Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Konzertdetails

762

6.1.2004, 20.15 Uhr (Zyklus B 78. Saison)
Stadtcasino, Hans Huber-Saal

Trio Fontenay (Hamburg)

Mücke, Michael, Violine
Maintz, Jens Peter, Violoncello
Harden, Wolf, Klavier

Im Jahre 1980 gründeten drei junge Musiker, von denen sich Geiger und Pianist bereits am Albert-Schweitzer-Gymnasium kennen gelernt hatten, in Hamburg das Trio Fontenay. Sie benannten es nach dem Strassennamen eines Wohltäters der Stadt Hamburg hugenottischer Herkunft. Nach gemeinsamen Studien beim Amadeus Quartet erregte das Ensemble rasch internationale Aufmerksamkeit. Bereits im ersten Jahrzehnt seines Bestehens gastierte das Trio Fontenay in den bedeutendsten Konzertsälen der Welt. Seit seinem Amerika-Debüt im Jahr 1986 unternimmt es jedes Jahr eine grosse USA-Tournee. Es wurde zum Trio en résidence au Châtelet in Paris ernannt. Das Repertoire umfasst auch Werke, die über die Triobesetzung hinausgehen, widmet sich aber doch vor allem den bekannten und bedeutendsten Klaviertrios. Für die Einspielung der Beethoven-Trios erhielten die Musiker sowohl den Diapason d’Or und den Preis der Deutschen Schallplattenkritik. Im Trio, das bereits 1991 und 1992 bei uns gastierte, ist seit 1998 Jens Peter Maintz an die Stelle von Niklas Schmidt getreten.

Wolfgang Amadeus Mozart
1756-1791

Klaviertrio Nr. 6, G-dur, KV 564 (1788)

Allegro
Andante (Thema mit 6 Variationen)
Allegretto - Adagio - Tempo I

Nikolaj Roslawez
1880-1944

Klaviertrio Nr. 2 (1920)

Con moto

Antonín Dvorák
1841-1904

Klaviertrio Nr. 3, f-moll, op. 65, B 130 (1883)

Allegro ma non troppo
Allegretto grazioso
Poco Adagio
Finale: Allegro con brio

Von Mozarts sieben Klaviertrios stammt das erste, als Divertimento gedruckte, bei dem das Cello fast ganz mit dem Klavierbass übereinstimmt, von 1776 und ist eher eine Violin-Sonate mit obligatem Cello. Bei den Klaviertrios der Jahre 1786–88, unter denen KV 498 durch die Besetzung (Klarinette, Viola) abweicht, übernimmt im «Terzett» genannten G-dur-Werk das Cello zögernd eine eigene Rolle. Am ehesten ist dies im Andante der Fall, wo es in den imitatorisch gebauten Passagen durchaus mitspielt. Führend bleibt das Klavier, auch im Kopfsatz, der mit einem langen Klaviersolo beginnt. Seine Durchführung überrascht durch interessante Modulationen. Das Alla breve-Finale ist eine leichtgewichtige, im Adagio-Teil galante Variationenfolge über ein gavottenartiges Thema.

Der aus einer ukrainischen Bauernfamilie stammende Nikolaj Roslavets erhielt seine Ausbildung am Moskauer Konservatorium und leitete ab 1922 zeitweise das Konservatorium in Charkow. Seine vom späten Skrjabin ausgehende Tonsprache entwickelte er bis 1919. Er arbeitete mit seriellen Ordnungen und setzte sich für Schönberg ein. Obwohl überzeugter Marxist, war er ein Vertreter der fortschrittlichen Musik und versuchte die Ansichten der musikalischen Avantgarde auch politisch zu begründen. Er verstand sich weder als bourgeoiser Ausbeuter noch als proletarischer Komponist. So verschwand er, seiner Ämter enthoben, aus dem Blickfeld – offenbar nach Sibirien verbannt. Später kehrte er nach Moskau zurück, durfte allerdings nur untergeordnete Tätigkeiten ausüben. In den 50er Jahren wurde er rehabilitiert, doch seine Werke (etwa das Violinkonzert von 1925) werden erst in letzter Zeit wiederentdeckt. Von seinen vier Klaviertrios steht das zweite am Beginn seiner Hauptschaffensperiode. Ihm liegt «eine achttönige ›Reihe‹ zugrunde, die sowohl das thematisch-melodische wie auch das harmonische Geschehen bestimmt. Eine Nähe zu Schönbergs Zwölftontechnik besteht jedoch nur theoretisch, da der Ausdrucksgehalt...ein tief ›romantischer‹, quasi-rückbezogener ist» (Wolf Harden). Die Form des einsätzigen, etwa 20minütigen Werks ist konventionell: eine «grossangelegte zweiteilige Liedform».

Wäre nicht das beliebte Dumky-Trio, Dvoráks f-moll-Trio hätte es leichter, seine Meisterschaft zu erweisen. Das etwa vierzigminütige Werk darf als eines der gelungensten und persönlichsten Kammermusikwerke des Komponisten gelten. Die von der Tonart vorgegebene Düsterheit verbindet sich mit Klangschönheit, insbesondere im As-dur-Klagegesang des Adagio, der die Leidenswelt des Kopfsatzes wieder aufnimmt. Das Scherzo steht in cis-moll und war ursprünglich an der traditionellen dritten Stelle geplant. Das furiantähnliche Finale macht sich die Spannung von cis-moll und f-moll zunutze und bricht sich erst nach mehreren Anläufen die Bahn nach F-dur. Böhmische Einflüsse sind vorhanden, vor allem in Rhythmus und Harmonie, wirken aber gebändigt durch eine gewisse brahmsnahe Färbung und eine eigenständige und neue Themenbildung. Der folkloristische Ton ist nicht mehr zentrales Anliegen Dvoráks. Nicht zuletzt der Klaviersatz mahnt an den verehrten Mentor. Das Werk entstand im Februar/März 1883, kurz nach dem Tod von Dvoráks Mutter. Wie in einem andern f-moll-Werk, das in dieser Saison zu hören war (Mendelssohns Streichquartett op. 80), mag auch hier der Todesfall auf die Stimmung eingewirkt haben. Das Werk war dem Komponisten so wichtig, dass er es bis zur Uraufführung im Oktober 1883, bei der er selber als Geiger mitwirkte, laufend überarbeitete.

rs