Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Konzertdetails

454

23.3.1976, 20:15 Uhr (Zyklus A 50. Saison)
Stadtcasino, Festsaal

Suk-Trio (Prag)

Suk, Josef, Violine
Chuchro, Josef, Violoncello
Panenka, Jan, Klavier

Joseph Haydn
1732-1809

Klaviertrio Nr. 30, D-dur, Hob. XV:16 (1790?)

Allegro
Andantino più tosto allegretto
Vivace assai

Johannes Brahms
1833-1897

Klaviertrio Nr. 3, c-moll, op. 101 (1886)

Allegro energico
Presto non assai
Andante grazioso
Allegro molto

Antonín Dvorák
1841-1904

Klaviertrio Nr. 3, f-moll, op. 65, B 130 (1883)

Allegro ma non troppo
Allegretto grazioso
Poco Adagio
Finale: Allegro con brio

(zu Brahms, Klaviertrio Nr. 3, c-moll, op. 101)

Sieben Jahre nach Hubers Trio erklang am 21. November 1887 das im Sommer 1886 am Thunersee entstandene c-moll-Trio überraschend erstmals in Basel – mit Brahms am Klavier. Das kam so: Joseph Joachim sollte mit dem Beethoven-Konzert bei der AMG auftreten, brachte unerwartet Brahms und den Cellisten Robert Hausmann mit und setzte auch das neue, im Oktober uraufgeführte Doppelkonzert op. 102 aufs Programm. Während der Probe trat Brahms mit der Bemerkung «Ich bin nämlich der, der das Stück gemacht hat» ans Dirigentenpult, «übernahm selbst die Direktion in Probe und Konzert und belohnte die Basler für die ihnen aufgezwungene, etwas spröde Kost durch die Mitwirkung in einem Kammermusikabend am darauffolgenden Tag, in dem er sein Trio in C-moll spielte» (Erinnerungen von Rudolf Löw, 1924; von ihm stammen mehrere Huber-Bildnisse, eines hier im Hause). «Im nicht eben überfüllten alten Konzertsaale des Stadtkasinos», schrieb der Kritiker der Basler Nachrichten, «war den Hörern eine tüchtige receptive Leistung zugemuthet», doch scheinen ihm die Mittelsätze des Trios gefallen zu haben. Den zweiten Satz nennt er «eine Perle Brahms’scher Dichtung», die beweise, «dass der Meister auch Melodien, und zwar von den schönsten und süssesten bieten kann. Der erste etwas wilde und der vierte Satz sind schwerer verständlich.» Wie schon bei Huber spielte der Basler Cellist Moritz Kahnt den Cellopart. Ebenso überraschend erklang das Trio tags darauf in Zürich. Arthur Steiner beschrieb das Konzert in der NZZ vom 29. November: «Es war ein denkwürdiger Abend. Der Komponist spielte selbst den Klavier-Part in der ihm eigenen breiten, prägnanten Weise. Was die Kompositionen betrifft, so glaubten wir zu bemerken, dass das Trio einen grossen überzeugenden Eindruck gemacht hat. Es wird ohne Zweifel sehr rasch sich durch alle Konzertsäle seinen Weg bahnen und sich in den eisernen Bestand der Kammermusik-Literatur einreihen. Es ist jung und lebhaft ohne jede Überschwänglichkeit. Auch das Andante will nicht in die Tiefe bohren, süss und schwärmerisch wie ein alter Minnesang, aber einfach und natürlich strömt es dahin. Die Streicher auf der einen, das Klavier auf der anderen Seite führen einen überaus reizvollen Wechselgesang. Ist es ein altes Lied, auf das sich Beide besinnen müssen? Wo die eine Gruppe den Faden verlor, nimmt ihn die andere auf und spinnt ihn weiter, und so ergänzen und erwärmen sie sich gegenseitig. Das Trio führt die Sprache des Meisters, der aus dem Vollen schöpft; mit leichter Hand führt er seine Stimmen durch die sonnigen Gefilde quellenden Wohllautes, seltener als früher durch zerklüftete Engpässe. Das Publikum drängte sich auf allen Plätzen und verstieg sich in seiner Begeisterung zu Temperaturen, die sonst nicht gebräuchlich sind.»

(zu Dvorák, Klaviertrio Nr. 3, f-moll, op. 65, B 130)

Wäre nicht das beliebte Dumky-Trio, Dvoráks f-moll-Trio hätte es leichter, seine Meisterschaft zu erweisen. Das etwa vierzigminütige Werk darf als eines der gelungensten und persönlichsten Kammermusikwerke des Komponisten gelten. Die von der Tonart vorgegebene Düsterheit verbindet sich mit Klangschönheit, insbesondere im As-dur-Klagegesang des Adagio, der die Leidenswelt des Kopfsatzes wieder aufnimmt. Das Scherzo steht in cis-moll und war ursprünglich an der traditionellen dritten Stelle geplant. Das furiantähnliche Finale macht sich die Spannung von cis-moll und f-moll zunutze und bricht sich erst nach mehreren Anläufen die Bahn nach F-dur. Böhmische Einflüsse sind vorhanden, vor allem in Rhythmus und Harmonie, wirken aber gebändigt durch eine gewisse brahmsnahe Färbung und eine eigenständige und neue Themenbildung. Der folkloristische Ton ist nicht mehr zentrales Anliegen Dvoráks. Nicht zuletzt der Klaviersatz mahnt an den verehrten Mentor. Das Werk entstand im Februar/März 1883, kurz nach dem Tod von Dvoráks Mutter. Wie in einem andern f-moll-Werk, das in dieser Saison zu hören war (Mendelssohns Streichquartett op. 80), mag auch hier der Todesfall auf die Stimmung eingewirkt haben. Das Werk war dem Komponisten so wichtig, dass er es bis zur Uraufführung im Oktober 1883, bei der er selber als Geiger mitwirkte, laufend überarbeitete.