Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Konzertdetails

894

27.1.2015, 19.30 Uhr (Zyklus B 89. Saison)
Stadtcasino Basel, Hans Huber-Saal

Daimones Klaviertrio (Basel)

Tegzesiu, Sebastian Mihai, Violine
Gregor-Smith, Benjamin, Violoncello
Valentiyev, Valentin, Klavier

Das Daimones Piano Trio wurde 2012 von Studenten der Solisten-Diplomklasse der Musikhochschule Basel gegründet. Es hat sich aufgrund seiner ernsthaften künstlerischen Arbeit und einer erstaunlichen Einheit und Ausgeglichenheit sehr schnell im klassischen Musikleben etabliert – dies nicht zuletzt dank der unterstützenden Beratung der Professoren Adrian Oetiker, Adelina Oprean und Thomas Demenga. Ihr Engagement umfasst seit Längerem neben der Konzert- auch die Kammermusiktätigkeit. Benjamin Gregor-Smith ist zudem stellvertretender Solocellist im Sinfonieorchester Basel. Die Ensemble-Mitglieder sind alle drei Preisträger zahlreicher internationaler Wettbewerbe und haben, obwohl aus verschiedenen Ländern stammend (Sebastian Mihai Tegzesiu aus Rumänien, Benjamin Gregor-Smith aus England und Valentin Valentiyev aus der Ukraine), als Daimones Trio in der Musik eine gemeinsame Sprache gefunden und durch ihre persönliche Art der Interpretation eine Einheit kreiert, die sich in gesteigerter Kraft und durch Virtuosität ausdrückt. Sebastian Mihai Tegzesiu spielt auf einer Carlo-Antonio-Testore-Geige (Mailand 1721) und Benjamin Gregor-Smith ein Francesco-Ruggieri-Cello (Cremona 1694).

Hans Huber
1852-1921

Klaviertrio Nr. 1, Es-dur, op. 20 (1877)

Nicht schnell, quasi Andante
Nicht zu rasch, mit kräftig markiertem Rhythmus
Nicht zu langsam
Sehr schnell

Dmitrij Schostakowitsch
1906-1975

Klaviertrio Nr. 1, C-dur, op. 8 (1925)

Andante - Allegro - Moderato - Allegro

Johannes Brahms
1833-1897

Klaviertrio Nr. 3, c-moll, op. 101 (1886)

Allegro energico
Presto non assai
Andante grazioso
Allegro molto

Komponisten am Klavier: Basler Erstaufführungen in den 1880er Jahren

Am 16. November 1880 kam Hubers erstes von vier Klaviertrios zur Basler Erstaufführung. Natürlich spielte der Komponist den Klavierpart. Huber, im solothurnischen Eppenberg bei Schönenwerd geboren, erhielt als Chorknabe in Solothurn musikalischen und gymnasialen Unterricht und studierte 1870 bis 1874 am Leipziger Konservatorium Komposition bei Carl Reinecke und Klavier. Neben der traditionellen Ausbildung in der Stilrichtung Mendelssohn/Schumann nahm er früh die neudeutsche Musik Liszts und Wagners auf. Nach einer Zwischenstation im elsässischen Wesserling kam er 1877 nach Basel, wo er zur führenden Gestalt im Musikleben wurde. Ab 1896 war er Direktor der Musikschule und 1905 Gründer des Konservatoriums. Das Trio, «seinen lieben Eltern gewidmet», wurde 1877 gedruckt und gleich vom Göttinger Musikdirektor Eduard Hille besprochen: «Bisher kamen mir von dem begabten Komponisten nur Klaviersachen in kleinerem Rahmen zu Gesicht, die mir sehr gefielen. Hier liegt nun ein grösseres Werk von ihm vor, an das ich mit besonderer Erwartung herangetreten bin. Wer sich ohne Voreingenommenheit in das Werk versenkt, der wird seine Freude an ihm haben. Es ist durchweg edel gehalten, warm empfunden und eigentümlich erfunden; es geht einen besonderen Weg, der gelegentlich wohl an Dornen vorbeiführt, sonst aber rechts und links des Schönen nicht wenig finden lässt. Über dem Ganzen lagert ein poetischer Duft, der uns das Werk immer lieber werden lässt.» Für heutige Ohren sind in der klangvollen (spät-)romantischen Welt kaum Dornen zu finden. Den eher ruhigen, trotzdem belebten Kopfsatz (4/4 alla breve) eröffnet das Klavier mit dem Thema, bevor es Violine und Cello weiterführen. Aus einem Motiv (Viertel – 2 Achtel – Viertel – Achteltriole) wird das Material entwickelt. Ein neues Motiv (auftaktiges Achtel – 2 Viertel) bestimmt den Mittelteil im ¾-Takt. Der zweite Satz in B-dur vertritt mit kräftigem Beginn in freier Form das Scherzo. Es wird dreimal von verschiedenen Episoden unterbrochen. Der langsame Satz, mit «sehr zart» bezeichnet, steht im 6/4-Takt und in As-dur. Die Streicher spielen ruhige Linien, während das Klavier, wie zu Beginn eingeführt, liegende Akkorde und gleichmässige Achtelbewegungen beisteuert. Die Sätze 1-3 verklingen alle sehr leise. Der 4. Satz in ostinato durchgehaltenem Rhythmus der drei Takt-Viertel erinnert in Charakter und Thematik an Partien im 2. und 4. Satz des Horntrios von Brahms (1865). Den von ihm bewunderten Komponisten fragte Huber bald nach Entstehung des Trios 1878 an, ob er ihm, «gerade weil Sie die Walzerform so herrlich idealisiert haben», seine Walzer in Trioform op. 27 widmen dürfe, was jener gerne annahm. Umso interessanter wird der Vergleich mit dessen rund zehn Jahre späterem 3. Klaviertrio sein.

Schostakowitschs 1. Klaviertrio ist das Werk eines Siebzehnjährigen. Er hat es während des Studiums am St. Petersburger Konservatorium von August bis Oktober 1923 komponiert und einer Jugendliebe gewidmet, die er im selben Jahr während seines Kuraufenthalts auf der Krim kennengelernt hatte. Es besteht aus einem Sonatensatz in vier Abschnitten und wirkt durch Dichte und originelle Verarbeitung. Ein Dreitonmotiv, vom Cello exponiert, wird in rhapsodisch gehaltenem Duktus durch Tempo und Beleuchtung variiert. Stilistisch wird es als etwas unausgewogen beurteilt, etwa im Rückgriff auf romantische Vorbilder wie Tschaikowsky oder Brahms. Unter diesen hat man das 3. Klaviertrio von Brahms ausgemacht, das wie weite Teile des Schostakowitsch-Stücks in c-moll steht. Die Uraufführung des rund 13 Minuten dauernden Werks fand am 20. März 1925 in Moskau statt. Am Klavier sass nicht der Komponist, sondern der ein Jahr jüngere Lev Oborin, 1927 Gewinner des 1. Chopin Wettbewerbs und ab 1935 Klavierpartner von David Oistrach. Dem Komponisten brachte 1925 die 1. Sinfonie den Durchbruch; sie greift ein Thema aus dem Trio leicht verändert auf. Dieses erschien erst 1983 im Druck; der Herausgeber, Schostakowitschs Schüler Boris Tischtschenko, hat dafür die fehlenden 22 letzten Takte des Klavierparts ergänzt.

Sieben Jahre nach Hubers Trio erklang am 21. November 1887 das im Sommer 1886 am Thunersee entstandene c-moll-Trio überraschend erstmals in Basel – mit Brahms am Klavier. Das kam so: Joseph Joachim sollte mit dem Beethoven-Konzert bei der AMG auftreten, brachte unerwartet Brahms und den Cellisten Robert Hausmann mit und setzte auch das neue, im Oktober uraufgeführte Doppelkonzert op. 102 aufs Programm. Während der Probe trat Brahms mit der Bemerkung «Ich bin nämlich der, der das Stück gemacht hat» ans Dirigentenpult, «übernahm selbst die Direktion in Probe und Konzert und belohnte die Basler für die ihnen aufgezwungene, etwas spröde Kost durch die Mitwirkung in einem Kammermusikabend am darauffolgenden Tag, in dem er sein Trio in C-moll spielte» (Erinnerungen von Rudolf Löw, 1924; von ihm stammen mehrere Huber-Bildnisse, eines hier im Hause). «Im nicht eben überfüllten alten Konzertsaale des Stadtkasinos», schrieb der Kritiker der Basler Nachrichten, «war den Hörern eine tüchtige receptive Leistung zugemuthet», doch scheinen ihm die Mittelsätze des Trios gefallen zu haben. Den zweiten Satz nennt er «eine Perle Brahms’scher Dichtung», die beweise, «dass der Meister auch Melodien, und zwar von den schönsten und süssesten bieten kann. Der erste etwas wilde und der vierte Satz sind schwerer verständlich.» Wie schon bei Huber spielte der Basler Cellist Moritz Kahnt den Cellopart. Ebenso überraschend erklang das Trio tags darauf in Zürich. Arthur Steiner beschrieb das Konzert in der NZZ vom 29. November: «Es war ein denkwürdiger Abend. Der Komponist spielte selbst den Klavier-Part in der ihm eigenen breiten, prägnanten Weise. Was die Kompositionen betrifft, so glaubten wir zu bemerken, dass das Trio einen grossen überzeugenden Eindruck gemacht hat. Es wird ohne Zweifel sehr rasch sich durch alle Konzertsäle seinen Weg bahnen und sich in den eisernen Bestand der Kammermusik-Literatur einreihen. Es ist jung und lebhaft ohne jede Überschwänglichkeit. Auch das Andante will nicht in die Tiefe bohren, süss und schwärmerisch wie ein alter Minnesang, aber einfach und natürlich strömt es dahin. Die Streicher auf der einen, das Klavier auf der anderen Seite führen einen überaus reizvollen Wechselgesang. Ist es ein altes Lied, auf das sich Beide besinnen müssen? Wo die eine Gruppe den Faden verlor, nimmt ihn die andere auf und spinnt ihn weiter, und so ergänzen und erwärmen sie sich gegenseitig. Das Trio führt die Sprache des Meisters, der aus dem Vollen schöpft; mit leichter Hand führt er seine Stimmen durch die sonnigen Gefilde quellenden Wohllautes, seltener als früher durch zerklüftete Engpässe. Das Publikum drängte sich auf allen Plätzen und verstieg sich in seiner Begeisterung zu Temperaturen, die sonst nicht gebräuchlich sind.»