Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Konzertdetails

925

7.11.2017, 19:30 Uhr (Zyklus A 92. Saison)
Oekolampad Basel

Zyklus «Wiener Klassik», 4. Konzert

Cuarteto Quiroga (Madrid)

Hevia, Aitor, Violine 1
Sierra, Cibrán, Violine 2
Puchades, Josep, Viola
Poggio, Helena, Violoncello

Das Cuarteto Quiroga nennt sich nach dem im galicischen Pontevedra geborenen bedeutenden Geiger Manuel Quiroga (1892-1961), dessen Karriere, nachdem er 1937 in New York von einem Lastwagen angefahren worden war, wegen einer Behinderung und späteren Lähmung eines Armes beendet wurde. Das Quartett hat nach seiner Gründung 2004 bei Rainer Schmidt in Madrid und Walter Levin in Basel sowie bei Hatto Beyerle studiert. Es war Gewinner mehrerer bedeutender Quartettwettbewerbe (u. a. Bordeaux, Paolo Borciani, Genf) und ist in den wichtigsten Konzertsälen und bei den grossen Festivals in Europa und Amerika aufgetreten. Im Juni 2014 gestaltete es sechs Konzerte im Auditorio Nacional de Madrid mit dem op. 20 von Haydn, den sechs «Haydn-Quartetten» Mozarts und dem Gesamtwerk für Streichquartett von György Kurtág. Das Cuarteto Quiroga ist Quartet-in-Residence an der Fundación Museo Cerralbo in Madrid, seinem künstlerischem Sitz. Es arbeitet mit Musikern wie Valentin Erben, Javier Perianes, Vladimir Mendelssohn oder Jeremy Menuhin sowie mit Choreographen, Dramaturgen und Schauspielern zusammen. Bereits für seine erste CD «Statements» bei Cobra Records mit Werken von Haydn, Webern und Giovanni Sollima erhielt es 2012 einen Preis. Weitere Aufnahmen galten Frühwerken von Schönberg, Berg und Webern, den Brahms-Quartetten op. 51 sowie den Klavierquintetten von Turina und Granados mit Javier Perianes.

Joseph Haydn
1732-1809

Streichquartett Nr. 41, G-dur, op. 33, Nr. 5, Hob. III:41 (1778/81)

Vivace assai
Largo cantabile
Scherzo: (Allegro) – Trio
Finale: Allegretto – Presto

Ignaz Pleyel
1757-1831

Streichquartett B-dur, op. 1/4, Ben. 304

Wolfgang Amadeus Mozart
1756-1791

Streichquartett Nr. 15, d-moll, KV 421 (417b) (1783)

Allegro (moderato)
Andante
Menuetto: Allegretto – Trio
Allegretto, ma non troppo (con variazioni)

(zu Haydn, Streichquartett Nr. 41, G-dur, op. 33, Nr. 5, Hob. III:41)

Beinahe zehn Jahre waren seit dem Abschluss der 18 bedeutenden Streichquartette op. 9, 17 und 20 (1769 bis 1772) vergangen, als Haydn 1781 seine neue Quartettserie komponierte. Das op. 33 sollte den Durchbruch Haydns zum grossen Quartettkomponisten bringen. Trotzdem ist nicht wirklich klar, was Haydn mit seiner berühmten Aussage, diese Quartette seien „auf eine gantz neue Besondere Art“ gemacht, gemeint hat. Natürlich weisen sie eine ganze Reihe von Neuheiten auf; die äusserlichste und am leichtesten erkennbare ist die konsequente Bezeichnung des Tanzsatzes als Scherzo, was der ganzen Serie den ebenso wenig wie „Russische Quartette“ authentischen Beinamen Gli Scherzi eingebracht hat. Im G-dur-Quartett, das möglicherweise das früheste der sechs ist, greift das Scherzo im Charakter auf den Kopfsatz zurück und zeigt bereits Merkmale, welche für Beethovens Scherzi typisch werden sollten. Es steht übrigens in den Quartetten Nr. 1–4 an zweiter Stelle, weil dort der Kopfsatz eher ruhig gehalten ist. Dass dies in Nr. 5 nicht sinnvoll wäre, zeigt die Charakterähnlichkeit der beiden Sätze. Dazwischen steht ein leidenschaftliches und ergreifendes Stück in g-moll, das überraschend mit einem sanften Pizzicato endet. Das Finale ist wie im 6. Quartett ein Variationensatz, der uns wohl auch deshalb so vertraut vorkommt, weil Mozart in seinem Haydn gewidmeten d-moll-Quartett KV 421 – nein, keine Kopie, sondern eine verehrende Variationenfolge über ein sehr ähnliches Thema geschrieben hat, wenn auch verhaltener, tiefsinniger. Dass Haydn die Heiterkeit auch aus diesem Finale nicht verbannen will, zeigt die Schlussvariation im Presto.

(zu Mozart, Streichquartett Nr. 15, d-moll, KV 421 (417b))

Die Tonart d-moll gibt Mozart immer Anlass zu besonderer Intensität, so auch hier. Im Sotto voce-Einsatz wird zuerst die Erregung zurückgedrängt, doch kommt sie bald im Forte zum Ausbruch, und auch die Bewegung steigert sich ständig. Die Schönheit des Andante bringt Beruhigung; es ist aber kleingliedrig und von Pausen durchbrochen. Die Schroffheit des Menuetts kippt im Trio in fast unwirkliche Eleganz und Leichtigkeit, so als hätten wir es mit einer Serenade zu tun. Das Finale orientiert sich zwar an Haydns Finalthema aus op. 33/5, aber Mozarts d-moll ist weit entfernt von Haydns G-dur-Leichtigkeit. - -

Das d-moll-Quartett weist im typisch mozartschem Mollcharakter voller Erregung und in dunkler Klangsprache - wozu im Kopfsatz Intervallsprünge und herbe Dissonanzen treten - Neuartiges auf. Im Menuett kontrastiert die dunkle Färbung mit dem heiteren Serenadenton des Trios. Das Variationen-Finale greift sowohl im Siciliano-Rhythmus wie in der Melodik unüberhörbar auf Haydn selbst zurück: auf seine Finalvariationen in op. 33/5, werden aber harmonisch und modulatorisch neu gedeutet.