Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Konzertdetails

723

8.2.2000, 20:15 Uhr (Zyklus B 74. Saison)
Stadtcasino Basel, Hans Huber-Saal

Wiener Klaviertrio (Wien)

Redik, Wolfgang, Violine
Trefny, Marcus, Violoncello
Mendl, Stefan, Klavier

Das Wiener Klaviertrio wurde 1988 gegründet. Es betrieb intensive Studien beim Trio di Trieste, beim Beaux Arts-Trio und beim Haydn Trio Wien, bei Isaac Stern und Joseph Kalichstein sowie bei Mitgliedern des LaSalle- und des Guarneri Quartetts. Nach Auftritten in Wien debütierte es 1993/94 in New York und London mit grossem Erfolg. Seither sind das Flandern-Festival, die Schubertiade Feldkirch und der Carinthische Sommer hinzugekommen. Es hat die Klaviertrios von Brahms bei Naxos sowie Haydn, Beethoven, Schubert, Mendelssohn und Dvorák bei Nimbus Records aufgenommen und wurde für einige dieser Aufnahmen mit Schallplattenpreisen ausgezeichnet.

Wolfgang Amadeus Mozart
1756-1791

Klaviertrio Nr. 3, B-dur, KV 502 (1786)

Allegro
Larghetto
Allegretto

Ludwig van Beethoven
1770-1827

Klaviertrio Nr. 2, G-dur, op. 1, Nr. 2 (1793/94)

Adagio – Adagio vivace
Largo con espressione
Scherzo: Allegro – Trio
Finale: Presto

Robert Schumann
1810-1856

Klaviertrio Nr. 1, d-moll, op. 63 (1847)

Mit Energie und Leidenschaft
Lebhaft, doch nicht zu rasch – Trio
Langsam, mit inniger Empfindung – Bewegter – Tempo I. –
Mit Feuer – Nach und nach schneller

Mozart hat sein B-dur-Trio am 18. November, wenige Tage vor dem C-dur-Klavierkonzert KV 503 und der Prager Sinfonie vollendet. Es gehört in eine Phase bedeutendster Werke. Auch der Auftrag für den Don Giovanni zu Beginn des Jahres 1787 ist nicht weit entfernt. In der Tat ist das Trio von einer Konzeption, die es zum wohl modernsten seiner Zeit macht. Das Cello ist wenigstens zeitweise aus der Rolle der Verdoppelung des Klavierbasses herausgelöst. Im Kopfsatz geht Mozart recht frei mit der Form um: Der Sonatensatz ist in der Exposition monothematisch gehalten; eine Art Seitenthema erscheint erst zu Beginn der Durchführung in der Violine, dann im Klavier und Cello. Den chromatisch gefärbten Kopf des Hauptthemas trägt das Klavier zunächst in Terzen, dann in Sexten vor; dazwischen wirft die Violine ein kurzes Motiv ein, das später vom Klavier aufgenommen wird. Im Larghetto stellt das Klavier solo das Thema vor. Es dominiert, nur zeitweise von der Violine abgelöst, auch den Rest des Satzes. Das Finalrondo lässt dem Klavier noch mehr Spielraum, so dass beinahe ein Klavierkonzert daraus wird, wie überhaupt das ganze Trio in vielem an das B-dur Konzert KV 450 (1784) erinnert.

Nur knapp sieben Jahre nach Mozarts KV 502 hat Beethoven noch in Bonn Klaviertrios entworfen. Er wird sie bald als erste vollgültige Werke ansehen und im Oktober 1795 bei Artaria in Wien als opus 1 erscheinen lassen. Ende 1793 oder Anfang 1794 machten sie bei der Privataufführung im Palais des Widmungsträgers, des Fürsten Lichnowsky, Sensation. Denn dass es die ersten voll ausgereiften, d.h. alle drei Instrumente gleichberechtigt behandelnden Klaviertrios waren, wurde den Zuhörern, nicht zuletzt Joseph Haydn ohrenfällig bewusst. Die Gattung war damit endgültig etabliert. Das G-dur-Trio ist vermutlich das zuerst entworfene. Den Höhepunkt des Werkes bildet das Largo, ein Satz, der ganz dem beethovenschen Ideal langsamer Sätze entspricht. Die übrigen, der spielerische Kopfsatz, das knappe Scherzo mit h-moll-Trio und nicht zuletzt das musikantisch-muntere Finale mit seinem fast banalen, aber witzigen Hauptthema – schaut da nicht Haydns „Frosch“-Finale herein? – machen das G-dur-Trio zum leichtesten, doch nicht minder gelungenen der Dreiergruppe.

Schumann hat – die Fantasiestücke op. 88, die ins Jahr 1842 zurückgehen, eingerechnet – vier Klaviertrios geschrieben. Sie haben nicht die Gunst des Publikums erfahren wie das Quartett (op. 47) und das Quintett (op. 44) mit Klavier aus dem Kammermusikjahr 1842. Einzig das d-moll-Trio kann mithalten. Fünf Jahre waren vergangen, als die beiden Trios op. 63 (Schumann bezeichnete es zunächst als Nr. 2 und wollte es mit den Fantasiestücken unter einer Opuszahl zusammenfassen) und 80 entstanden. In der Zwischenzeit hatte Schumann sich mit Bach auseinandergesetzt und sich kompositorisch weiterentwickelt. Das d-moll-Trio lässt diese Neuansätze wirksam werden. Die ersten drei Sätze mögen etwas davon spüren lassen, dass Schumann sie „in einer Zeit düsterer Stimmungen“ schrieb: Leidenschaftliche Unruhe dominiert den Kopfsatz und das von Schumann nicht als solches bezeichnete Scherzo. Das Adagio in a-moll, ein Klagelied, dreiteilig gebaut (ABA’), ist ein Variationensatz. Sein stilles Thema ist von Synkopen, Vorhalten und Einsätzen auf den unbetonten Taktteilen geprägt. Der Mittelteil in F-dur bringt mehr Bewegung. Das attacca anschliessende Finale hatte wohl Clara Schumann besonders im Auge, wenn sie vom Trio meinte: „Es klingt wie von einem, von dem noch viel zu erwarten steht, so jugendfrisch und kräftig, und doch in der Ausführung so meisterhaft.“

rs