Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

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Konzertdetails

646

15.12.1992, 20:15 Uhr (Zyklus B 67. Saison)
Stadtcasino, Hans Huber-Saal

Trio Fontenay (Hamburg)
Wolfgang Holzmair, Bariton

Mücke, Michael, Violine
Schmidt, Niklas, Violoncello
Harden, Wolf, Klavier

Holzmair, Wolfgang, Bariton

Im Jahre 1980 gründeten drei junge Musiker, von denen sich Geiger und Pianist bereits am Albert-Schweitzer-Gymnasium kennen gelernt hatten, in Hamburg das Trio Fontenay. Sie benannten es nach dem Strassennamen eines Wohltäters der Stadt Hamburg hugenottischer Herkunft. Nach gemeinsamen Studien beim Amadeus Quartet erregte das Ensemble rasch internationale Aufmerksamkeit. Bereits im ersten Jahrzehnt seines Bestehens gastierte das Trio Fontenay in den bedeutendsten Konzertsälen der Welt. Seit seinem Amerika-Debüt im Jahr 1986 unternimmt es jedes Jahr eine grosse USA-Tournee. Es wurde zum Trio en résidence au Châtelet in Paris ernannt. Das Repertoire umfasst auch Werke, die über die Triobesetzung hinausgehen, widmet sich aber doch vor allem den bekannten und bedeutendsten Klaviertrios. Für die Einspielung der Beethoven-Trios erhielten die Musiker sowohl den Diapason d’Or und den Preis der Deutschen Schallplattenkritik. Im Trio, das bereits 1991 und 1992 bei uns gastierte, ist seit 1998 Jens Peter Maintz an die Stelle von Niklas Schmidt getreten.

Joseph Haydn
1732-1809

Bearbeitungen von Volksliedern für Singstimme und Klaviertrio, Hob. XXXI a/b (1791-1805)

The rising of the Lark (Welsh), b/1
Leader Haughs and Yarrow (Scottish), a/27
The dimpled cheek (Welsh), b/10
William and Margret (Scottish), a/153
My Colin (Scottish), a/253A

Ludwig van Beethoven
1770-1827

Klaviertrio Nr. 1, Es-dur, op. 1, Nr. 1 (1793/94)

Allegro
Adagio cantabile
Scherzo: Allegro assai – Trio
Finale: Presto

Joseph Haydn
1732-1809

Klaviertrio Nr. 39, G-dur, Hob. XV:25 (vor 1795)

Andante
Poco adagio: Cantabile
Rondo all’Ongarese: Presto

Ludwig van Beethoven
1770-1827

Bearbeitungen von Volksliedern für Singstimme und Klaviertrio, WoO 153-155/op. 108 (1810–16)

Faithfu’ Johnie (Scottish), op. 108/20
When far from the home (Irish), WoO 153/11
The pulse of an Irishman (Irish), WoO 154/4
Oh! who, my dear Dermot (Irish), WoO 154/5
Oh sweet were the hours (Scottish), op. 108/3
The parting kiss (Welsh), WoO 155/25
Come fill (Scottish), op. 108/13

(zu Beethoven, Klaviertrio Nr. 1, Es-dur, op. 1, Nr. 1)

Wer sich Ende des 18. Jahrhunderts als Komponist profilieren wollte, veröffentlichte als erstes Werk eine Serie von Streichquartetten. Bei Beethoven hätte man eher Klaviersonaten erwartet (sie wurden das op. 2); doch trat dieser 1795 mit drei Klaviertrios hervor. Sie waren nicht Beethovens erste Beiträge zur Gattung. So verwundert es nicht, dass es reife Werke sind, die der Komponist bewusst zu seinem Opus 1 bestimmte. Erstmals erklangen sie wohl Ende 1793 bei einer Abendgesellschaft des Widmungsträgers, des Fürsten Lichnowsky, wo sie Sensation machten. Auch der anwesende Haydn war beeindruckt. Für den Druck wurden sie überarbeitet. Mit seinem op. 1 begründete Beethoven (trotz Haydn und Mozart) die Gattung Klaviertrio erst richtig. Er fügte an dritter Stelle einen Tanzsatz ein, wie er bei Streichquartetten üblich war. Typisch mag sein, dass es sich dabei um ein Scherzo und nicht mehr um ein Menuett handelt, obwohl der Satz in der Violinstimme noch so bezeichnet wird.

(zu Haydn, Klaviertrio Nr. 39, G-dur, Hob. XV:25)

Haydns berühmtestes Klaviertrio entspricht nur beschränkt der klassischen dreisätzigen Form mit Sonatenkopfsatz. Dieser fehlt nämlich ganz. An seiner Stelle steht am Beginn eine rondoartige Variationsform über ein elegantes Thema. Auch das Adagio in dreiteiliger Form wird von grosser melodischer Schönheit bestimmt, besonders im Mittelteil in A-dur, wo die Geige führt. Ja, und dann folgt eben jener Satz, dem das Trio seine Berühmtheit und Beliebtheit verdankt. Dieses ungarische Rondo fegt die Eindrücke der beiden ersten Sätze förmlich weg – kein Wunder, dass es eine beliebte Zugabe ist. Als solche war es zahllose Male in unseren Konzerten zu hören – das Trio als ganzes erlebt erst seine zweite Aufführung. Achten wir darum einmal genauer auf die Schönheiten der beiden ersten Sätze, statt nur auf das all’Ongarese zu warten!