Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Werkdetails

Streichquartett Nr. 12, F-dur, op. 96, B 179 «Amerikanisches Quartett» (1893)

Allegro ma non troppo
Lento
Molto vivace
Finale: Vivace ma non troppo

Dauer ca: 00:25

Dvořáks berühmtestes Streichquartett ist mit knapp 25 Minuten Dauer sein kürzestes. 1892 hatte der Komponist den Ruf nach New York angenommen und war dort für drei Jahre Direktor des Nationalkonservatoriums geworden. Er unterrichtete zudem Komposition und Orchestrierung. Die neue Umgebung inspirierte ihn zumindest im ersten Jahr 1893 stark, denn er komponierte einige seiner bedeutendsten und beliebtesten Werke. Neben der Sinfonie «Aus der Neuen Welt» op. 95 (abgeschlossen im Mai in New York) waren dies im Sommer 1893 das heute gespielte op. 96 und das Streichquintett op. 97. Dvořák verbrachte seine Sommerferien im kleinen Spillville (Bundesstaat Iowa im mittleren Westen – die lange Zugsfahrt von 36 Stunden hat den Eisenbahnfan Dvořák natürlich nicht abgeschreckt). Hier auf dem Land fühlte er sich wohl, weit weg vom Rummel der Riesenstadt und erst noch in der Nähe der vielen tschechischen Einwanderer, die ihn dorthin eingeladen hatten. Die Skizze entstand in nur drei Tagen vom 8. bis 10. Juni, die Ausarbeitung in vierzehn vom 12. bis 25. Juni. Das populäre Werk braucht keine Erklärungen, denn der Wohlklang der schönen und eingänglichen Melodien wie auch die Rhythmen sprechen unmittelbar an. Es erheben sich höchstens einige Fragen, was denn das «Amerikanische» an diesem Stück ausmacht. Sind es wirklich Melodien, die der Komponist der Volksmusik abgelauscht hat, die er sich von Schwarzen und Indianern hat vorsingen und vortanzen lassen? Oder sind es eher einzelne melodische Besonderheiten wie die Pentatonik mit Verminderung der 7. Stufe in Moll, die Rhythmik mit ihren Synkopen oder einfach die ländliche Stimmung, bei der Anklänge an Vogelrufe nicht fehlen? Einer stammt vom schwarzflügligen roten Tanagra, den Dvořák gleich nach Ankunft auf dem Land mit Interesse gehört hatte und denn auch zitiert. Auffällig ist der Beginn des Finale, wo der Komponist über dreissig Takte einen ostinaten Rhythmus vorbereitend einsetzt, bevor er das eigentliche Thema durchbrechen lässt. Was die Verwendung von originalen Melodien betrifft, teilte Dvořák 1900 Oskar Nedbal mit: «Aber lassen Sie den Unsinn, dass ich Originalmelodien gebraucht habe, aus. Ich habe nur im Geist dieser Nationalmelodien komponiert.»

Aufführungen

901 3.11.2015 Quatuor Modigliani
824 2.2.2009 Quatuor Ysaÿe
620 1.5.1990 Alban Berg Quartett
545 8.2.1983 Academica String Quartet
417 20.3.1973 Heutling-Quartett
339 23.3.1965 Quartetto Italiano
283 3.3.1959 Amadeus-Quartett
188 17.1.1950 Manoliu-Quartett
75 5.11.1935 Kolisch-Streichquartett
37 25.11.1930 Basler Streichquartett [1926-1947]