018 Smetana Trio
678 13.2.1996 Röhn-Trio