Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Konzertdetails

683

29.10.1996, 20:15 Uhr (Zyklus B 71. Saison)
Stadtcasino, Hans Huber-Saal

Miami String Quartet (Miami)

Chan, Ivan, Violine 1
Meng Robinson, Cathy, Violine 2
Patterson, Chauncey, Viola
Robinson, Keith, Violoncello

Das Miami String Quartet wurde an der New World School of the Arts in Miami (Florida) gegründet. 1989 war es Gewinner bei der Fishoff Chamber Music Competition, 1992 erster Preisträger bei der Concert Artists Guild New York Competition. Das Quartett war zudem Preisträger bei den Streichquartettwettbewerben in London 1991) und Evian (1993). Es konzertiert in Amerika, wo es zu den geschätztesten jüngeren Quartetten zählt, und in Europa. Es ist Quartet in Residence am WTMI Radio in Miami sowie bei den Festivals von Kent/Blossom (Ohio) und Bellingham (Washington). Mehrere amerikanische Komponisten haben Werke im Auftrag des Miami String Quartet geschrieben. Von den beiden Quartetten Ginasteras liegt eine CD vor (Now).

Joseph Haydn
1732-1809

Streichquartett Nr. 36, A-dur, op. 20, Nr. 6, Hob. III:36 (1772)

Allegro di molto e scherzando
Adagio
Menuet: Allegro – Trio
Finale: Fuga a 3 Soggetti (Allegro)

Alberto Ginastera
1916-1983

Streichquartett Nr. 1 (1948)

Allegro violento ed agitato
Vivacissimo
Calmo e poetico
Allegramente rustico

Ludwig van Beethoven
1770-1827

Streichquartett Nr. 8, e-moll, op. 59, Nr. 2 «2. Rasumovsky-Quartett» (1806)

Allegro
Molto adagio
Allegretto - Maggiore (Thème russe)
Finale: Presto

Haydns sechs Quartette des Opus 20 entstammen dem gleichen Jahr 1772 wie die Abschiedssinfonie; man hat es auch schon als annus mirabilis bezeichnet. Die gelegentlich wegen des Titelbilds der Berliner Ausgabe Hummels von 1779 als «Sonnenquartette» bezeichneten Werke bringen gegenüber dem im Vorjahr entstandenen Opus 17 «in krisenhafter Zuspitzung und Überspitzung» Neuartiges: «die Gewichtsverlagerung auf das Finale (3 der Werke haben Fugen zu Schlusssätzen), die Steigerung der Affektsprache bis ins Bizarre, die Intensivierung der thematischen Arbeit und der Kontraste innerhalb der Sätze, die Erweiterung der Dimensionen bei gleichzeitiger Intensivierung des Details». Das A-dur-Quartett, nimmt, vor allem wegen des kapriziösen Charakters des 6/8-Kopfsatzes, die Rolle des leichtgewichtigen Stückes ein. Das Adagio erhält durch die Schönheit seiner lieblichen Melodik ernsthafte Züge. Das Menuett steht dem Ton des Kopfsatzes näher; im Trio nimmt Haydn, indem er die 2. Violine pausieren lässt, das Stück beim Wort. Von den drei Fugenthemen «ist nur das 1. Thema ganz individualisiert und im Tonfall finalehaft munter; das 2. ist ein konventioneller Kontrapunkt und das 3. eine Begleitfigur» (Zitate: L. Finscher).

Alberto Ginastera stammte aus Buenos Aires; die letzten Jahre seines Lebens verbrachte er in Genf. In seinem Schaffen scheint er den Kontrast der argentinischen Pampas und der kultivierten Urbanität zu verarbeiten. Seine erste Schaffensperiode, die er später mit «objektivem Nationalismus» umschrieb, beruhte daher auf Melodik und Harmonik der argentinischen Volksmusik. Am Beginn der zweiten Periode eines subjektiven Nationalismus steht das 1. Streichquartett. Hier arbeitet Ginastera mit einer Achtton-Tonleiter, in der Halb- und Ganztöne abwechseln. Daraus leitet er Akkorde und Melodien ab, die strukturell zusammenhängen. Ein typisches Merkmal ist eine Art flamenco-nahen Klangs der Gitarre, der auch im Harmonischen genutzt wird. Motorische Energie, ein Merkmal von Ginasteras Stil, bestimmt den Kopfsatz und das Scherzo, das an den Malambo, einen Wettanz zwischen zwei Männern, erinnert. Der langsame Satz, eine freie Rhapsodie, lässt die Gitarrenharmonik anklingen. Auch ins Finale, einem auf zwei Themen beruhenden Rondo, spielt sie hinein.

«Das zweyte der drey grossen Violinquartetten von Beethoven aus E moll kam nun an die Reihe. Wer diese Composition kennt, muss eine gute Meinung von einem Publikum bekommen, dem man wagt, so etwas bedeutendes, aber doch unpopulaires vorzutragen. Mit merkwürdiger Stille lauschte alles denen, oft etwas bizarren Tönen, was nur eine so gelungene Aufführung bewirken konnte.» Solches stand anno 1821 in der Allgemeinen Musikalischen Zeitung Leipzig zu lesen, 16 Jahre nach der Entstehung des Werks. Schon 1807 wurden die Quartette des op. 59 am selben Ort als «tief gedacht und trefflich gearbeitet, aber nicht allgemeinfasslich» beurteilt. Was damit gemeint ist, erfahren wir, wenn wir diesen 6/8-Kopfsatz mit dem aus dem Haydn-Quartett vergleichen: Hier «liegt über allem der Ausdruck einer ziemlichen Finsternis. Seine Thematik ist versponnen, introvertiert und merkwürdig wenig fasslich im melodiösen Sinn» (L. Finscher).

rs