Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Konzertdetails

706

3.11.1998, 20:15 Uhr (Zyklus A 73. Saison)
Stadtcasino Basel, Festsaal

Angell Piano Trio (London)

Schmolck, Jan Peter, Violine
May, Richard, Violoncello
Angell, Frances, Klavier

Das Angell Piano Trio wurde 1991 an der Britten-Pears School gegründet. Es folgten Studien bei András Schiff, Menahem Pressler und Sigmund Nissel (Amadeus Quartett). Das Trio gastiert mit grossem Erfolg bei Kammermusikreihen und Festivals in Grossbritannien, Europa und Übersee. Regelmässig macht es Aufnahmen für die BBC, neuerdings auch für Schweizer Radio DRS und den Bayerischen Rundfunk.

Frances Angell ist in Jamaika geboren; sie studierte Klavier in London und Kanada (bei Imogen Cooper in Prussia Cove und mit Menahem Pressler), sowie Musikwissenschaft. Sie ist als Solistin und Begleiterin in Europa, Kanada und Jamaika erfolgreich tätig.

Jan Peter Schmolck stammt aus Freiburg i.Br. und studierte ebenfalls in London. Auf Einladung von Paul Tortelier wurde er 1986 zum ersten „Musiktreffen St. Moritz“ eingeladen. Seitdem konzertiert er in Europa und in Jamaika. Er spielt auch regelmässig als einer der ersten Geiger mit der Academy of St. Martin-in-the-Fields.

Richard May ist in Nottingham geboren und studierte in London. Seine Ausbildung erhielt er u.a. bei William Pleeth und Paul Tortelier. Er gewann mehrere Preise, so 1994 den Preis junger Künstler der National Federation of Music Societies. Als Solist trat er auch schon mit dem Sinfonieorchester Basel auf.

Joseph Haydn
1732-1809

Klaviertrio Nr. 39, G-dur, Hob. XV:25 (vor 1795)

Andante
Poco adagio: Cantabile
Rondo all’Ongarese: Presto

Rebecca Clarke
1886-1979

Klaviertrio (1921)

Moderato ma appassionato
Andante molto semplice
Allegro vigoroso

Felix Mendelssohn Bartholdy
1809-1847

Klaviertrio Nr. 1, d-moll, op. 49 (1839)

Molto allegro ed agitato
Andante con moto tranquillo
Scherzo: Leggiero e vivace
Finale: Allegro assai appassionato

Haydns berühmtestes Klaviertrio entspricht nur beschränkt der klassischen dreisätzigen Form mit Sonatenkopfsatz. Dieser fehlt nämlich ganz. An seiner Stelle steht am Beginn eine rondoartige Variationsform über ein elegantes Thema. Auch das Adagio in dreiteiliger Form wird von grosser melodischer Schönheit bestimmt, besonders im Mittelteil in A-dur, wo die Geige führt. Ja, und dann folgt eben jener Satz, dem das Trio seine Berühmtheit und Beliebtheit verdankt. Dieses ungarische Rondo fegt die Eindrücke der beiden ersten Sätze förmlich weg – kein Wunder, dass es eine beliebte Zugabe ist. Als solche war es zahllose Male in unseren Konzerten zu hören – das Trio als ganzes erlebt erst seine zweite Aufführung. Achten wir darum einmal genauer auf die Schönheiten der beiden ersten Sätze, statt nur auf das all’Ongarese zu warten!

Die hierzulande völlig unbekannte englische Bratschistin Rebecca Clarke wurde im englischen Harrow geboren. Sie darf als namhafteste britische Komponistin der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts gelten. Ihr Werk ist eher schmal und umfasst 58 Lieder und 24 Instrumentalwerke. Der Kammermusik widmete sich die angesehene und weitgereiste Bratscherin (sie trat u.a. mit Rubinstein, Thibaud, Heifetz, Schnabel, Szigeti auf) in einer Bratschensonate (1919) und im Klaviertrio, ihren wohl bedeutendsten Kompositionen. Beide Werke entstanden für Kompositionswettbewerbe von Mrs. Elizabeth Sprague Coolidge; beide gelangten in den zweiten Rang (die Sonate hinter einer Suite von Ernest Bloch) – und stellten sich zum grossen Erstaunen der Jury als Werke einer Frau heraus! Das Trio darf als Clarkes Meisterwerk gelten. Sie entwickelt darin lange und kräftige Passagen aus kleinsten melodischen Fragmenten und zeigt eine Vorliebe für komplizierte Rhythmen. Der Komponistin wurden ein scharfes Denkvermögen, ein spitzer Humor und grosse Energie nachgesagt. All dies spürt man im Trio, dessen musikalische Sprache bei aller persönlichen Prägung Debussys „Impressionismus“, Blochs Leidenschaft und aus englischen Volksliedern abgeleitete Melodik verschmilzt.

Mendelssohns d-moll-Trios gehörte rasch zu den populären Werken des Komponisten. Grossen Erfolg erntete er damit, auch als Pianist, bei der Uraufführung in Leipzig (1. Februar 1840) und 1843 in London. Robert Schumann nannte es das „Meistertrio der Gegenwart“. Es entstand während glücklicher Tage in Frankfurt und am Rhein. So eignet ihm trotz der Moll-Tonart jugendlicher Schwung, zu dem sich komplementär Kantabilität und im Scherzo elfenhafte Leichtigkeit gesellt. Ist der erste Satz mit seinem über 39 Takte hinweg sich entfaltenden Hauptthema von – allerdings gezügelter – Leidenschaft erfüllt, so versetzt uns das Andante in die Idylle eines Liedes ohne Worte. Das Finale, in der Form eine Verknüpfung von Rondo und Sonatensatz, entspricht kaum mehr der Ausdruckswelt von Beethovens d-moll-Appassionato. Sein romantisches Pathos geht mehr auf Brillanz aus, spielt mit heiteren Rhythmen, wird zweimal ins piano zurückgenommen und endet in einer fulminanten Coda in D-dur.

rs