Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Werkdetails

Streichquartett Nr. 1, A-dur, op. 2, B 8 (1862, rev. 1887)

Andante – Allegro
Andante affettuoso ed appassionato
Allegro scherzando
Finale. Allegro animato

Dauer ca: 00:27

In Dvořáks Frühwerk, insbesondere bei den Sinfonien und Streichquartetten, herrschte lange Zeit Unklarheit bezüglich Vorhandensein, Reihenfolge und Bedeutung. Bei den Quartetten waren die Nummern 2 bis 4 (wohl 1869 bis 1870, alle ohne Opuszahl, B 17-19) lange verschollen, da Dvořák die Partituren offenbar vernichtet hatte. Erst um 1960 wurden die Stimmen wieder aufgefunden und 1962-68 veröffentlicht. Mit dem Erscheinen von Jarmil Burghausers (Kürzel: B) Werkkatalog 1960 (2. Aufl. 1996) klärte sich die Situation. Eine andere Geschichte hatte das heute aufgeführte A-dur-Quartett, das seit der Entstehung als die Nummer 1 galt. Der gerade 21-jährige Dvořák hatte es ein halbes Jahr nach einem Streichquintett in a-moll op. 1 (B 7) im März 1862 komponiert, ihm die Opuszahl 2 gegeben und es seinem Lehrer Josef Krejčí gewidmet. Ob es je (offiziell) aufgeführt wurde, ist unklar. Im Gegensatz zum Quintett, an dem er nichts zu ändern fand, nahm er sich das Quartett 1887 wieder vor, da er es für unvollkommen und für zu lang hielt. Er sah aber in dem durchaus ambitionierten Stück genug Qualitäten, um es zu revidieren und zu erhalten. (Weitere Kürzungen sind, je nach aufführendem Quartett, in Tschechien bis heute üblich, sodass nicht gesagt werden kann, welche Fassung jeweils gespielt wird.) Der Kopfsatz ist ein schulmässiger Sonatensatz mit langsamer Einleitung von 38 (bzw. gekürzt 13) Takten. Er beginnt mit einem kraftvollen Thema und weist eine Menge an Detailideen auf, schafft aber keine wirkliche Einheit. Allerdings lässt sich durch Kürzungen eine konsequentere Abfolge der Gedanken herstellen. Das Adagio wirkt mit einem unerschöpflichen melodischen Fluss und findet in seiner Kantabilität durchaus zu eigenem Ton. Im kurzen Scherzo, dem wohl gelungensten Satz, bei dem es nichts zu kürzen gibt, kommen Witz und Feinheit zum Vorschein; das Trio ist dank unkonventioneller Harmonik interessant. Das ebenfalls als Sonatensatz gestaltete Finale zeigt neben kantablen Passagen den gewohnt munteren Charakter. Gegen Schluss des mit einer Stretta endenden Satzes lässt Dvořák die langsame Einleitung zum Kopfsatz anklingen und bildet so eine Klammer über das ganze Werk hinweg.

Aufführungen

903 24.11.2015 Zemlinsky Quartett