Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Werkdetails

Klaviertrio Nr. 1, H-dur, op. 8, 1. Fassung (1854)

Johannes Brahms
1833-1897
Allegro con moto
Scherzo. Allegro molto – Trio. Più lento
Adagio non troppo
Finale. Allegro molto agitato

Dauer ca: 00:41

Die erste Fassung des H-dur-Trios stammt nicht von Brahms, sondern – so steht es im Autograph – von «Kreisler jun.». Dies erklärt die romantisch-hoffmanneske Emphase des Werks. Anstösse mag Brahms auch bei dem ebenfalls von der Künstlerfigur der Romantik, Hoffmanns Kapellmeister Johannes Kreisler, angeregten Schumann erhalten haben. Der hatte 1838 seine ursprünglich Clara gewidmeten Phantasiebilder für das Pianoforte op. 16 «Kreisleriana» genannt – und Brahms hatte sie genau studiert. Mehr noch beeindruckte den jungen Musiker Clara selbst – man darf wohl von Verliebtheit sprechen. Hoffmannsches hat man auch im wunderbar schwärmerischen Hauptthema des Kopfsatzes (mit drei Themen) sehen wollen – oder soll man es für eine Liebeserklärung an Clara nehmen? Da überrascht auch nicht, dass Brahms im Seitenthema des Finale Beethovens «Ferne Geliebte» mit der Phrase «Nimm sie hin denn, diese Lieder» anklingen lässt, die schon Robert im Hinblick auf Clara in der C-dur-Fantasie op. 17 von 1836 zitiert hatte. Daneben wollte Brahms in seinem ersten veröffentlichten Kammermusikwerk gewiss zeigen, was er kompositorisch konnte. So erklären sich vielleicht die etwas umständlichen, gelehrt sein wollenden Bach-Passagen im Kopfsatz, speziell das Fugato. Da steckt gewiss auch Kreislers Bach-Begeisterung dahinter, doch vielleicht noch mehr Clara, die am 7. Oktober in ihrem Tagebuch vermerkt hatte: «Heute abend spielte ich dem Brahms Roberts BACH-Fugen.» Als der bestandene Mann, seit Ende der Siebzigerjahre Vollbartträger, mit gut 55 Jahren zurückblickte, musste er feststellen, dass manches im op. 8 nicht mehr seinem jetzigen Zustand und Anspruch entsprach. Doch hatten viele Qualitäten für ihn weiterhin Bestand. Damals schrieb er an Clara: «Ich habe mein H-dur-Trio noch einmal geschrieben und kann es op. 108 statt op. 8 nennen. So wüst wird es nicht mehr sein wie früher – ob aber besser?» (Die Opuszahl 108, jetzt die der d-moll-Violinsonate, würde zur Überarbeitungszeit passen.) Die Zweitfassung ist deutlich kürzer als die frühe. Interessant sind die Streichungen. Sie betrafen neben anderen Änderungen die zweite Durchführung im Kopfsatz mit den Bach-Passagen und im 3. Satz (Takt 33ff.) die unüberhörbare Reminiszenz an Schuberts Heine-Vertonung «Das Meer» aus dem «Schwanengesang». Diese Streichung zeigt, wie wichtig einst solche Hinweise – wie auch das erwähnte Beethoven-Zitat – für Brahms in seiner Jugendverliebtheit gewesen waren, 35 Jahre später aber keine ernsthafte Bedeutung mehr hatten. Die Beziehung zu Clara war nun eine andere: langjährige Verehrung und Freundschaft. Das Scherzo liess Brahms fast unverändert – ein Beweis dafür, wie sicher der Komponist gerade in dieser Form schon in jungen Jahren gewesen war. Das Sonatenrondo des Finale überzeugt in der Erstfassung durch sorgfältige Verarbeitung der Themen und Entwicklung der Tonarten bis hin zum h-moll-Schluss. Gut, dass man neben der verdichteten und «verneuerten» Überarbeitung die Erstfassung in ihrem jugendlichen Überschwang heute hin und wieder hören kann.

Aufführungen

906 2.2.2016 Gagliano Trio
796 5.12.2006 Wiener Klaviertrio