Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Konzertdetails

773

11.1.2005, 20.15 Uhr (Zyklus B 79. Saison)
Stadtcasino, Hans Huber-Saal

Skampa-Quartett (Prag)

Fischer, Pavel, Violine 1
Lukásová, Jana, Violine 2
Sedmidubský, Radim, Viola
Polák, Lukaš, Violoncello

Das Škampa-Quartett wurde 1989 an der Prager Akademie unter der Obhut von Pavel Kohout und Milan Škampa (beide vom Smetana Quartett) gegründet. Seither hat es eine eigene Karriere entwickelt und konzertiert heute in der ganzen Welt. Nach Studien bei Piero Farulli (Quartetto Italiano) und Walter Levin hatte es 1. Preise beim Premio Vittorio Gui in Florenz (1990), beim Charles Hennen-Wettbewerb in den Niederlanden und 1992 in Tschechien (Tschechische Kammermusik-Gesellschaft) erhalten. 1993 debütierte es in der Wigmore Hall. Natürlich pflegt es besonders das tschechische (Smetana, Dvorák, Suk, Janáceks), aber auch das klassische Repertoire, oft in Zusammenarbeit mit bekannten Künstlern wie Josef Suk, Nikolai Demidenko, Melvyn Tan oder Lars Vogt. Platteneinspielungen umfassen neben den tschechischen Werken auch solche von Haydn, Mozart, Beethoven und Schubert, Brahms oder Ravel. Eine Cross-over-CD entstand mit der tschechischen Allround-Musikerin Iva Bittová, mit der das Quartett auch in diesem Jahr live auftritt. Seit einiger Zeit unterrichten die Mitglieder des Quartetts bei bedeutenden Institutionen in London, Amsterdam oder Mexico.

Wolfgang Amadeus Mozart
1756-1791

Adagio und Fuge c-moll für Streichquartett, KV 546 (1788)

Adagio – Fuga: Allegro

Sergej Prokofjew
1891-1953

Streichquartett Nr. 2, F-dur, op. 92 (1942)

Allegro sostenuto
Adagio
Allegro – Andante molto – Quasi Allegro I, ma un poco più tranquillo

Leoš Janáček
1854-1928

Streichquartett Nr. 1, e-moll «Kreutzer-Sonate» (1923)

Adagio – Con moto
Con moto
Con moto – Vivace – Andante
Con moto – Adagio

Bedrich Smetana
1824-1884

Streichquartett Nr. 1, e-moll «Aus meinem Leben» (1876)

Allegro vivo appassionato
Allegro moderato alla Polka
Largo sostenuto
Vivace

Am 29. Dezember 1783 vollendete Mozart als Abschluss einer Reihe von Fugenkompositionen der Jahre 1782/83 – Zeichen der ernsthaften Auseinandersetzung mit dem von Baron van Swieten ermöglichten Studium von Bach und Händel – eine Fuge für zwei Klaviere (KV 426). Vier Jahre später griff er darauf zurück, setzte sie für Streichquartett und fügte ein Adagio von 50 Takten hinzu. Dieses «Präludium» weist die kühnsten Harmonien auf, die Mozart je geschrieben hat. Die Fuge (108 Takte) mit einem markanten Thema, das zu den eindrücklichsten Fugenthemen überhaupt gehört, wird vom Cello exponiert.

(...)

Janáčeks Kammermusik ist, wie die Smetanas, von persönlichem Erleben geprägt. Während er im 2. Quartett das eigene Liebeserlebnis verarbeitet, verwandelt er im ersten eine literarische Liebestragödie in ein subjektives Bekenntniswerk. Die Erregung über Tolstojs Schilderung hatte ihn bereits 1909 zu einem Klaviertrio angeregt, das er vernichtet hat, das unterdessen aber in einer Rekonstruktion vorliegt. «Aus einigen Gedanken daraus entstand das Quartett», schrieb er an Kamila Stösslová, die ihrerseits fünf Jahre später Anlass zum 2. Quartett wurde. Der 1. Satz ist ein Porträt der Frau, der 2. schildert ihr verhängnisvolles Zusammentreffen mit dem Geiger, der 3. enthüllt mit drastischer Deutlichkeit den Widerspruch zwischen der echten Liebe der Frau und der Eifersucht des Mannes, und der 4. Satz vereinigt die Katastrophe mit der Katharsis (nach D. Holland).

Smetana hat im Gegensatz zu den nationalen Themen, die er in Oper und Sinfonischer Dichtung darstellte, Biographisches in der Kammermusik (Klaviertrio, beide Quartette) ausgedrückt. Das Programm zum 1. Quartett hat er in einem Brief vom 12. April 1878 beschrieben (gekürzt): I. Satz: Hang zur Kunst in meiner Jugend, romantische Stimmung, unaussprechliche Sehnsucht nach etwas, was ich nicht in Worten ausdrücken konnte. Der II. Satz führt mich in der Erinnerung in das heitere Leben meiner Jugendzeit, in der ich meine Umwelt mit Tanzstücken überschüttete, selbst als leidenschaftlicher Tänzer bekannt war. Der dritte Satz erinnert mich an das Glück der ersten Liebe zu dem jungen Mädchen, das später meine treue Gattin wurde. Der vierte Satz: Die Erkenntnis der elementaren Kraft, die in der nationalen Musik ruht, und die Freude an den Ergebnissen des beschrittenen Weges bis zu jenem Augenblick, da sein weiterer Verlauf durch die ominöse Katastrophe jäh unterbrochen wurde: Beginn der Taubheit, Ausblick in eine freudlose Zukunft.

rs