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27.11.1979, 20:15 Uhr (Zyklus A 54. Saison)
Stadtcasino, Festsaal
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Levin, Walter, Violine 1
Meyer, Henry, Violine 2
Kamnitzer, Peter, Viola
Fiser, Lee, Violoncello
(zu Mozart, Streichquartett Nr. 15, d-moll, KV 421 (417b)) Die Tonart d-moll gibt Mozart immer Anlass zu besonderer Intensität, so auch hier. Im Sotto voce-Einsatz wird zuerst die Erregung zurückgedrängt, doch kommt sie bald im Forte zum Ausbruch, und auch die Bewegung steigert sich ständig. Die Schönheit des Andante bringt Beruhigung; es ist aber kleingliedrig und von Pausen durchbrochen. Die Schroffheit des Menuetts kippt im Trio in fast unwirkliche Eleganz und Leichtigkeit, so als hätten wir es mit einer Serenade zu tun. Das Finale orientiert sich zwar an Haydns Finalthema aus op. 33/5, aber Mozarts d-moll ist weit entfernt von Haydns G-dur-Leichtigkeit. - -
Das d-moll-Quartett weist im typisch mozartschem Mollcharakter voller Erregung und in dunkler Klangsprache - wozu im Kopfsatz Intervallsprünge und herbe Dissonanzen treten - Neuartiges auf. Im Menuett kontrastiert die dunkle Färbung mit dem heiteren Serenadenton des Trios. Das Variationen-Finale greift sowohl im Siciliano-Rhythmus wie in der Melodik unüberhörbar auf Haydn selbst zurück: auf seine Finalvariationen in op. 33/5, werden aber harmonisch und modulatorisch neu gedeutet.
(zu Mozart, Streichquartett Nr. 16, Es-dur, KV 428 (421b)) Mozarts Es-dur-Quartett, als drittes der sechs Haydn-Quartette entstanden und nur ungenau zwischen Juli 1783 und Januar 1784 datiert, ist vielleicht das eigenartigste der Reihe: Ohne die sonst bei Mozart bekannte Es-dur-Festlichkeit beginnt der Kopfsatz harmonisch unbestimmt mit einem Unisono. Erst im zweiten Anlauf tritt er mit überraschenden Dissonanzen harmonisch auf. Das Andante in der Tristan-Tonart As-dur ist harmonisch noch ungewohnter – und in den Takten 15 und 40 kann man tatsächlich eine Vorahnung des Tristanmotivs hören. Das ausgedehnte Menuett beginnt mit vehementer Attacke auftaktig; das Trio versteckt seine eigentliche Tonart B-dur hinter einer langen c-moll-Melodie. Erst das Finale, eine Art Sonatensatz ohne Durchführung, bricht mit der Unbestimmtheit der vorangehenden Sätze und erweist sich in seinem Humor als eine Hommage an Haydn. - -
Am ehesten auf Haydns Spuren bewegt sich trotz einer fast spröden Wendung nach innen das Quartett in Es-dur, doch auch hier geht die Harmonik eigene Wege, insbesondere im Andante - bis hin zu einer Vorwegnahme des Tristanakkords. Am nächsten ist Haydn im Finale mit dem den Hörer immer wieder überraschenden geringen Abweichen vom Erwarteten und einer gehörigen Portion Virtuosität.
(zu Zemlinsky, Streichquartett Nr. 4, op. 25 «Suite») Am 24. Dezember 1935 war Alban Berg 50jährig an einer Blutvergiftung infolge von Furunkulose in Wien gestorben. Das 4. Streichquartett, an dem Zemlinsky während des ersten Halbjahrs 1936 arbeitete, nimmt zweifellos darauf Bezug. Hinweise sind die Bezeichnung „Suite“ im Manuskript und der Aufbau des Werkes. Zemlinsky gestaltet die Hommage an seinen Freund als absolute Musik in Form eines „Tombeau d’ A. B.“, indem er auf Titel und Satzfolge von Bergs „Lyrischer Suite“ von 1926 anspielt, welche ihm mit einem Zitat aus seiner eigenen „Lyrischen Sinfonie“ gewidmet war. Auch im Detail gibt es Entsprechungen. So sind die sechs Sätze ebenfalls motivisch untereinander verbunden und werden je zu zweit (jeweils langsam – schnell) zusammengefasst, was das Werk letztlich dreigliedrig macht. Das Präludium beginnt verhalten. Horst Weber spricht von „versteinerten Akkordfolgen“, als ob sich Zemlinsky aus der Erstarrung nach Bergs Tod erst lösen müsste. Das lyrische Zentrum des Werks bildet das Adagietto; lyrisch bleibt auch die vom Cello eingeleitete Variationenfolge der Barcarole. Zwei Scherzo-Sätze (Burleske und Intermezzo), zu denen sich im Charakter das Fugen-Finale gesellt, bilden dazu den Kontrast. Bemerkenswert sind die kaum zufälligen „Zitate“ von Satzbezeichnungen des von Berg und Zemlinsky verehrten Mahler (Adagietto, Burleske). Zemlinsky fand in den ihm in Europa verbleibenden zwei Jahren kein Ensemble, welches das Werk in Wien, wohin er 1933 zurückgekehrt war, aufführen wollte. 1938 nahm er es bei seiner Emigration mit nach Amerika. Auch dort kam es weder zum Druck noch zu einer Aufführung. Erst 25 Jahre nach dem Tod des Komponisten erfolgte 1967 in Wien die Uraufführung. Zwölf Jahre später, vor dreissig Jahren also, spielte es das LaSalle Quartet das bisher einzige Mal in unseren Konzerten.
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