Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Konzertdetails

436

26.11.1974, 20:15 Uhr (Zyklus A 49. Saison)
Stadtcasino, Festsaal

Philadelphia String Quartet (Philadelphia)

Reynolds, Veda, Violine 1
Eisenberg, Irwin, Violine 2
Iglitzin, Alan, Viola
Brennand, Charles, Violoncello

Joseph Haydn
1732-1809

Streichquartett Nr. 43, d-moll, op. 42, Hob. III:43 (1785)

Andante ed Innomentemente
Menuet – Trio
Adagio e cantabile
Finale: Presto

Alberto Ginastera
1916-1983

Streichquartett Nr. 2 (1958)

Allegro rustico
Adagio angoscioso
Presto magico
Libero e rapsodico
Furioso

Robert Schumann
1810-1856

Streichquartett Nr. 1, a-moll, op. 41, Nr. 1 (1842)

Introduzione: Andante espressivo – Allegro
Scherzo: Presto – Intermezzo
Adagio
Presto

(zu Haydn, Streichquartett Nr. 43, d-moll, op. 42, Hob. III:43)

Haydns d-moll-Quartett op. 42 ist ein merkwürdiges Werk. Nicht nur steht es als einziges nicht im Rahmen einer Dreier- oder Sechsergruppe, sondern überrascht durch sein Kürze, einen langsamen Kopfsatz, ein Menuett an 2. Stelle und ein fugiertes Finale. Dies könnte auf eine Entstehung vor dem op. 33 hindeuten. Nun weiss man, dass Haydn 1784 an kurzen Quartetten für Spanien arbeitete; sie sind verloren. Vielleicht finden wir im op. 42, das im sorgfältig bearbeiteten Manuskript mit 1785 datiert ist, einen Rest oder zumindest einen Reflex dieser spanischen Quartette. Die zwar einfache, doch konzise Arbeit des op. 42 zeigt, dass die vielfach bezweifelte Datierung und Stellung zwischen den Opera 33 und 50 richtig ist. Der Kopfsatz ist ein monothematischer Sonatensatz, der mit drei Dur-Akkorden im pianissimo endet. Daran schliesst das D-dur-Menuett mit einem kurzen Trio, wieder in d-moll, an. Das einfache Adagio in B-dur mit seinem innigen Thema lässt an Mozart denken. Das Finale, eine Kombination von Fuge und Sonatensatz, ist trotz seiner Kürze der wichtigste Satz des Werkes. Nicht auf sein eigenes op. 20 greift Haydn hier zurück, sondern offensichtlich auf Mozarts KV 387, das erste jener ihm kurz zuvor gewidmeten sechs Quartette.

(zu Schumann, Streichquartett Nr. 1, a-moll, op. 41, Nr. 1)

Schumanns Quartette stammen (frühere Pläne 1838 und 1839) aus dem Kammermusikjahr 1842. Im März hatte Schumann der auf Konzertreise befindlichen Clara geklagt, dass er fast nur Kontrapunkt und Fugen studiere. Nach ihrer Rückkehr änderte sich dies rasch: Innerhalb von knapp zwei Monaten entstehen die drei Quartette op. 41, das erste vom 2. bis 8. Juni (kurz danach überarbeitet). Schumann setzt sich kaum mit dem Vorbild Beethoven, sondern mit den Quartetten des Widmungsträgers Mendelssohn auseinander. Im Kopfsatz steht nur die Einleitung in a-moll, das Allegro dagegen in F-dur. Das Scherzo, dessen nicht speziell bezeichnetes, dem Scherzo ähnliches Trio die Paralleltonart C-dur aufweist, und das Finale nehmen a-moll wieder auf, für das Adagio wurde F-dur gewählt. In ihm mag man im kantablen Thema Anklänge an den langsamen Satz der 9. Sinfonie Beethovens heraushören. Das heitere Finale lässt an Haydn denken, doch tragen hier die erwähnten Kontrapunktstudien Früchte. Wer will, kann am Ende der Durchführung eine Anspielung auf das Motto von Beethovens op. 130 bis 132 erkennen. Der Widmungsträger kommt zum Zuge, wenn vor Beginn der Coda Schottisches anklingt, war doch dessen «Schottische Sinfonie» kurz zuvor in Leipzig uraufgeführt worden.