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2.3.1965, 20:15 Uhr ( 39. Saison)
Stadtcasino, Festsaal

Endres-Quartett (München)

Endres, Heinz, Violine 1
Rottenfusser, Josef, Violine 2
Ruf, Fritz, Viola
Schmidt, Adolph, Violoncello

Wolfgang Amadeus Mozart
1756-1791

Streichquartett Nr. 15, d-moll, KV 421 (417b) (1783)

Allegro (moderato)
Andante
Menuetto: Allegretto – Trio
Allegretto, ma non troppo (con variazioni)

Arthur Honegger
1892-1955

Streichquartett Nr. 1, c-moll (1917)

Appassionato
Adagio
Allegro

Johannes Brahms
1833-1897

Streichquartett Nr. 1, c-moll, op. 51, Nr. 1 (1873)

Allegro
Romanze: Poco adagio
Allegretto molto moderato e comodo – Un poco più animato
Finale: Allegro

(zu Brahms, Streichquartett Nr. 1, c-moll, op. 51, Nr. 1)

Bei Brahms dauerte der Weg zum gültigen Streichquartett beinahe so lange wie der zur Sinfonie. Waren es dort Serenaden und das d-moll-Klavierkonzert, so hier zwei Streichsextette, ein Streichquintett (das zuletzt zum Klavierquintett wurde) und angeblich «über zwanzig Streichquartette», die nie das Licht der Veröffentlichung erblickten. Und als die beiden Quartette des op. 51 endlich zur Geburt reif waren, bedurfte es, wie Brahms scherzhaft vermerkte, für die «Zangengeburt» des Chirurgen. Ihm, dem Freund Theodor Billroth, sind sie denn auch gewidmet. Im Vergleich zu den Sextetten oder Klavierquartetten muss im c-moll-Werk der neue Klang und die Verdichtung mit einer geradezu spröden Verschlossenheit, strengem Ernst und der letztlich fast monothematischen Substanz überrascht haben. Die Sätze charakterisiert Ludwig Finscher mit den Begriffen «dramatisch zerklüftet» (Kopfsatz), «melancholisch» (Romanze), «nachdenklich-versponnen» (Allegretto anstelle eines Scherzos!) und «emotionale Hochspannung» (Finale). Kein Wunder, dass die Uraufführung am 11. Dezember 1873 in Wien nur einen Achtungserfolg einbrachte.

(zu Mozart, Streichquartett Nr. 15, d-moll, KV 421 (417b))

Die Tonart d-moll gibt Mozart immer Anlass zu besonderer Intensität, so auch hier. Im Sotto voce-Einsatz wird zuerst die Erregung zurückgedrängt, doch kommt sie bald im Forte zum Ausbruch, und auch die Bewegung steigert sich ständig. Die Schönheit des Andante bringt Beruhigung; es ist aber kleingliedrig und von Pausen durchbrochen. Die Schroffheit des Menuetts kippt im Trio in fast unwirkliche Eleganz und Leichtigkeit, so als hätten wir es mit einer Serenade zu tun. Das Finale orientiert sich zwar an Haydns Finalthema aus op. 33/5, aber Mozarts d-moll ist weit entfernt von Haydns G-dur-Leichtigkeit. - -

Das d-moll-Quartett weist im typisch mozartschem Mollcharakter voller Erregung und in dunkler Klangsprache - wozu im Kopfsatz Intervallsprünge und herbe Dissonanzen treten - Neuartiges auf. Im Menuett kontrastiert die dunkle Färbung mit dem heiteren Serenadenton des Trios. Das Variationen-Finale greift sowohl im Siciliano-Rhythmus wie in der Melodik unüberhörbar auf Haydn selbst zurück: auf seine Finalvariationen in op. 33/5, werden aber harmonisch und modulatorisch neu gedeutet.