Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Werkdetails

3. Streichquartett «Grido» (2001/02)

Dauer ca: 00:24

Helmut Lachenmann wurde in Stuttgart geboren, wo er 1955-58 auch studiert hat. 1958-1960 folgten Studien bei Luigi Nono in Venedig, der ihm den Auftrag mitgab, «dort weiterzusuchen, wo er selbst aufhörte – im Inneren des Klanges». Nach diversen Lehraufträgen, u. a. Meisterklassen in Basel 1972/73, wurde er 1981 Professor für Komposition in Stuttgart. 1997 erhielt er den renommierten Ernst von Siemens Musikpreis. Am 21. Januar 2010 hat das Arditti Quartet seine drei Streichquartette (Gran Torso, Reigen seliger Geister, Grido) in einem Konzert der IGNM und der Hochschule für Musik anlässlich einer Gastprofessur Lachenmanns in Basel gespielt. Lachenmann sind Klangfarben und das Instrument als Klangerzeuger wichtig. Dies war 2010 eindrücklich am 1. Quartett von 1971/72 (rev. 1978 und 1988) zu erfahren, das stark von der Geräuschhaftigkeit seiner «Musique concrète instrumentale» bestimmt ist. Lachenmann macht alle Materialien der Instrumente zu Klangproduzenten, traktiert sie mit ungewöhnlichen Geräten (Bleistifte etc.) und ruft damit überraschende Klänge hervor. Das 3. Quartett findet eher zu «normalen» Klängen zurück. Es ist den Ardittis gewidmet (UA 2.11.2002 in Melbourne) und spielt in seinem Beinamen, der einen zunächst auf das italienische Wort für «Schrei» verweist, mit den Anfangsbuchstaben der Vornamen der damaligen Arditti-Mitglieder: Graeme Jennings, Rohan de Saram, Irvine Arditti und Dov Scheindlin. Es ist gemäss Frank Hilberg «geprägt von tonlich-klanglichem Volumen, ist runder, klassischer, orchestraler. Die klaren Tonhöhen dominieren, rasende Skalen und Arpeggien bestimmen das Spiel.» Und laut Martin Kaltenecker hat «Grido eine neue Expressivität dazugewonnen – das Land Musik wird frei besungen und gefeiert, wenn auch nie ohne reflexive Brechung oder aufweckende Störung – noch in den Choral am Ende kommt ein scharfer Riss hinein, ein Bellen, bevor die Musik zusammensackt.» Lachenmann selber sagt: «Komponieren bedeutet für mich jedes Mal, wenn schon nicht ‹ein Problem lösen›, so doch mich mit einem Trauma, angstvoll/lustvoll, auseinandersetzen und anhand solcher empfundener und angenommener kompositionstechnischer Herausforderungen eine klingende Situation verursachen, die mir selbst wenn nicht neu, so doch fremd ist, und in der ich mich verliere und so erst recht mich wiederfinde.»

Aufführungen

904 1.12.2015 Arditti Quartet