Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

Konzertdetails

156

5.2.1946, 20:00 Uhr ( 20. Saison)
Stadtcasino, Festsaal

Basler Streichquartett [1926-1947] (Basel)
Paul Baumgartner, Klavier

Hirt, Fritz, Violine 1
Felicani, Rodolfo, Violine 2
Bertschmann, Albert, Viola
Wenzinger, August, Violoncello

Baumgartner, Paul, Klavier

Robert Schumann
1810-1856

Streichquartett Nr. 3, A-dur, op. 41/3, Felix Mendelssohn-Bartholdy gewidmet (1842)

Andante espressivo – Allegro molto moderato
Assai agitato (con variazioni) – Un poco adagio – Tempo risoluto
Adagio molto
Finale: Allegro molto vivace – Quasi Trio

Märchenbilder für Viola und Klavier, op. 113 (1851)

Nicht schnell
Lebhaft
Rasch
Langsam, mit melancholischem Ausdruck

Klavierquartett Es-dur, op. 47 (1842)

Sostenuto assai – Allegro ma non troppo
Scherzo: Molto vivace – Trio I – Trio II
Andante cantabile
Finale: Vivace

(zu Schumann, Klavierquartett Es-dur, op. 47)

Die drei Streichquartette, die Schumann als Gegenpol zur Klavierkomposition anging („das Klavier wird mir zu enge“ schrieb er 1838 an Clara) sowie das Klavierquintett und -quartett sind im Kammermusikjahr 1842 entstanden. Offenbar war es Schumann wichtig, nach den Streichquartetten auch die Kombination des eigenen Instruments mit Streichern auszuprobieren. Beide Werke wurden parallel im Oktober/November 1842 geschrieben und stehen in derselben Tonart. Das Klavier verbindet sich darin mit dem zuvor erprobten Streicherklang. Impulsives Drängen und Versonnenheit, Ausbruch und Schwärmerei, Florestan und Eusebius, die zwei Seelen in Schumanns Brust, sprechen die dem noch immer jungen Komponisten eigene Sprache. Im Kopfsatz des Quartetts führt eine pianissimo-Einleitung an das Hauptthema heran: Die Streicher nehmen das Kopfmotiv des Allegro, rhythmisch und in der Artikulation verändert, vorweg. Das Klavier, von den Streichern zunächst im Kopfmotiv nur rhythmisch unterstützt, trägt es dann im raschen Tempo vor und verbindet sein mehrfaches Erscheinen mit einer einstimmigen Reihe von Achteln. Das Seitenthema in g-moll besteht aus aufsteigenden Achteln und absteigenden Vierteln, die jeweils das Klavier kurz vor den Streichern erklingen lässt. Vor der Durchführung wiederholt Schumann die langsame Einleitung in der Grundtonart mit leichten Änderungen. Durchführung und Reprise gehen mit Vehemenz voran; erst in der Coda führt ein ritardando zur Ruhe zurück – eine kurze heftige Passage mit Klavierakkorden und einer tiefen Es-Oktave im Klavier bilden den Schluss. Das fünfteilige Scherzo stellt den staccato und meist im Piano verlaufenden Hauptteil in der Art eines Perpetuum mobile zwei ruhigeren Trios gegenüber, welche aber auf die staccato-Passagen zurückgreifen. Das Andante ist einer der schönsten Sätze Schumanns. Man muss in aller Ruhe einfach zuhören, wie es durch eine Reihe von Variationen hindurchführt. Zu beachten ist allenfalls, mit welcher blinden Virtuosität der Cellist das von Schumann vorgeschriebene Umstimmen („Hier stimmt das Violoncello die C-Saite um einen Ton tiefer nach B“) vornimmt. Das Finale, ein Sonatenrondo, beginnt mit einem Thema, welches dem des Kopfsatzes ähnelt. Aus seinen Sechzehntelläufen entwickelt sich die dramatische Energie des Satzes, die in der Coda wieder auftaucht und das Quartett zu seinem schwungvollen Ende führt.

(zu Schumann, Streichquartett Nr. 3, A-dur, op. 41/3, Felix Mendelssohn-Bartholdy gewidmet)

Schumanns Schaffen verlief in der Frühzeit in Schüben: Auf die Klavierjahre folgten das Liederjahr 1840, das Sinfoniejahr 1841 und das Kammermusikjahr 1842. Doch hatte Schumann bereits 1838/39 an die Komposition von Streichquartetten gedacht, ja wohl auch mit der Komposition begonnen. An Clara schrieb er am 11. Februar 1838: „Auf die Quartette freue ich mich selbst, das Klavier wird mir zu enge, ich höre bei meinen jetzigen Kompositionen oft noch eine Menge Sachen, die ich kaum andeuten kann, namentlich ist es sonderbar, wie ich fast alles kanonisch erfinde.“ Ehe er seine Idee 1842 mit gleich drei Quartetten in die Tat umsetzte, studierte er eingehend die Quartette Mozarts und Beethovens. Auch die Quartette Mendelssohns, dessen drei Quartette op. 44 1837/38 entstanden, fehlten nicht. Ihm widmete er seine neuen Werke - und hält sich auch formal mehr an diese Vorbilder als etwa an Beethoven. Noch 1847, als er sich mit der Komposition von Klaviertrios wieder der Kammermusik zuwandte, freute er sich an seinen einzigen Streichquartetten: „Ich betrachte sie noch immer als mein bestes Werk der früheren Zeit, und Mendelssohn sprach sich oft in demselben Sinne aus.“ Das 3. Quartett darf wohl als Höhepunkt gelten (Mendelssohn gab allerdings bei der ersten privaten Aufführung der Nr. 1 den Vorzug.), ist es doch auch das schwungvollste der drei. Innerhalb dieses Werks dürfte der 2. Satz der ungewöhnlichste sein, ein Pseudo-Scherzo, das sich zu einer Variationenfolge in fis-moll entwickelt. Vor dem heiteren Finale, das von sanglichen Einschüben unterbrochen wird, erklingt ein ebenfalls rondoartig angelegtes Adagio in D-dur, das von ausdrucksvoller Lyrik geprägt ist.