Konzerte Saison 2004-2005

  • 23.11.2004
  • 20.15
  • 79.Saison
  • Zyklus B
Stadtcasino, Hans Huber-Saal

Wiener Klaviertrio (Wien)

Das Wiener Klaviertrio wurde 1988 gegründet. Es betrieb intensive Studien beim Trio di Trieste, beim Beaux Arts-Trio und beim Haydn Trio Wien, bei Isaac Stern und Joseph Kalichstein sowie bei Mitgliedern des LaSalle- und des Guarneri Quartetts. Nach Auftritten in Wien debütierte es 1993/94 in New York und London mit grossem Erfolg. Seither sind das Flandern-Festival, die Schubertiade Feldkirch und der Carinthische Sommer hinzugekommen. Es hat die Klaviertrios von Brahms bei Naxos sowie Haydn, Beethoven, Schubert, Mendelssohn und Dvorák bei Nimbus Records aufgenommen und wurde für einige dieser Aufnahmen mit Schallplattenpreisen ausgezeichnet. Das Wiener Klaviertrio gastierte erstmals am 8. Februar 2000 mit Mozart, Haydn und Schumann in unseren Konzerten, 2002 dann mit Schubert („Notturno“ und op. 99 - das heutige Programm ist also eine Ergänzung dieses letzten Programms) und Schostakowitsch.
Rund fünfzehn Jahre liegen zwischen Schuberts erster Komposition für Klaviertrio und seinen grossen und bedeutenden Beiträgen zu dieser Gattung - bei Schubert bedeutet das ein halbes Leben. Und das hört man dem als Sonate bezeichneten Einzelsatz auch an. Da ist in dem manchmal etwas dünn wirkenden, aus-greifenden und in der Durchführung sich kaum entwickelnden Satz auf den ersten Blick noch wenig vom späten Schubert zu finden. Und doch zeigt sich (abgesehen von den schon hier aufscheinenden, allerdings nur beschränkt himmlischen Längen) an ein paar Einzelheiten in nuce das Potenzial Schuberts: Die Gesamtkonzeption des Satzes, die sehr wohl auf die grossformatigen Werke der Spätzeit vorweist, die saubere, am ehesten an Haydn orientierte Schreibweise und eine in sich ge-schlossene Klangsprache. Das Klavier dominiert natürlich, das Cello ist eher stiefmütterlich behandelt - aber das verwundert zu diesem Zeitpunkt der Entstehung nicht.

Wer sich am Ende des 18. Jahrhunderts als Komponist profilieren wollte, veröffentlichte als erstes Werk eine Serie von Streichquartetten. Bei Beethoven hätte man eher Klaviersonaten erwartet (sie wurden das op. 2), doch trat dieser - es wirkt wie ein Kompromiss - 1795 mit drei Klaviertrios hervor. Sie waren nicht Beethovens erste Beiträge zur Gattung. So verwundert es nicht, dass es reife Werke sind, die der Komponist bewusst zu seinem Opus 1 bestimmt hat. Erstmals erklungen sind sie wohl Ende 1793 bei einer Abendgesellschaft des Widmungsträgers, des Fürsten Lichnowsky, wo sie laut Ries Sensation machten. Auch der anwesende Haydn war beeindruckt. Für den Druck wurden sie nochmals überarbeitet. Mit seinem op. 1 hat Beethoven (trotz Haydn und Mozart) die Gattung Klaviertrio erst richtig begründet. Er fügte an dritter Stelle einen Tanzsatz ein, wie er bei Streichquartetten üblich war. Typisch für Beethoven mag sein, dass es sich dabei um ein Scherzo und nicht mehr um ein Menuett handelt, obwohl der Satz in der Violinstimme noch so bezeichnet wird. Das erste der drei Trios ist von klassischer Ausgeglichenheit sowohl in der Satzdauer wie auch in der Typik der Satzcharaktere.

Die beiden frühen, innerhalb eines Jahres entstandenen Klaviertrios Dvoráks tauchen selten in Konzertprogrammen auf (ihnen waren bereits zwei Trios op. 13 vorangegangen, die Dvorák später vernichtet hat). Das erste wurde möglicherweise im Herbst 1874 begonnen und am 14. Mai 1875 abgeschlossen. Nach einer ersten Aufführung, wohl im Februar 1877 in Prag, hat es Dvorák für die Drucklegung (1880 bei Schlesinger) überarbeitet. Neu entstand dabei das Trio des Scherzos und das Finale wurde gekürzt. Neben dem etwas späteren 2. Trio gehören in die gleiche Schaffensphase die Streicherserenade op. 22 und das Streichquintett mit Kontrabass op. 77 (ursprünglich op. 18). Das Trio weist neben Klängen, die an Schubert oder Schumann denken lassen, auch slawische Elemente auf, so gleich im Hauptthema des ersten Satzes, das als weit ausgreifende Kantilene erscheint. Rasch kommt aber Bewegung in den Satz, der sich in der Durchführung stark verdichtet. Trotz thematisch enger Verwandtschaft ist das in A-B-A-B-A-Form gehaltene Adagio vom Kopfsatz stark verschieden. Die wehmütige Stimmung steigert sich aber auch hier, bevor das kanonisch geführte Hauptthema zart verklingt. Das Scherzo hat den Charakter einer mehr eleganten als auftrumpfenden Polka; das Trio steht in H-dur. Das Finale mit drei Themen beginnt in der Paralleltonart g-moll, die auch später wiederkehrt und den Ernst des Satzes unterstreicht. So verwundert es nicht, dass in der Durchführung das Thema des Adagios zitiert wird. Erst am Ende brechen sich das 2. und 1. Thema die Bahn zum B-dur.

rs