Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Konzertdetails

931

23.1.2018, 19:30 Uhr (Zyklus B 92. Saison)
Oekolampad Basel

Zyklus «Wiener Klassik», 6. Konzert

Armida Quartett (Berlin)

Funda, Martin, Violine 1
Staemmler, Johanna, Violine 2
Schwamm, Teresa, Viola
Staemmler, Peter-Philipp, Violoncello

Das Armida Quartett benannte sich nach einer der erfolgreichsten Opern von Joseph Haydn. Dieser Verweis auf den «Vater des Streichquartetts» kommt nicht von Ungefähr, hat der grosse Meister doch selbst einmal gesagt: «Meine Sprache versteht man durch die ganze Welt». Die Sprache des Streichquartetts verständlich zu machen ist dem Armida Quartett ein grosses Anliegen. Das Quartett gründete sich im Sommer 2006 in Berlin und arbeitet seitdem intensiv mit den Mitgliedern des Artemis Quartetts zusammen. Derzeit besucht es deren Meisterklasse an der Universität der Künste. Musikalische Anregungen erhielt das Ensemble von Natalia Prischepenko sowie von Alfred Brendel, Tabea Zimmermann, Eberhard Feltz, Walter Levin, Martin Spangenberg und Heime Müller; zusätzlich nahm es an Meisterkursen des Alban Berg, Guarneri und Arditti Quartetts teil. Im September 2012 gewann das Armida Quartett den 1. Preis sowie den Publikumspreis beim 61. Internationalen Musikwettbewerb der ARD, bei dem es zusätzlich mit Sonderpreisen ausgezeichnet wurde. Bereits 2011 konnte das Armida Quartett beim 66. Concours de Genève den 1. Preis sowie weitere Preise (darunter den Sonderpreis für die Interpretation des Streichquartetts Nr. 1 von György Ligeti) in Empfang nehmen. Das Ensemble konzertierte bereits in zahlreichen Ländern Europas. Seit Oktober 2012 unterrichten die vier jungen Musiker Kammermusik an der Universität der Künste Berlin. Die Debut-CD des Quartetts mit Werken von Bartók, Ligeti und Kurtág erscheint im Herbst 2013.

Joseph Haydn
1732-1809

Streichquartett Nr. 67, D-dur, op. 64, Nr. 5, Hob. III:63 «Lerchenquartett» (1790)

Allegro moderato
Adagio (cantabile)
Menuet: Allegretto – Trio
Finale: Vivace

Ignaz Pleyel
1757-1831

Streichquartett G-dur, op. 1/5, Ben. 305

Wolfgang Amadeus Mozart
1756-1791

Streichquartett Nr. 23, F-dur, KV 590 (1790)

Allegro moderato
Allegretto
Menuetto: Allegretto – Trio
Allegro

(zu Mozart, Streichquartett Nr. 23, F-dur, KV 590)

Mozart hat nach der lunga, e laboriosa fatica der «Haydn-Quartette» nur noch einmal zu einem Zyklus von sechs Quartetten angesetzt. Voller Hoffnung wollte er sie «für Seine Mayestätt dem König in Preussen» schreiben, doch ist der Plan nie Wirklichkeit geworden. Die Widmung kam nicht zustande und es blieb bei drei Quartetten. Am 12. Juni 1790, kurz nach Vollendung von KV 590, schrieb er an Puchberg: «Nun bin ich gezwungen meine Quartetten (diese mühsame Arbeit) um ein Spottgeld herzugeben, nur um in meinen Umständen Geld in die Hände zu bekommen» Daraus – wie aus der Äusserung zu den «Haydn-Quartetten» – ist zumindest das zu entnehmen, dass Mozart die Komposition von Quartetten generell schwer fiel, er also, selbst wenn er wirklich in Geldnot gewesen sein sollte, nicht noch rasch drei weitere für eine komplette Sechserfolge komponieren konnte, obwohl die drei «Preussischen Quartette» einfacher sind als die «Haydn-Quartette». Das Werk gipfelt nach einem durch seine ungeraden Taktperioden interessanten Menuett in einem Finale, das wie eine Huldigung an Haydn wirkt. Es geht aber in seiner kühnen Kontrapunktik und im schroffen Nebeneinander der Tonarten über jenen hinaus.

Mozart trug sein letztes Quartett im Junnius 1790 ins eigenhändige Werkverzeichnis ein, ein Jahr nach dem ersten Werk, das er für Seine Mayestätt dem König in Preussen geplant hatte. Die Hoffnung auf Widmung und Entschädigung hatte sich längst zerschlagen. Während A. Einstein aus dem «Andante, einem der sensitivsten Sätze der ganzen Kammermusik-Literatur, einen selig-wehmütigen Abschied vom Leben» heraushörte, vernahmen andere «absichtslose Musizierseligkeit» (H. Renner) oder empfanden es als «kapriziös und von munterer Spielfreude erfüllt» (U. Kraemer). Die Spielfreude gilt sicher für das Perpetuum mobile des Finales. Im langsamen Satz war sich Mozart wohl selber nicht ganz sicher, ob er mehr die leicht melancholische oder die tänzerische Note betonen sollte. Der im Autograph als Andante bezeichnete Satz wurde im Druck (Artaria 1791 nach Mozarts Tod) zum Allegretto. Da gerade in diesem Satz auch andere Änderungen vorliegen, dürften sie auf Mozart selbst zurückgehen.